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Kranken-Notstand in den Leipziger Bürgerämtern

Kranken-Notstand in den Leipziger Bürgerämtern

Immer mehr städtische Bedienstete kümmern sich um immer weniger Bürger - und trotzdem müssen die Leipziger in den zwölf Bürgerämtern immer länger warten.

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Das Rathaus um die Ecke: In zwölf Bürgerämtern - verteilt über die gesamte Stadt - bietet die Kommune ihre Dienstleistungen an.

Quelle: André Kempner

Grund: Jeder vierte Mitarbeiter fehlt. Das geht aus einer internen Untersuchung des Rathauses für die Jahre 2011 und 2012 hervor, die der LVZ vorliegt.

Danach fehlten aufgrund von Urlaub, Krankheit oder Freizeitausgleich im Jahr 2011 an jedem Tag 15 der 59 Bediensteten, im Jahr darauf waren es 18. "Die Personalausstattung der Bürgerämter wurde von Anfang an schon schlank gestaltet", erklärt Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) in seinem Jahresbericht. "Das hat aber zur Folge, dass die Arbeitsfähigkeit aller Bürgerämter nicht mehr in jedem Falle gewährleistet bleibt, denn bei Urlaub, Krankheit, Kur oder Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es ausgesprochen schwierig, alle Bürgerämter mit ausreichend Personal zu besetzen."

Wie berichtet, schloss die Stadt bereits zwei Bürgerämter zum Jahresende 2010 (Plagwitz und Stuttgarter Allee) und verteilte das Personal auf die übrigen Standorte. Als Reaktion auf den anhaltenden Personalnotstand wurden im Oktober 2012 sechs zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Mit Terminreservierungen versucht die Verwaltung zudem, immer längeren Warteschlangen zu begegnen. Seit 2012 können übers Internet oder Bürgertelefon feste Termine vereinbart werden. Dieser Service wurde im vorigen Jahr schon 34 000 Mal genutzt.

Inwieweit dies jedoch die Situation in den Bürgerämtern grundlegend entspannt, bleibt fraglich. Denn seit Jahren nimmt der Krankenstand in den Rathäusern um die Ecke rasant zu. 2010 war jeder Mitarbeiter statistisch an 27 Tagen im Jahr krank geschrieben, 2011 waren es 35 Tage und 2012 bereits 43 Tage.

Dabei nutzen immer weniger Leipziger die Dienste der Bürgerämter. Trotz wachsender Bevölkerung ging die Zahl der Besucher seit 2010 um 15 Prozent zurück. Suchten damals noch 488 067 Bürger die Verwaltungszentren in den Stadtteilen auf, wurden 2011 noch 457 671 und 2012 sogar nur noch 415 535 Besucher gezählt.

Das Leistungsangebot in den wohnortnahen Bürgerämtern ist vielfältig. Die Bürger können unter anderem Personalausweise, Reisepässe, Führungszeugnisse, Wohnberechtigungsscheine, Wohngeld und diverse staatliche oder kommunale Leistungen beantragen. Die Rathäuser um die Ecke geben darüber hinaus vorläufige Personalausweise und Pässe aus, ebenso Melde- und Aufenthaltsbescheinigungen, Beglaubigungen, Leipzig-Pässe und Ferienpässe.

Fünf Millionen Euro lässt sich die Stadt die Dienstleistungszentren jedes Jahr kosten. Die Einnahmen der Bürgerämter beliefen sich 2012 auf 3,8 Millionen Euro, das sind 1,4 Millionen Euro mehr als zwei Jahre zuvor. Grund für Anstieg ist der neue Personalausweis, der nicht mehr acht Euro, sondern 28,80 Euro kostet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2013

Klaus Staeubert

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