Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Krankenhaus in Ostafrika steht auf eigenen Füßen
Leipzig Lokales Krankenhaus in Ostafrika steht auf eigenen Füßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:01 15.05.2018
Der Krankenwagen fährt kommunale Gesundheitszentren an, wenn Schwangere aufgrund von Komplikationen in eine Klinik gebracht werden müssen. Eine Fahrt kann je nach Entfernung und Wetterlage bis zu sechs Stunden dauern. Quelle: Fotos: privat
Anzeige
Leipzig

Eine trotz einiger Probleme positive Jahresbilanz hat jetzt der Leipziger Verein Ärzte für Madagaskar gezogen. „Nüchtern betrachtet, hat sich auf der Roten Insel, wie Madagaskar auch genannt wird, wenig geändert. Weit verbreitet sind nach wie vor Armut und Korruption, knapp 80 Prozent der Bevölkerung leben in extremer Armut von weniger als zwei Dollar pro Tag“, berichtet Projektkoordinatorin Amanda Hecktor. Die Hälfte aller madagassischen Kinder sei mangelernährt. Im Süden sei die Versorgungslage mit Lebensmitteln aufgrund einer Dürre und anderer Naturkatastrophen besonders besorgniserregend gewesen. Zudem habe es eine Pestepidemie gegeben.

„Doch es gibt Hoffnung: Nach nunmehr sechs Jahren intensiver Arbeit, selbstlosem Engagement von so vielen in und für Madagaskars Süden können wir sagen: Es hat sich etwas verändert“, sagt die Leipzigerin. An manchen Orten sei die medizinische Versorgung spürbar besser geworden – nicht zuletzt dank der treuen Unterstützung vieler Spender.

Die Radiostation der Klinik Ejeda konnte mithilfe von „Ärzte für Madagaskar“ repariert werden. Gesundheitsinformationen werden hier abendlich gesendet. Der Radiomoderator André Chrysanthe Mahasoa (links) arbeitet außerdem in der Klinikapotheke. Daneben Dr. Rinja Ranaivoson von „Doctors for Madagascar“ und Amanda Hecktor, Projektkoordinatorin von ÄfM. Quelle: privat

Ein besonderer Erfolg der Arbeit des Vereins in diesen sechs Jahren war laut Hecktor der Bau des Krankenhauses Zoara in Fotadrevo – „der einzigen Klinik mit Operationssälen in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern, zuständig für mehrere Hunderttausend Menschen“. Mit den Spenden aus Deutschland sei es möglich gewesen, das Krankenhaus auszustatten, einheimisches Personal einzustellen und weiterzubilden. Seit 2015 trage sich die Klinik nun schon komplett aus eigenen Einnahmen. „Und ein Umlageprinzip stellt sicher, dass arme Patienten kostenreduziert behandelt werden können“, betont die Projektkoordinatorin. Es laufe so gut, dass „wir unsere Unterstützung mittlerweile auf ein Mindestmaß zurückfahren konnten“. Dies bedeute aber nicht, dass es für den Verein in Fotadrevo nichts mehr zu tun gibt. „Im Gegenteil: Wir finanzieren auch weiterhin die Verpflegung von Patienten und Angehörigen im Hopitaly Zoara. Zudem engagieren wir uns für die Behandlung von Tuberkulosekranken dort. Und wir bauten im vergangenen Jahr die erste weiterführende Schule im Ort“, zählt die engagierte Vereinsmitarbeiterin auf.

Und ein weiteres Projekt liegt Ärzte für Madagaskar am Herzen: Dank der Unterstützung durch die „Else Kröner-Fresenius-Stiftung“ und dem Projekt „genialsozial“ der Sächsischen Jugendstiftung führt der Verein im entlegenen Süden des Landes ein Projekt zur Reduktion der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit durch.

Schwangere Frauen sitzen vor dem Gesundheitszentrum Beroy Sud und lauschen einer Infoveranstaltung zur Müttergesundheit. Quelle: privat

„Dafür arbeiten wir – mittlerweile bereits im zweiten Jahr – mit mehr als 30 Gesundheitszentren und drei Referenzkliniken zusammen“, berichtet Hecktor. Mehrere medizinische Hilfseinsätze internationaler Experten hätten stattgefunden. „In den Kliniken wurden Kreißsäle und Wöchnerinnenstationen renoviert und gerätetechnisch ausgestattet. Für den Notfalltransport im Komplikationsfall stehen an jeder Referenzklinik geländegängige Krankenwagen zur Verfügung“, erzählt die Leipzigerin.

In zahlreichen Fällen konnten laut Verein die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen, Entbindungen oder Behandlungen im Komplikationsfall anteilig oder vollständig übernommen und so auch mittellosen Patientinnen der Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Betreuung ermöglicht werden. Für häufige geburtshilfliche Komplikationen wurden mit den Referenzkliniken Fixpreise vereinbart. 22 Hebammen nahmen an strukturierten Weiterbildungskursen der „Mobilen Hilfe Madagaskar“ teil. „Summa summarum können wir stolz auf fast 3900 sichere Entbindungen sowie knapp vorgeburtliche Untersuchungen sein“, sagt Hecktor, die in diesem und in den kommenden Jahren dem Verein noch viel auf der Insel im Indischen Ozean vorhat .

www.aerzte-fuer-madagaskar.de

Von Martin Pelzl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch ist es etwas hin bis zum diesjährigen Weihnachtsmarkt, doch im Rathaus werden bereits die Planungen für die verkaufsoffenen Sonntage im Dezember vorangetrieben. Den zur Buchmesse geplanten Shopping-Sonntag hatte ein Gericht zuletzt gekippt.

15.05.2018

Selbst eine Kuh melken oder lernen, wie man den Code auf dem Ei entschlüsselt – das konnten Kinder am Dienstag beim 8. Veterinary Day in Leipzig.

15.05.2018

Die Auftragslage im Handwerk ist so gut wie nie zuvor. Doch Kunden müssen nach wie vor mit steigenden Preisen und langen Wartezeiten rechnen. Die Stärkung des Nachwuchses und die Anpassung an die Digitalisierung sollen Auswege aufzeigen.

15.05.2018
Anzeige