Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Kostenexplosion bei Sanierung des "Anker" löst schwere Wortgeschütze im Stadtrat aus
Leipzig Lokales Kostenexplosion bei Sanierung des "Anker" löst schwere Wortgeschütze im Stadtrat aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 25.03.2015
Bis Juni 2015 werden die Arbeiten am Anker nicht abgeschlossen sein. Quelle: Wolfgang Zeyen

SPD und FDP nutzten die Gelegenheit, mit Dubrau abzurechnen.

"Dass der ,Anker' ein wichtiges soziokulturelles Zentrum im Norden ist und als Einrichtung erhalten werden muss, steht außer Frage", stellte Ingrid Glöckner, Bauexpertin der SPD-Fraktion, klar und ging dann hart mit der Bauverwaltung ins Gericht. Über Jahre werde versucht, das Gebäude zu sanieren. Doch statt eine solide Kostenübersicht auf der Grundlage eines Sanierungskonzeptes vorzulegen, das die wesentlichen Baumängel erfasst, sei die Ratsversammlung "immer wieder gezwungen, Mehrkosten abzunicken, weil der Baufortschritt neue Schäden an der Bausubstanz zu Tage befördert". Es sei ihr schleierhaft, warum Risse im Mauerwerk keine gründlichen Untersuchungen nach sich gezogen haben. Seit der Stadtrat 2012 einen Kostenrahmen von drei Millionen Euro beschloss, kämen ständig neue Zahlen auf den Tisch. Mittlerweile geht es um 5,2 Millionen. Sie fühle sich getäuscht, so die SPD-Politikerin. Auch diesmal sei nicht sicher, in welcher Höhe Fördermittel fließen. "Im schlimmsten Fall", so Glöckner, "ist die Stadt mit 4,55 Millionen Euro dabei." Ihr Fazit: "Das ist einfach nur peinlich."

Nach Ansicht von FDP-Stadtrat Sven Morlok deckt das ganze Prozedere elementare Versäumnisse durch die Baubehörde auf. Als Eigentümer der Immobilie habe die Stadt eine Verkehrssicherungspflicht. Morlok: "Beim Erkennen der Schäden wurden sofort ein Baustopp verfügt und Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Folglich: Wäre sie früher erkannt worden, hätte der Betrieb gestoppt werden müssen." Stattdessen besuchten tausende Menschen ahnungslos das baufällige Kulturzentrum. "Ich möchte nicht wissen, was losgewesen wäre, wäre da etwas passiert, eine Decke eingestürzt", hielt Morlok der Bürgermeisterin vor. Um Klarheit über den Zustand der Gebäudesubstanz zu erhalten, hätten nach seinen Worten nur Spiegel oder Wandverkleidungen abgeschraubt werden müssen.

"Die ursprüngliche Planung ging davon aus, dass die Gebäudesubstanz noch in Ordnung ist", verteidigte sich Dubrau. Ein Trugschluss wie sich herausstellte (die LVZ berichtete). Denn während die Vorplanungen bei laufendem Betrieb erfolgten, trat das ganze erschreckende Ausmaß des Verfalls des Kulturzentrums erst zutage, als die Sachverständigen in die Tiefe gingen. Teile des unter Denkmalschutz stehenden Freizeittreffs waren nicht mehr zu erhalten, mussten im vergangenen Jahr abgerissen werden.

Die Mehrkosten für Abbruch und Wiederaufbau belaufen sich auf nunmehr 1,87 Millionen Euro. Sollte die Stadt dafür noch Fördermittel erhalten, verringere sich der kommunale Anteil. "Es ist bei all den Problemen der sinnvollste Weg", verteidigte Dubrau ihren Vorschlag. Denn ansonsten drohe der Verlust sowohl des Denkmalstatus' als auch die Rückzahlung von bereits investierten Fördermitteln.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2015

Kasel, Beatrice

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Als Folge eines Masern-Falles hat es am Mittwoch im Deutsch-Französischen Bildungszentrum "Franz" Unterrichtsausfälle im großen Stil gegeben. Betroffen waren rund 1000 Schüler.

25.03.2015

Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz sagt Dieben und Einbrechern den Kampf an. Der oberste Ordnungshüter der Stadt lässt bei seinen Beamten die Kräfte bündeln und gründet eine neue Eingreiftruppe.

25.03.2015

Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz sagt Dieben und Einbrechern den Kampf an. Der oberste Ordnungshüter der Stadt lässt bei seinen Beamten die Kräfte bündeln und gründet eine neue Eingreiftruppe.

25.03.2015
Anzeige