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Kontroverse um Hochwasserschutz im Leipziger Auenwald - Ökolöwe gegen Neubau

Kontroverse um Hochwasserschutz im Leipziger Auenwald - Ökolöwe gegen Neubau

Das Nahleauslassbauwerk wurde 1970 errichtet, um den Auwald und insbesondere dessen Nordwestaue bei extremem Hochwasser als sogenannten Polder gezielt zu fluten.

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Flutung des Leipziger Auenwaldes

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Dies geschah zum ersten und einzigen Mal zu Jahresbeginn 2011, als das Hochwasser von Weißer Elster und Parthe für einen aller 30 Jahre zu erwartenden Pegelstand sorgte.

Damals ließen die Experten der Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit Hilfe des Bauwerks die aus dem Vogtland anbrandenden Wassermassen dosiert in den Auwald abfließen. "Dadurch gelang es, die Spitzen der Hochwasserflut abzusenken und so die Überflutung der Wohngebiete zu verhindern, die an den Auwald grenzen", sagt LTV-Bereichsleiter Axel Bobbe.

Die LTV ist deshalb überzeugt, dass das Nahleauslassbauwerk seinen Nutzen bewiesen hat und weiter ein Kernbestandteil des Leipziger Hochwasserschutzsystems sein muss. Weil das Bauwerk inzwischen starke Schäden an Beton und Stahlstützen besitzt, soll es abgerissen und in den gleichen Dimensionen neu aufgebaut werden.

Derzeit läuft die dafür vorgeschriebene Beteiligung der Umweltverbände. "Mit uns wird es ein ,Weiter so' im Hochwasserschutz nicht geben", kündigt Holger Seidemann vom Vorstand des Umweltverbandes Ökolöwe an und beanstandet unter anderem die unverändert hohe Fixierung der Überlaufschwelle des Bauwerks - dem sogenannten Fachbaum. Dadurch fließe zu selten Wasser in den Auwald, wodurch das Feuchtbiotop weiter großflächig austrockne, kritisiert er. "Mit dem Festhalten an der Planung vergeben die Stadt Leipzig und vor allem die LTV ein zentrales Steuerungselement zur Auwaldflutung und damit zur Renaturierung und verstoßen zudem gegen den Verbesserungsgrundsatz der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie", so Seidemann.

Aus Sicht des Umweltverbandes könnten Naturschutz und Wasserwirtschaft besser kombiniert werden, wenn die Burgaue künftig als "ökologischer Polder" bewirtschaftet wird, wie es unter anderem am Oberrhein - zum Beispiel mit dem Polder "Söllingen/Greffern" in Baden-Württemberg - geschieht. Dort wird ein natürliches Übertreten des Wassers bereits bei kleinsten Hochwasserereignissen ermöglicht und nur bei größeren Hochwasserereignissen das Einlassbauwerk geschlossen. "Bezogen auf die Burgaue müsste das Nahleauslassbauwerk deutlich abgesenkt errichtet werden und im Normalzustand immer offen bleiben", so Seidemann. Nur bei den seltenen großen Hochwasserereignissen würden ein Schließen des Bauwerks und Steuern der Hochwasserwelle erfolgen.

Die LTV hält davon nichts. Sie fürchtet, dass das häufige Fluten zu Schäden an der Infrastruktur in Leipzig und Schkeuditz führen wird: "Die B 186 führt von Dölitz nach Schkeuditz mitten durch den Auwald und wäre von einer Flutung ebenso betroffen wie die Domholzschänke, Schlobachshof sowie die Auenrandbebauung in Böhlitz-Ehrenberg und Leutzsch", warnt Bobbe. Der Auwald sei im Prinzip "flach wie ein Brett", deshalb ließen sich diese Bereiche bei Überflutungen nicht aussparen.

Besser wäre nach Ansicht der LTV eine gezielte Flutung von Teilflächen des Auwaldes. "Es laufen mehrere Projekte, die das möglich machen können, ohne den Hochwasserschutz zu beeinträchtigen", so Bobbe. "Das muss ordentlich untersucht werden und ist nicht mit dem Verzicht auf das Nahleauslassbauwerk zu leisten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2013

Tappert, Andreas

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