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Lokales Kooperation zwischen Amazon und Berufsbildungswerk bringt lernschwache Menschen in Arbeit
Leipzig Lokales Kooperation zwischen Amazon und Berufsbildungswerk bringt lernschwache Menschen in Arbeit
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18:31 14.11.2017
Christian Kubny kennt sich mittlerweile perfekt aus im Leipziger Amazon-Logistikzentrum. Nach seiner Ausbildung wurde der 32-Jährige dort übernommen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Wenn Christian Kubny durch die riesigen Hallen des Amazon-Logistikzentrums in Leipzig läuft und zwischendurch erzählt, welche der verschiedenen Arbeitsstationen er besonders mag, dann merkt man dem 32-Jährigen nicht an, dass seine Ausbildung keine gewöhnliche war. Kubny ist leicht schwerhörig und hat Lernschwierigkeiten. Erst machte er eine Lehre zum Maler, das gefiel ihm aber nicht, erzählt er. Durch eine Kooperation des Leipziger Berufsbildungswerks (BBW) und Amazon lernte er erst Fachpraktiker Lager und setzte dann noch eine einjährige Ausbildung zum Fachlageristen drauf. „Erst mal war ich geplättet, weil das Unternehmen so riesig ist“, sagt er. „Aber dann wusste ich: Diese Chance musst du nutzen.“ Im Sommer wurde Kubny übernommen. Das macht ihn stolz.

Hauptkostenträger ist die Agentur für Arbeit

Das Berufsbildungswerk unterstützt Menschen, die ohne Förderung vielleicht keinen Ausbildungsplatz bekommen würden. Der Leipziger Standort hat sich dabei auf die Arbeit mit Sprach- und Hörgeschädigten sowie von Menschen mit Lernschwierigkeiten spezialisiert. Vermittelt werden passende Kandidaten von der Agentur für Arbeit, die auch der Hauptkostenträger ist. Die Ausbildungen beim BBW unterscheiden sich inhaltlich nicht von anderen Ausbildungen. Was sich unterscheidet, ist das Betreuungsangebot: „Wir haben Psychologen vor Ort, Gebärdensprachdolmetscher, Ärzte“, sagt Grit Franke vom BBW. Die Auszubildenden werden in der Berufsschule unterstützt, beim Schreiben von Bewerbungen, oder wenn es Probleme während der Lehre gibt.

Kubnys Ex-Betreuerin Carmen Mühlner vom BBW besuchte den ehemaligen Auszubildenden oft am Arbeitsplatz. Quelle: André Kempner

Viele Berufe wie zum Beispiel Koch werden komplett in den Berufsbildungswerken gelehrt. Langfristig plant das BBW, die Ausbildungen zunehmend in Firmen zu verlagern. Auf diesem Ziel basiert auch der Kooperationsvertrag zwischen BBW und Amazon. Aktuell nehmen insgesamt etwa 350 Menschen am Programm teil, ungefähr die Hälfte wohnt im zugehörigen Internat.

Abwechslungsreiche Ausbildung

Es sei nicht leicht, Unternehmen für eine Kooperation zu finden, sagt Franke. Denn ein gehörloser Auszubildender braucht nicht nur während der Lehre mehr Zuwendung. Er kann nicht auf akustische Warnsignale wie einen Feueralarm reagieren, versteht keine Lautsprecherdurchsagen. Solche – vielleicht lebenswichtigen – Details müssen bedacht werden. Dietmar Jüngling, Leiter des Leipziger Amazon-Standorts, ist froh über die Kooperation. Mittlerweile ist der dritte Auszubildende vom BBW vermittelt worden. „Wir wollen Menschen helfen, die bisher einen schlechteren Start ins Berufsleben hatten“, sagt er.

Carmen Mühlner, Ausbilderin im Fachbereich Logistik beim BBW, hat Christian Kubny intensiv betreut. „Gerade die erste Zeit war wirklich spannend“, erzählt sie. „Die ersten drei Wochen war ich nur am Schauen“, ergänzt Kubny. Ihm habe aber gleich gefallen, wie abwechslungsreich die Ausbildung ist. „Man macht jeden Tag was Neues“, sagt er. Alle wichtigen Abläufe schrieb er sich in ein Buch. Während der Ausbildung lernte er alle Stationen kennen, vom Annehmen von Ware über das Einsammeln der zu verschickenden Produkte bis zum Etikettieren der fertigen Päckchen für die Kunden.

Kubny: „Ich bin so dankbar“

Beim Rundgang durch die Hallen, in denen Waren in riesigen Regalreihen gelagert werden, wird deutlich, dass hier sicher etwas Einarbeitungszeit notwendig ist. Wie eine immens große Bibliothek wirkt das Lager, nur, dass in den Regalen nicht nur Bücher, sondern alle erdenklichen Produkte stehen, die Amazon verkauft: Bio-Kurkuma neben Kalendern und USB-Kabeln. Das sogenannte „Chaotische System“ verhindert, dass ähnliche Artikel nebeneinander gelagert werden. So soll vermieden werden, dass jemand danebengreift und statt der DVD die Blu-ray aus dem Regal zieht.

Auch mit dem Gabelstapler ist Kubny regelmäßig unterwegs. Quelle: André Kempner

Nebenan packen Mitarbeiter Waren aus Kartons aus und legen sie in schwarze Plastikwannen, die auf einem Fließband zur nächsten Station fahren. Was auf Außenstehende wie ein Gewusel wirkt, sind perfekt aufeinander abgestimmte Abläufe. Der allerletzte Schritt ist einer der entspanntesten Arbeitsplätze, sagt Kubny: Hier fahren die fertigen Pakete, wie sie dann beim Verbrauchen laden, auf einem riesigen Fließband direkt in den Lkw eines Zustellers wie DHL.

Eine Sache will Kubny am Ende des Gesprächs noch loswerden: „Ich bin so dankbar“, sagt er. Dann geht es für ihn wieder los an seinen Arbeitsplatz.

Von Sophie Aschenbrenner

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