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"Komisches Gefühl": Der schwierige Abschied von der alten Propstei in Leipzig

"Komisches Gefühl": Der schwierige Abschied von der alten Propstei in Leipzig

"Es ist ein komisches Gefühl. Vielleicht bin ich der Allertraurigste von allen", sagt Joachim Wittig. 16 Jahre lang hat sich der Küster um alle häuslichen Belange der katholischen Propsteikirche am Rosental gekümmert.

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Propst Gregor Giele und Kaplan Przemyslaw Kostorz.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Jede Ecke und jeden Stein kennt er. Nicht nur die aufwändige technische Ausstattung des Neubaus am Ring macht ihm Sorgen. Zu den Erinnerungen, die ihn jetzt so schwermütig machen, zählen auch die schönen Kirchenfeste in der alten Propstei.

An "ganz intensive Momente" denkt Lukas Teuscher zurück. "Ich bin stolz, Teil des Chores gewesen zu sein", sagt er. "Wir arbeiteten unter einem der größten Kirchenmusiker Deutschlands." Dabei habe Kurt Grahl auch denen, die vor allem wegen der Musik dabei waren, immer wieder den Brückenschlag zur Religion angeboten. "Wir haben beinhart geprobt und doch im geeigneten Moment Zeit gefunden, geistliche Texte zu lesen."

In der übervollen und von zahlreichen Kameraleuten gesäumten Kirche fällt es vielen Gläubigen sichtlich schwer, Abschied zu nehmen. Gerötete Augen sind bei diesem Sonntagsgottesdienst keine Seltenheit. Viele bringen wichtige Stationen ihres Lebens mit dem vertrauten Innenraum der Kirche in Verbindung. Die prägnante Metallwand, der schlichte Altar und das Kreuz des Berliner Künstlers Achim Kühn werden nicht mit in die neue Kirche gehen.

Bevor die alte Propstei profaniert - also entweiht - wird, appelliert Propst Gregor Giele an die Gemeinde, im christlichen Sinn zu trauern. Die sparsame Zeremonie sei ein Indiz dafür, "dass wir Christen zuallermeist die Anfänge feiern". Die richtige Erinnerungshaltung, sagt er, sei die der Hoffnung und der Weite des Herzens und nicht die "des Schwelgens in dem manchmal sogar wohligen Gefühl der Traurigkeit".

Sechs Tage vor der Weihe der neuen Propstei werden sodann die liturgischen Gegenstände aus der alten getragen und die Hostien aus dem Tabernakel genommen. Zudem wird die kleine rote Schachtel mit der Reliquie aus dem Altar geborgen und zur Aufbewahrung in die Sakristei gebracht. Denn der kleine Knochensplitter des mittelalterlichen Gelehrten und Bischofs Albertus Magnus wird am 9. Mai im Altar der neuen Kirche ein weiteres Mal beigesetzt.

Trotzdem stehen noch bis Donnerstag täglich 18 Uhr Abendmessen in der Kapelle der alten Kirche an. Erst nach der Weihe der neuen Kirche am Sonnabend wird das alte Sakralgebäude per Dekret vom Bischof auch juristisch entweiht. Was mit dem sanierungsreifen Baukörper passiert, ist noch unklar. Die Pfarrei möchte das Grundstück so schnell wie möglich verkaufen. Propst Giele spricht von einer "nicht-gottesdienstlichen" Nutzung.

Die seltene Gelegenheit, die Albertus-Magnus-Reliquie zu betrachten, ruft bei einigen Gemeindemitgliedern dann doch noch ein wenig Fröhlichkeit hervor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.05.2015

Stephanie von Aretin

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