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Lokales Komponist Zhebo darf in Leipzig bleiben
Leipzig Lokales Komponist Zhebo darf in Leipzig bleiben
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13:40 15.12.2017
Zhebo (auch Chepe genannt) kommt aus der Inneren Mongolei und arbeitet seit 2011 als Musiklehrer und Komponist in Leipzig.  Quelle: Jakob Gleisberg
Leipzig

Der von Abschiebung bedrohte chinesische Komponist Zhebo (LVZ.de berichtetet) darf nun doch in Leipzig bleiben. Nach Monaten des Ringens mit der Ausländerbehörde wurde dem 33-Jährigen in dieser Woche eine sogenannte Niederlassungserlaubnis gewährt. Diese ist unbefristet, das Dokument muss allerdings alle drei Jahre erneuert werden. „Endlich ist das erledigt. Bis ich diese Niederlassungserlaubnis in den Händen halten konnte, war ja völlig unklar, wie die Geschichte ausgehen würde“, sagte Zhebo am Freitag gegenüber LVZ.de und fügte glücklich an: „Ich möchte mich jetzt einfach bei den Menschen bedanken, die mich unterstützt haben.“

Anfang August hatte die Behörde dem Komponisten ursprünglich noch mitgeteilt, dass er das Land bis zum 7. Februar 2018 verlassen muss – trotz des 2011 mit Auszeichnung abgeschlossenem Musikstudiums in Karlsruhe und seiner anschließenden Tätigkeit als selbstständiger Musiklehrer und Komponist in Leipzig, inklusive regelmäßiger Sozialabgaben. Entscheidungen der Ausländerbehörde sind Einzelfallentscheidungen, auch vergleichbare Fälle müssen nicht ausschlaggebend sein. Über seinen Rechtsbeistand erfuhr der 33-Jährige, im Amt fürchte man, er könnte irgendwann einmal Wohngeld oder andere soziale Leistungen beantragen. Deshalb sei die unbefristete Niederlassung in Leipzig verweigert worden.

Zhebo unterrichtet Klavier und Gitarre. Quelle: Vivian Zimmer

Hilfe durch Petition und Politiker

Zhebo, der als Sohn einer mongolischen Nomadenfamilie keinen Nachnamen trägt und der einst aufgrund der Faszination für die Musik von Johann-Sebastian Bach nach Leipzig kam, wollte sich diesem Schicksal aber nicht fügen. Er erzählte seinen Schülern von der drohenden Ausweisung, ein Freund setzte eine Petition ins Netz, die bis heute mehr als 4000 Unterstützer gefunden hat. Politiker begannen sich für den Fall zu interessieren, auch der Migrantenbeirat der Stadt Leipzig schaltete sich ein, erzählt Zhebo. Letztlich traf er sich sogar mit Sachsens Integrationsbeauftragter Petra Köpping (SPD) und sprach mit ihr über die Situation von Migranten im Freistaat.

Parallel dazu unterrichtete Zhebo weiter im Leipziger Süden Jung und Alt an Klavier und Gitarre, arbeitete auch an eigenen Kompositionen. „Ich schrieb die Prélude ‚An die Blätter‘ für Cello. Dabei symbolisieren die Blätter die Schicksale der Menschen, die im politischen Wirbel nichts mehr selbst steuern können“, erzählt der 33-Jährige. Letztlich zahlte sich alles Mühen aus, Anfang November gab es bereits Signale aus der Ausländerbehörde, dass über seinen Fall nun doch anders entschieden wurde. Und am 12. Dezember konnte er die Niederlassungserlaubnis tatsächlich in den Händen halten.

Mit diesem für Migranten so wichtigen Dokument kann Zhebo nun weiter seine musikalische Zukunft in der Messestadt planen – die auch über den Beruf als freier Komponist und Musiklehrer hinausgehen soll. „Ich habe mich für einen Lehrauftrag im Bereich Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater ‚Felix Mendelssohn-Bartholdy‘ beworben. Der übliche Musikunterricht in Schulen beinhaltet meist das Singen von Liedern – ohne Notenlesen zu können. Ich würde gern mit den Studenten sinnvolle Konzepte für den Schulunterricht entwerfen“, erzählt der 33-Jährige. Zudem gebe es Pläne, das ehemalige Stadtbad in Leipzig in ein Musikhaus zu verwandeln, mit Übungsräumen, Konzertsaal und Wohnungen für Musikstudenten. Zhebo hofft, seinen künstlerischen Sachverstand auch in diesem von einem Freund vorangetriebenen „Musikhaus Leipzig“ einbringen zu können.

Von Matthias Puppe

Mehr über Zhebo: www.zhebo.de

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