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Kongress zur Depression in Leipzig: Leises Leiden, lautes Trommeln mit Harald Schmidt

Kongress zur Depression in Leipzig: Leises Leiden, lautes Trommeln mit Harald Schmidt

Lautstark auf eine leise Krankheit aufmerksam machen, an der in Deutschland vier Millionen Menschen leiden: Beim 2. Patientenkongress zum Thema Depression gestern im Gewandhaus wurde dafür kräftig die Trommel gerührt.

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Entertainer Harald Schmidt bei der Moderation des Kongresses. Er engagiert sich ehrenamtlich als Schirmherr der Stiftung Deutschen Depressionshilfe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. "Wir nehmen jetzt mal alle die Dinger, die wie zu heiß gewaschene, eingegangene Partytische aussehen", flachste Entertainer Harald Schmidt zum Auftakt im großen Saal. Rund 1500 von der Krankheit Betroffene, Angehörige und an der Problematik Interessierte betätigten sich dann an den für alle vorrätigen kleinen Schlaginstrumenten - auf der Bühne gab die Gruppe Drum Cafe den Rhythmus vor. Schmidt, Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (SDD), war voll zufrieden mit dem gemeinsamen Konzert. "Und nun die Instrumente bitte so deponieren, dass keiner drüberfällt, wir sind ja hier nicht für Unfallchirurgie zuständig."

Locker moderierte Schmidt das Vortragsprogramm, hakte bei drohenden Zeitüberschreitungen dezent ein. "Präzise 12.04 Uhr gibt's Mittagessen, damit wir keinen physischen Durchhänger bekommen. Die Gulaschsuppe soll doch nicht kalt werden." Gags am Rande wollte er sich nicht verkneifen, das Publikum nahm das dankbar an - ebenso wie die von Experten und Selbsthilfegruppen gebotenen Informationen und Workshops. Zur Sprache kamen dabei viele Aspekte. Der Leipziger Uni-Professor und SDD-Vorstandschef Ulrich Hegerl sagte, Depression sei eine schwere, oft lebensbedrohliche Krankheit, die jeden treffen könne. Die medizinische Versorgung habe sich zwar stark verbessert und zu einer gesunkenen Zahl bei Suiziden beigetragen, aber es müsse endlich Schluss sein mit Stigmatisierungen der Betroffenen in der Gesellschaft. Als "großes Problem" bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Depressionsliga, Thomas Müller-Rörich, dass eine zeitnahe Hilfe oft nicht erfolge, weil es zu wenige Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gebe. "Die Wartezeit auf ein erstes Gespräch beträgt durchschnittlich 12,5 Wochen, meist vergehen noch weitere drei Monate bis zum tatsächlichen Behandlungsbeginn." Das sei vertane Zeit, in der Menschen mit einem "seelischen Schwerunfall" in ihrer Hoffnungslosigkeit allein gelassen und deren Familien einer zutiefst verstörenden Situation ausgesetzt würden. Schmidt angesichts solcher Defizite: "Ich habe das Stiftungsamt natürlich nicht aus naivem Frohsinn heraus übernommen, sondern bin ein ernster Botschafter und versuche mit meinen Mitteln Öffentlichkeit herzustellen."

Verliehen wurde beim Kongress erstmals der Medienpreis Depressionshilfe. Zu gleichen Teilen als Sieger prämiert wurden Beate Wagner für einen Beitrag im Magazin Focus-Gesundheit und Ann-Kathrin Eckhardt für einen Artikel in der Zeitschrift Neon.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.09.2013

Mario Beck

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