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Knöllchenstress am Steigenberger: Leipziger Hoteldirektor zahlt die Strafzettel

Parkverbot in der Fußgängerzone Knöllchenstress am Steigenberger: Leipziger Hoteldirektor zahlt die Strafzettel

Vorm Steigenberger Grandhotel im Leipziger Salzgäßchen ist nur Kurzzeithalten erlaubt – aber der hoteleigene Fahrdienst schafft es nicht immer, die Wagen in 15 Minuten wegzufahren. Bisher sind dort schon Strafzettel für 3000 Euro angefallen. Die zahlt der Hoteldirektor, damit kein Gast mit einem schlechten Eindruck von Leipzig nach Hause fährt.

Leipzig. Der Wettlauf zwischen Hase und Igel – in der Leipziger City wird er zum Wettlauf zwischen Politessen und Steigenberger Grandhotel. Wer ist schneller, der Fahrdienst des Hotels, der die Gäste-Wagen aus der Fußgängerzone wegbringt – oder die Knöllchenschreiberinnen? Hoteldirektor Hans-Joachim Kauschke (63) nimmt die Strafzettel seufzend an sich und zahlt – um niemanden mit einem schlechten Eindruck von Leipzig nach Hause zu schicken. Rund 3000 Euro hat er seit der Eröffnung im April 2011 schon überwiesen. Am kommenden Wochenende dürfte die Knöllchen-Gefahr besonders groß sein, wenn sich Opernball-Prominente, Dortmund-Fußballer und Porsche-Vorstände im Grandhotel einquartieren.

In der Theorie ist alles klar: Der denkmalgeschützte Handelshof hat keine Tiefgarage, aber bei einem Grandhotel ist es sozusagen im Preis inbegriffen, dass die Gäste mit dem Auto vorfahren können. Andererseits befindet sich das Hotel mitten in der Fußgängerzone. Die soll weitgehend autofrei bleiben und nicht zur Rennstrecke werden – deshalb herrscht im Salzgäßchen eingeschränktes Haltverbot. Nur zum Ein- und Aussteigen sowie zum Be- und Entladen darf gehalten werden. Damit hat das Hotel auch kein Problem: „Wir haben Verständnis für die Situation und unternehmen alles, um sie zu entzerren“, so der Direktor. In der Tiefgarage Augustusplatz sind 40 Stellplätze für Hotelgäste angemietet. „Unser Fahrdienst fährt die Wagen weg, so schnell es geht. Aber es geht nicht immer sofort“, bedauert er. Normalerweise stehen pro Schicht sechs Fahrer bereit. An einem „heißen“ Wochenende wie dem kommenden sogar 30 Fahrer – 15 vormittags, 15 am Nachmittag und Abend.

Manchmal drehen die Politessen erst eine kleine Runde und kommen noch mal wieder, manchmal schreiben sie sofort ihre Strafzettel aus. An manchen Tagen sind sie drei- bis viermal da, an anderen gar nicht. Dass die Parksituation schwierig ist, bleibt den Leipzig-Besuchern nicht verborgen. Ein Gast aus Düsseldorf hat sich dieser Tage per Mail an Oberbürgermeister Burkhard Jung gewandt: „Die Jungs rennen und rennen, um möglichst schnell die Autos in die Garage zu fahren. Es besteht überhaupt keine Verkehrsbehinderung, und trotzdem schreiben Ihre Politessen die ,Knöllchen’. Manchmal reichen keine 15 Minuten, wenn gleichzeitig mehre Gäste Ihre Stadt besuchen. Könnten Sie sich vorstellen, den verantwortlichen Personen mitzuteilen, mal ,Fünfe gerade sein zu lassen’?“

Die Mail ist im Büro des Oberbürgermeisters eingegangen, beantwortet wurde sie noch nicht. Ordnungsamtsleiter Helmut Loris teilte auf LVZ-Anfrage allerdings mit, dass er keine Chancen sieht, „Fünfe grade sein“ zu lassen: „Es handelt sich um einen sensiblen Bereich. Die Verkehrsüberwachung bekommt häufig Hinweise aus der Bevölkerung, dass das Ausmaß des Parkens nicht im Einklang mit den Grundsätzen der autoarmen Innenstadt steht. Bei Unterlassung von Überwachungsmaßnahmen hätten auch die Hotelgäste selbst keine Chance zur bestimmungsgemäßen kurzzeitigen Nutzung.“

Just dieser Tage wurden mehrere neue Hotels in der City eröffnet. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sich die Situation weiter verschärft: Das neu gebaute Ibis und das Ibis Budget im „Museumswinkel“ haben eine Tiefgarage. Ebenso das schon länger bestehende Motel One in der Nikolaistraße. Das neue Ana-Art-Hotel in der Hainstraße hat keine und setzt darauf, dass die Gäste in den Höfen am Brühl parken. Das Gleiche gilt für das im Bau befindliche Hotel Adina, das im ehemaligen Brühlpelz-Hochhaus entsteht.

Von Kerstin Decker

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