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Lokales Köstliches aus den Partnerstädten zum Riechen und Schmecken
Leipzig Lokales Köstliches aus den Partnerstädten zum Riechen und Schmecken
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Hessischer Wein als Geschenk für Leipzig: Über das Fass freuen sich Wolfgang Hocquél (Kulturstiftung Leipzig), OBM Burkhard Jung, US-Generalkonsul Scott Riedmann und Tarkan Akman aus der Stadtverwaltung Frankfurt/Main (von links). Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Immer der Nase nach geht es zu den weißen Pagodenzelten vor der Besuchertribüne. Dort stehen Köche aus 15 internationalen Städten am Herd. Es handelt sich um Gastronomen aus Leipziger Partnerstädten und dem Netzwerk Délice. Beim zweitägigen Genussfestival "Eat Eat Eat" kochen sie Spezialitäten aus ihrer Heimat, unter anderem gibt es kalte Ente aus Nanjing (China), marinierte Muscheln und Geflügel-Garnelen-Knödel aus Lyon (Frankreich), Sauerkrautsuppe und Piroggen aus Krakau (Polen), frisches Fladenbrot mit Parmaschinken, Frischkäse und Rucola aus Bologna (Italien), Fish'n'Chips aus Birmingham (England), Rindfleischgulasch aus Addis Abeba (Äthiopien) und auch Gulasch aus Travnik (Bosnien-Herzegowina). Dazu treten Musiker und Tanzgruppen aus den jeweiligen Ländern auf.

Zur Eröffnung gestern Nachmittag brachte Oberbürgermeister Burkhard Jung den Wein mit: ein 400-Liter-Eichenfass, gefüllt mit hessischem Spätburgunder. Ein Geschenk der Partnerstadt Frankfurt/Main an Leipzig zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Es soll später im Barockgewölbe der Alten Nikolaischule aufgestellt werden, denn mit einer Zehn-Millionen-Mark-Spende aus Frankfurt konnte das Baudenkmal Anfang der 1990er-Jahre saniert werden. Winzer Jürgen Rupp will das Fass auch wieder auffüllen, wenn es leer ist.

Als "Eat, Eat, Eat" geplant wurde, konnte niemand die aktuellen ausländerfeindlichen Aktionen in Sachsen vorhersehen. "Aus jetziger Sicht kann es gar keinen besseren Zeitpunkt für das Festival geben", meinte gestern Veranstalter Dominik Brähler von der Leipziger Blues Agency. "So selbstverständlich, wie wir international essen, so selbstverständlich sollte auch der Umgang miteinander sein", wünscht sich Oberbürgermeister Jung, der auf Hass und Fremdenfeindlichkeit einging: "Das sind dieselben Leute, die sich die internationale Küche schmecken lassen."

Auf der Rennbahn herrschte jedenfalls gestern ein friedliches, freundschaftliches Miteinander. Die Köche aus den Partnerstädten werden von Leipziger Gastronomen patenschaftlich betreut. Das geht "mit Deutsch und Englisch, mit Händen und Füßen, mit Gastronomiesprache und Intuition", lachte Daniel Jurisch (35) vom Gartenprojekt Annalinde in Plagwitz, der mit Chefkoch Georgios Polyzos (34) aus Thessaloniki (Griechenland) zusammenarbeitet.

Schon vor Monaten haben sie mit der Planung und Warenbestellung begonnen. "Es war gar nicht so einfach, einen guten Chefkoch zu bekommen, weil in Griechenland gerade Tourismus-Hochsaison ist", berichtet Carla Baer Manolopoulou vom Verein Leipzig-Thessaloniki. Aber Georgios hat schon mal zwei Jahre in Berlin gearbeitet, kannte Leipzig und war sofort bereit zu kommen.

Das Schlemmerfestival geht am Sonnabend von 12 bis 22 Uhr in die zweite und letzte Runde. Alle Beteiligten hoffen, dass es so gut angenommen wird, dass eine Fortsetzung auch nach dem Stadtjubiläumsjahr möglich ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2015

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