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Krebskongress: Leipziger Spezialisten sind die maßgeblichen Akteure

Krebskongress: Leipziger Spezialisten sind die maßgeblichen Akteure

Unter anderen sind das der Chef des Uni-Tumorzentrums Christian Wittekind, weltweit einer der führenden Experten in der Krebs-Klassifizierung, Florian Lordick, der Direktor des Universitären Krebszentrums (UCCL), und HNO-Klinikchef Andreas Dietz.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Vorjahr, meint Letzterer, hatten an diesem Kongress rund 10.000 Kollegen teilgenommen, diesmal würden ebenso viele erwartet. Bei der Tagung, die Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe ausrichten, soll es kurz gesagt um Versorgung, Therapie, Nachbehandlung und Verhinderung von Krebs überhaupt gehen. "In vielen dieser Bereiche sind wir in Leipzig führend, sind wir Vorreiter", sagt Lordick. So habe Leipzigs Uni-Klinikum erfolgreiche Strukturen zur interdisziplinären Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren entwickelt. Dietz, der eine maßgebliche Aktie daran hat, ist nicht nur stolz darauf, sondern auch froh, dass die diesjährige Krebstagung just diese Tumor-Thematik in den Fokus rückt, erstmals gar in einer großen Plenarsitzung. "Bundesweit steigen die Fallzahlen von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich drastisch. Vor allem jene die Rachenregion betreffend", sagt Dietz. Und meint - nur einmal für die eigene Klinik gesprochen - noch vor zehn Jahren habe man hier 100 neue Fälle jährlich registriert, heute seien es mehr als 300. Tabak- und Alkoholgenuss seien hierfür längst nicht mehr Hauptursache. Der neue "Feind" - das ist der Warzenvirus, ein bestimmter Typ von Humanen Papillomviren (HPV). Er könne Rachenkrebs, an dem so gut wie jeder zweite Erkrankte stirbt, ebenso mit befördern.

Humane Papillomviren seien bereits hinlänglich bekannt - als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. "Gegen diesen gibt es ja bereits eine Impfung", meint Dietz. "Vielleicht gelingt das ja auch für den Kopf-Hals-Bereich. Wenn wir in unsere Klinik blicken, können wir aber bereits sagen, dass sich in den letzten zehn Jahren die Therapieerfolge wesentlich verbessert haben." Hier habe es sich - wie im nationalen Krebsplan auch festgeschrieben -, bewährt, dass solche Karzinome an einem spezialisierten interdisziplinären Zentrum wie dem Leipziger UCCL in enger Zusammenarbeit mit HNO-Ärzten, Onkologen sowie Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgen behandelt und betreut werden. Individuell auf jeden Patienten abgestimmt.

Ein Aspekt, bei dem Lordick einhakt: Er nennt es "personalisierte Krebstherapie" und wird beim Kongress auch darüber referieren. Nicht zuletzt, "weil unser UCCL da beispielhafte Programme vorhält. Übrigens auch für das Gebiet Magen- und Darmkrebs", so Lordick. "Wir haben diesbezüglich gerade vom Bund eine halbe Million Euro Forschungsmittel bekommen und führen auch europäische Forschungsinitiativen an. Zum Beispiel um herauszufinden, wie das Magenkarzinom auf moderne Therapien anspricht und wer damit dann optimal zu behandeln ist."

Zugleich wird Lordick den Programmteil Palliativmedizin beim Kongress leiten, zumal er Sprecher der betreffenden Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft ist. "Wir können derzeit auf viele wissenschaftliche, medizinische Fortschritte und Behandlungsmöglichkeiten setzen. Aber wir müssen aufpassen, dass der sterbenskranke Patient mit seinen Bedürfnissen - zum Beispiel in Hinsicht Partnerschaft, Selbstbestimmung oder Religion - dabei nicht ins Hintertreffen gerät. Palliativmedizin muss die Lebensqualität stützen, in wichtigen Entscheidungsfragen helfen. Und zwar nicht erst in der Sterbephase", so Lordick. "Wir praktizieren dafür bei uns in Leipzig ein Modell, das palliativmedizinische Hilfen für Erkrankte frühzeitig in die onkologische Behandlung integriert," Mitunter würden so wohl auch wenig erfolgversprechende Krebstherapien vermieden.

Die Strukturen für Palliativmedizin insgesamt seien in Leipzig gut ausgebaut. Einen Schwachpunkt in diesem Kontext benennt der Leipziger UCCL-Chef jedoch: die psychoonkologische Betreuung betroffener Patienten. Hier, sagt er, brauche es außerhalb der Uni-Klinik einfach mehr geschulte Fachkräfte. Angelika Raulien

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.02.2014

Angelika Raulien

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