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Kompromiss im Freisitz-Streit auf Leipzigs Südmeile

Karl-Liebknecht-Straße Kompromiss im Freisitz-Streit auf Leipzigs Südmeile

Die Karli ohne Freisitz-Kneipen – undenkbar. Weil zwei Restaurants ihre Tische und Stühle im Zuge des Umbaus der Südmeile nicht mehr aufstellen konnten, meldeten sie Insolvenz an. Nun ist eines davon zurück. Mit der Stadt wurde ein Kompromiss erzielt.

Kann wieder lachen: Mukesh Lal baut den Freisitz vor seinem indischen Restaurant in der Karl-Liebknecht-Straße auf.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mukesh Lal kann wieder lachen. Und das trotz des ohrenbetäubenden Lärmes vor seinem indischen Restaurant in der Karl-Liebknecht-Straße. Gemütlich, bei einer Tasse Tee, schaut er dem Treiben auf der Baustelle in der Nähe des Südplatzes zu. Das hat zwei Gründe: Der 60-jährige Inder aus dem Punjab hat das Safran wieder eröffnet, ein paar Meter stadteinwärts in einem neuen Laden – mit Freisitz. 40 Plätze kann der Gastronom vor seiner Tür wieder anbieten. Das sah Ende April noch ganz anders aus.

Rückblick: Lal schließt seinen Laden nach knapp sieben Jahren ab. Wegen des Gehwegumbaus auf der Karli bricht der Umsatz ein. Freisitze kann der Gastronom nicht anbieten, auch nach dem Umbau des Boulevards steht das in den Sternen, sagte damals Insolvenzverwalter Harald Heinze. Dem widerspricht Roland Quester vom Dezernat Stadtentwicklung. Zu keinem Zeitpunkt habe ein dauerhafter Verlust der Freisitzfläche gedroht. Hinzu kommt ein Eigentümerwechsel des Hauses, in dem das Restaurant Gäste empfängt. Deshalb zieht Lal die Reißleine und stellt das Südmeilen-Umbau-Konzept der Stadt offen in Frage. „Die Karli und Freisitz – das gehört zusammen! Ohne geht nicht.“

Freisitz darf bis zum Straßenrand reichen

Das schlug nicht nur bei anderen Gastronomen und Stammgästen Wellen. Ende Mai begutachteten Vertreter aus verschiedenen Ämtern, dem Gaststätten-Verband Dehoga mit Lal die Situation vor Ort und einigten sich auf einen Kompromiss. Der Freisitz darf bis zum Gehweg reichen. Geduldet wird auch, dass dieser mit Tischen und Stühlen zwischen den großen Baumscheiben bis zum Straßenrand erweitert werden kann. Nur der Gehweg selbst muss frei bleiben. „Jetzt gibt es keinen Grund mehr zu meckern“, gibt sich Lal zufrieden.

Ein neuer Konsens bezüglich der Freisitze sei die Einigung nicht, betonte das Dezernat Stadtentwicklung und Bau auf Anfrage von LVZ.de. "Die in der Begehung im Mai zusammen mit den Gastronomen festgelegten Freisitzflächen können wie vereinbart über den entsprechenden Antrag auf Sondernutzungsgenehmigung in Anspruch genommen werden", teilt Referent Roland Quester mit. "Betroffen im Sinne von derzeit nicht nutzbaren Freisitzflächen sind vor allem die Gastronomen auf der jetzt im Bau befindlichen westlichen Straßenseite, die zwischen Körner- und Niederkirchnerstraße ansässig sind, dazu das Volkshaus und teilweise das "Waldi" am Münzplatz", so Quester.

Die Stühle und Tische von Killywilly bis Olive Tree werden an diesem Wochenende wieder an die Luft gestellt. Mitte August darf das Volkshaus den Freisitz auf der Karli aufbauen. „Die Planung wurde mit den Gastronomen im Vorfeld des Umbaus intensiv diskutiert und abgestimmt“, erklärte der Referent. Mitte März wurden die Gastronomen über Bauablauf und Freisitznutzung informiert. „Die Einschränkungen zur Betreibung der Freisitze wurden mit Verständnis aufgenommen“, so Quester.

Während der nächsten sechs Wochen herrscht auf der Karl-Liebknecht-Straße in Sachen Ausbau Hochbetrieb. Und das sechs Tage in der Woche von 6 bis 22 Uhr. Nur sonntags verschnaufen Mensch und Maschine.

Die Bauarbeiten auf der Südmeile laufen auf Hochtouren, jetzt müssen auch Fahrradfahrer auf eine Umleitung ausweichen. Am Montag verteilte die Fahrradstaffel der Polizei noch Hinweiszettel. Ab Dienstag sollen Radler, die sich nicht an die Absperrung halten, zur Kasse gebeten werden.

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