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Kommt das Denkmal auf den Leuschnerplatz?

Kommt das Denkmal auf den Leuschnerplatz?

Wie geht es weiter mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal? Das aktuelle Wettbewerbsverfahren ist gescheitert; Freitag traf sich OBM Burkhard Jung (SPD) zu einem Krisen-Gipfel mit Vertretern von Bund und Land (die LVZ berichtete).

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Das Denkmal sollte eigentlich dieses Jahr zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution eingeweiht werden.

Quelle: André Kempner

Vielleicht kommen nun ganz andere Varianten ins Spiel, wenn Bund und Land ihren Segen geben. Varianten, die ohne großen Platz auskommen. So könnten Installationen oder andere künstlerische Formen verwirklicht werden - anstelle eines großen Bauwerks. Der Leuschnerplatz ist als Standort nicht mehr gesetzt - aber auch nicht vom Tisch. Und: Das Budget eines Denkmals würde wohl um die Kosten des verpatzten ersten Wettbewerbs abschmelzen, also um mindestens eine halbe Million Euro.

Ob der Bund (er soll fünf Millionen Euro geben) und der Freistaat (1,5 Millionen) im Falle einer zweiten Wettbewerbsrunde bei ihren Finanz-Zusagen bleiben, ist aber noch nicht sicher. Offiziell gibt es bislang keine Informationen zum Inhalt des Denkmal-Gipfels. Auch die Ratsfraktionen sind in die aktuellen Überlegungen nicht eingeweiht worden.

Mit einem neuen Anlauf ist auch die Standortfrage wieder offen. Vom Tisch ist die letzte freie Großfläche in der Leipzigs City aber noch nicht: Für einen monumentalen Bau fehlen die Alternativen. Vielleicht entsteht aber auch ein Denkmal neuen Typs, das gar nicht so viel Platz braucht. Freitag traf sich OBM Burkhard Jung (SPD) zu einem Krisen-Gipfel mit Vertretern von Bund und Land (die LVZ berichtete).

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Das Denkmal sollte eigentlich dieses Jahr zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution eingeweiht werden. Doch der Siegerentwurf eines künstlerischen Wettbewerbs stieß in der Öffentlichkeit auf breite Kritik und wurde daraufhin zurückgestuft. Dieses Vorgehen hielt einer juristischen Prüfung aber nicht stand. SPD, CDU und Grüne forderten daraufhin den Ausstieg aus dem Wettbewerbsverfahren; die Linken sehen das Denkmal ohnehin skeptisch.

"Wenn das Verfahren jetzt beendet und wenn ein neues begonnen wird, ist der Leuschnerplatz nicht ausgeschlossen", betont Axel Dyck, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, nach Gesprächen im Rathaus. "Aber es wird dann nicht mehr ausschließlich darauf fokussiert." Über Ort und Aufgabenstellung werde bei einem Neustart auch neu entschieden.

Bei einem Denkmal, das als Bauwerk errichtet wird, mangelt es aus Sicht von Dyck an Alternativen. Würde man den Leuschnerplatz von vornherein ausschließen, "wird es langsam eng in der Stadt". Denkbar wäre für ihn der Augustusplatz, wenngleich dort nicht mehr viel Platz sei. Der Leuschnerplatz müsse - auch ohne Denkmal - öffentlicher Raum ohne Bebauung bleiben. Mit Blick auf den ursprünglich angedachten Charakter als Denkmal für die gesamte Freiheitsbewegung in Ostdeutschland, spiele der Ort keine vordergründige Rolle, "für künftige Generationen schon gar nicht".

"Das neue Freiheits- und Einheitsdenkmal ist kein Denkmal, das an einem historischen Ort stehen muss", sagt auch René Hobusch, Vize-Chef der FDP-Stadtratsfraktion. Es stehe vielmehr als Zeichen für die historische Wende, die ein freies, einiges Deutschland und ein friedliches Europa möglich gemacht hat. "Insofern ist es völlig egal, an welchem Platz das Denkmal steht - es kann aber auch der Leuschnerplatz sein."

Hobusch macht kein Geheimnis daraus, dass er mit dem bisherigen Wettbewerbsverfahren unzufrieden ist. "Es ist der Bedeutung des Herbstes 89 nicht gerecht geworden." Die Stadtverwaltung habe nicht geschickt agiert, sondern "ihr Fähnchen immer nach dem Wind" gerichtetet. Auch deshalb hält er an der Stadtratsentscheidung fest, die den Leuschnerplatz präferiert. "Wenn die Stadtverwaltung jetzt einen anderen Standort wünscht, dann muss sie dies erst dem Stadtrat begründen", so Hobusch. "Ich kenne den Inhalt der Gespräche nicht, die Oberbürgermeister Burkhard Jung mit den Vertretern des Landes und des Bundes geführt hat."

Auch die Ratsfraktion der CDU ist nicht bereit, ohne weiteres auf den Standort Leuschnerplatz zu verzichten. "Ich kenne keinen Standort, der besser geeignet ist", erklärt Stadträtin Sabine Heymann. Der Augustusplatz wäre zwar eine Option, aber ein Denkmal würde die Nutzung des ohnehin schon übervollen Platzes noch stärker einschränken. "Weil das Ringgrün unter Denkmalschutz steht, kennen wir keine weiteren möglichen Standorte."

Um die Neubebauung des Leuschnerplatzes nicht durch ein neues Wettbewerbsverfahren zu verzögern, plädieren die Christdemokraten dafür, den Standort des Denkmals weiter einzugrenzen. "Wir wären bereit, den alten Königsplatz dafür vorzusehen - dann könnte die Bebauung der östlichen Platzhälfte wie geplant ablaufen", so Heymann. Allerdings: Falls Bund und Land zulassen, dass das Denkmal kein Bauwerk im engeren Sinne wird, sondern zum Beispiel eine Installation am Ring, würde die Zahl der alternative Plätze steigen.

Die Linken sehen den Augustusplatz als besseren Standort. "Die bisherige städtebauliche Lösung ist dort nicht optimal - da könnte mit Hilfe des Denkmals mehr draus gemacht werden", sagt Fraktionschef Sören Pellmann. Wenn der Standort keinen historischen Bezug haben müsse, sei auch der Simsonplatz am Bundesverwaltungsgericht denkbar, ebenso die zu gestaltende Fläche am Bayerischen Platz. Über allem stehe für die Linken der Grundsatz, dass die Leipziger über das Denkmal und dessen Standort entscheiden sollten.

Bei den Grünen macht man sich solche Gedanken gar nicht mehr. "Für uns ist das Thema durch", erklärt Ingo Sasama, Denkmals-Beauftragter der Partei. Es sollte in absehbarer Zeit keinen Wettbewerb geben; die betroffene Generation sollte über so etwas nicht entscheiden. Sasamas bisherige Bilanz: "Der Einheit ein Denkmal zu setzen, ist verfrüht." Wie berichtet, wollen die Grünen die Gedenkstätte frühestens im Jahr 2039 errichten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2014

Meine, Björn

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