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Knapp 1000 Menschen bei Mai-Demo in Leipzig – Straßenfest in Berlin-Kreuzberg

Protest gegen Missbrauch von Werksverträgen und Leiharbeit Knapp 1000 Menschen bei Mai-Demo in Leipzig – Straßenfest in Berlin-Kreuzberg

Rund 1000 Menschen haben am Sonntagvormittag an der traditionellen Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum 1. Mai teilgenommen.

Die Protestierenden am Sonntagvormittag auf dem Peterssteinweg.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erst Demo und Kundgebung mit kämpferischen Tönen, dann Volksfeststimmung mit Musik und Familienprogramm: Unter dem Motto „Mehr Zeit für Solidarität“ haben Gewerkschaften und politische Organisationen zum 1. Mai  in Leipzig bei bestem Wetter stark mobilisieren können. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich schon am Aufzug, der am Volkshaus in der Südvorstadt startete, dann durch die City führte und auf dem Markt endete, rund 1000 Menschen. 

Rote Fahnen, Transparente, Trommeln, Trillerpfeifen – bei der Demonstration ging es gestern lautstark zu. Gefordert wurden unter anderem mehr Geld für Bildung und bessere berufliche Perspektiven für Jugendliche. Leiharbeits- und Werksverträge wurden aufs Korn genommen. „Gegen Bosse, Banken, Monopole“ war auf einem Plakat zu lesen, auf einem anderem war das geplante Freihandelsabkommen TTIP  Zielscheibe des Protestes. Nach einer Stunde erreichte der Zug den Markt, wo sich bereits mehrere Hundert Leute versammelt hatten.

Die  Band „Jamstreet“ sorgte dort morgendlich-musikalisch für Stimmung, ringsum reihte sich ein Info-Stand an den anderen. Neben der Bühne stand ein Käfig –  die „Befristungsfalle“ –   als Sinnbild für Beschäftigungsverhältnisse, die von kurzer Dauer und beispielsweise an den Hochschulen für wissenschaftliche Mitarbeiter eher die Regel, denn die Ausnahme sind. 

Bernd Günther, der Chef des DGB-Stadtverbandes, richtete bei seiner Ansprache erst den Blick zurück und dann voraus: Mit dem auch von den Gewerkschaften durchgesetzten Mindestlohn sei es gelungen, in Sachsen für fast jeden vierten Beschäftigten die Einkommenssituation zu verbessern und die Zahl der sogenannten Aufstocker um 12.000 auf momentan 88.000 zu verringern. Jetzt gehe es auch darum, für Betroffene von Leiharbeits- und Werksverträgen deutliche Verbesserungen zu erstreiten und bei den Tarifverhandlungen etwa in der Metall- und Elektroindustrie weiter Druck zu machen. „Wir haken uns alle unter“, meinte die Vize-Vorsitzende von Verdi, Andrea Kocsis.

Solidarität und Engagement seien das „Lebenselixier der Gewerkschaften“. Es könne nicht sein, dass beispielsweise an Kliniken viele Aufgaben an tariflose Tochterfirmen ausgegliedert würden und TTIP als Aushebelmechanismus für Arbeits- und Sozialstandards sowie die öffentliche Daseinsvorsorge angelegt sei. „Bildung, Gesundheit oder Wasser dürfen keine billige Handelsware werden.“ Kocsis kündigte für den Herbst eine große Kampagne zum Problem der Altersarmut an. Die Rente müsse „armutsfest und den Lebensstandard sichernd“ sein. „Wir werden die Parteien daran messen.“

Rechte Ausschreitungen in Plauen – Straßenfest in Berlin

Auch in anderen Städten der Bundesrepublik gab es am Sonntag Demonstrationen – nicht nur von Gewerkschaften. In Plauen nutzten Rechtsextreme den 1. Mai für einen Aufmarsch und griffen dabei Polizisten und Gegendemonstranten an. Zuvor sei es laut Polizei auch zu kleineren Störaktionen von Gegendemonstranten gekommen sein.

In Berlin waren 6500 Beamte unter anderem beim traditionellen Straßenfest „Myfest“ im Stadtteil Kreuzberg im Einsatz, zudem mehrere Zehntausende erwartet wurden. In der Nacht zum Sonntag blieb es dort bei der ebenfalls traditionellen „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ weitgehend ruhig. „Es war eine störungsfreie Feier“, sagte ein Sprecher am Sonntagmorgen. An dem Protestzug gegen steigende Mieten hatten sich 2300 Menschen beteiligt. (mit dpa)

Von Mario Beck

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