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„Können niemanden an den Zapfhahn fesseln“ - E10-Chaos kann in Strafzahlungen enden

„Können niemanden an den Zapfhahn fesseln“ - E10-Chaos kann in Strafzahlungen enden

Normalerweise ist man nur geschockt, jetzt auch noch verwirrt. Der Blick auf die Preisanzeigen der 87 Tankstellen in Leipzig zeigt: Vergleichen lohnt sich momentan mehr denn je.

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Verwirrung an der Tankstelle - dem Verbraucher fehlt die Klarheit, ob er den neuen Biosprit E10 einfüllen darf.

Quelle: dpa

Leipzig. Bis zu zehn Cent Unterschied gibt es beim Benzin ohne zehnprozentigen Ethanol-Anteil. Je nachdem, ob es an der Zapfsäule schon den neuen Biosprit gibt oder nicht, ist herkömmliches Benzin meist deutlich billiger als an Tankstellen, die bereits auf E10 umgestellt haben. Die E10-freien Tankstellen dürfte dies momentan freuen, auch wenn kein Pächter darüber Auskunft geben möchte, wie viele Kunden derzeit mehr bei ihm anzapfen. Fest steht aber: Die E10-freie Zone wird nicht lange andauern.

HEM-Tankstellenpächter Sascha Bergow will den Bio-Sprit solange wie möglich von seinen Säulen in der Zweinaundorfer Straße fern halten: „Ich hoffe auch, dass wir ihn nicht verkaufen müssen. Aber die Mineralölkonzerne werden bestimmt alles dafür tun, dass dem nicht so ist.“ Auch die Bavaria Tankstelle in Grünau hat noch kein E10, bekommt den Kraftstoff aber diese Woche. „Er wird von den Kunden nachgefragt“, behauptet Gabriele Blank.  Komplett ohne den neuen Treibstoff sind auch die Total-Tankstellen in Leipzig. Hier liege es daran, dass die Raffinerie in Leuna noch nicht auf E10 umgestellt ist. „Wir werden es aber bald an den Anlagen anbieten“, sagt Unternehmenssprecher Manuel Fuchs. „In der EU-Richtlinie heißt es ja auch: Die Mitgliedstaaten müssen dafür Sorge tragen, die Verbraucher zu informieren. Dies ist bislang zu wenig geschehen. Wir denken aber, dass mit zunehmendem Wissen über E10 die Skepsis beim Kunden abnimmt.“ Auch bei Aral gebe es noch Bio-Lücken, ohne E10 werde keine Anlage bleiben, heißt es aus der Unternehmenszentrale. Doch trotz Benzingipfel – die Informationslage ist weiter mau.

Auffällig ist, dass an Anlagen ohne E10 das Super-Benzin deutlich billiger ist. „Die Tankstellen müssen sich nach den Preisen richten, die sie von ihren Lieferanten bekommen“, sagt Sigrid Pook, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche (BTG). „Wenn beispielsweise eine Total-Tankstelle eine Sorte zu einem anderen Preis anbietet als eine Aral-Tankstelle, dann weil sie einen anderen Lieferanten hat.“ Auch das Bundeskartellamt sieht E10 für sich nicht als Thema. „Wir begrüßen es ja, wenn es Preisunterschiede gibt. Das fördert den Wettbewerb. Etwas ganz anderes wäre es, wenn das Preisniveau überall gleich ist“, so ein Sprecher des Amtes gegenüber LVZ-Online.

Laut BTG könne man damit rechnen, dass es bald an fast jeder Tankstelle E10 gibt. „Die Konzerne werden alles dafür tun, um nicht auf ihren vollen Tanks sitzen zu bleiben und Strafzahlungen wohl an den Verbraucher abwälzen“, so Pook zu LVZ-Online. Ob eine Tankstelle den umstrittenen Kraftstoff E10 anbietet oder nicht, ist immer noch den verschiedenen Tankstellen überlassen. „Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die zum Vertrieb von E10 verpflichtet“, sagt Pook. Hier fängt das Informationsdesaster schon an: Nicht einmal der Tankstellenverband Deutschland konnte LVZ-Online erklären, wie es gehandhabt wird, wenn die Biokraftstoffquote von mindestens 6,25 Prozent nicht erfüllt wird. „Wie das alles geregelt ist, darüber gibt einem niemand Auskunft“, sagt auch Tankstellenpächter Bergow.

Es gilt, dass jeder, der Mineralöl auf den Markt bringt, eine Biokraftstoffquote erfüllen muss - 6,25 Prozent. Die Rechnung sieht dabei so aus: Von jedem Liter Benzin oder Diesel müssen 6,25 Prozent des Energieanteils aus einer Bioquelle stammen, beispielsweise aus Zuckerrüben. Andernfalls drohen Strafzahlungen.

„Diese Quote ist nur zu erfüllen, wenn jeder nur noch Kraftstoff mit Bio-Anteil kauft“, sagt Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband. Für jeden Liter Biosprit, der in der Summe fehlt, müssen zwei Cent Strafe gezahlt werden. Die Quote muss konzernweit erfüllt werden und wird nicht auf jede Anlage umgerechnet. „Es wird insgesamt geprüft, ob wir bei Aral auf die Quote kommen. Wird also in einer Region weniger Biosprit getankt, wird diese nicht gleich bestraft“, so Tobias Wolny von Aral Deutschland.

Wie es sein kann, dass der neue Treibstoff E10 noch nicht an allen Tankstellen verfügbar ist, erklärt sich Retzlaff so: „Die Umstellung braucht Zeit, das fängt schon bei der Etikettierung an. Wegen der drohenden Strafe, wird es sich aber kaum jemand leisten können, kein E10 im Angebot zu haben, auch freie Tankstellen müssen die Quote erfüllen.“ Außerdem müsse mehr Informationspolitik betrieben werden, damit die Skepsis der Tankkunden abnehme. „Wir können niemanden an den Zapfhahn fesseln“, so Retzlaff.

Dass die Kunden Tankrüssel mit zehn Prozent Ethanol-Anteil lieber in der Säule stecken lassen zeigt eine Umfrage unter 999 Tankstellenkunden, die der Mineralölwirtschaftsverband in einer Pressemitteilung veröffentlichte: Über die Hälfte der befragten Autofahrer lehnt E10 ab, nämlich 57 Prozent. 20 Prozent sind sich noch unschlüssig, nur 23 Prozent wollen mit E10 fahren. Die Hälfte der Biosprit-Verweigerer wolle sich nicht bevormunden lassen, was in den Tank kommt. 46 Prozent wollen E10 wegen schlechter Umwelteigenschaften nicht tanken, 32 Prozent trauen den Aussagen der Hersteller hinsichtlich der Verträglichkeit nicht. Bei der Angabe nach den Gründen, ob man E10 tanken will oder nicht, waren Mehrfachnennungen möglich.

Magdalena Froehlich

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