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Knieersatz: Maßgeschneidert statt von der Stange - Fachtagung in Leipzig

Knieersatz: Maßgeschneidert statt von der Stange - Fachtagung in Leipzig

Wenn mit dem Knie gar nichts mehr geht - ein künstliches Gelenk hat da schon manchem weitergeholfen. Doch trotz steter Weiterentwicklung der marktüblichen Standardprothesen - einige Patienten sind am Ende mit dem "Implantat von der Stange" nicht so recht glücklich.

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Freut sich, mit ihren künstlichen Kniegelenken wieder laufen zu können: Chinyere Unamba-Oparah mit Jens Kohlschreiber und Gotthard Knoll (r.).

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Rund 20 Prozent der Betroffenen klagen über Beschwerden", weiß Chefarzt Gotthard Knoll aus dem Leipziger St. Elisabeth-Krankenhaus. Vor zweieinhalb Jahren gingen er und seine Kollegen dazu über, sozusagen maßgeschneiderte, ganz patientenindividuelle Kniegelenke einzusetzen. Weil die Ergebnisse bisher vielversprechend sind, soll sich morgen mit Kollegen anderer Bundesländer erstmals bei einer Fachtagung in Leipzig dazu ausgetauscht werden.

"Macht sich ein Knieersatz erforderlich, hat man unter den Standardprothesen durchaus verschiedene Größen - analog der Schuhgrößen - zur Auswahl. Und seit Jahrzehnten kommen die meisten Patienten damit auch gut klar", sagt Knoll. "Aber manche aus unterschiedlichsten Gründen eben nicht." Nach eingehender Prüfung des einzelnen Falls habe dann eher eine Sonderanfertigung Sinn. "Dabei erfassen wir zunächst vom Knie mit einer speziellen Computertomografie alle nötigen, relevanten Daten und senden sie dem Implantat-Hersteller", so Knoll. Weltweit gebe es für solche individuellen Anfertigungen allerdings nur einen - in den USA. "Binnen sechs Wochen fertigt der uns dann eben nur für diesen einen, ganz bestimmten Patienten ein absolut passgenaues künstliches Gelenk an, und wir kriegen es - so in Schuhkartongröße verpackt, samt dazugehöriger Schablonen für den Operateur - zugeschickt", erzählt Oberarzt Jens Kohlschreiber, Chef des Endoprothetikzentrums (EPZ) im Elisabeth. Er findet: "Vergleichbar ist das Ganze mit der Zahnmedizin, wo sich letztlich Inlays oder Kronen ja auch - ganz passgenau gemacht - in die Zahnreihe einfügen."

Der Einsatz der Schablonen, die um das zu operierende Knie-Areal gelegt werden, hat für Knoll und Kohlschreiber übrigens einen extra-positiven Aspekt: "Am Ende verringert sich dann beim Operieren der Knochenverlust, die gesamte Gelenklinie lässt sich besser wiederherstellen, die Bänder im Knie werden etwas mehr geschont", so Knoll.

Weltweit werde diese individuelle Knieendoprothetik seit 2006 genutzt. Zunächst waren es halbseitige Prothesenmodelle, seit gut drei Jahren kommen auch Vollprothesen zum Einsatz. "Alle Kliniken in Deutschland wenden das Verfahren noch nicht an. Wir hier im Elisabeth haben bisher insgesamt 130 solcher ,maßgeschneiderten' Implantate eingesetzt, können damit auf die meisten Erfahrungen in der Region verweisen, sind letztlich auch Referenzzentrum dafür. Unser EPZ wurde überdies als erstes in der Stadt und dem Leipziger Land im April zertifiziert. Die AOK bescheinigte uns kürzlich eine ,überdurchschnittlich gute Behandlungsqualität'", merkt der Chefarzt so am Rande wohl mit berechtigtem Stolz an.

Chinyere Unamba-Oparah gehört jedenfalls schon mal zu den Patientinnen, die das aus Betroffenheitssicht voll unterstreichen. "Ich habe gleich zwei solcher speziell angefertigten, künstlichen Kniegelenke im Elisabeth erhalten und es ist toll!", so die Leipziger Berufsschullehrerin mit Wurzeln in Nigeria. Die Spätfolgen eines Unfalls vor 25 Jahren hatten den frühen Verschleiß ihrer Kniegelenke verursacht. "Ich hatte lange Zeit viele Schmerzen. Doch der Schritt, einem künstlichen Ersatz zuzustimmen, fiel mir zuerst sehr schwer", erinnert sich die 51-Jährige. Die OP am Bein Nummer zwei ist nun gerade mal drei Wochen her. "Ich kann schon wieder gut laufen, spüre überhaupt nicht, dass da irgendwo etwas Fremdes im Körper ist. Im Gegenteil! Ich habe so sehr an Lebensqualität gewonnen", schwärmt sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.09.2014

Raulien, Angelika

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