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Lokales Krebspatient am Leipziger Uni-Klinikum muss im Flur übernachten
Leipzig Lokales Krebspatient am Leipziger Uni-Klinikum muss im Flur übernachten
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00:20 08.12.2017
Leipziger Uni-Klinikum in der Liebigstraße.   Quelle: Andrè Kempner
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Leipzig

 Obwohl er vom Schicksal gebeutelt ist, hat Holger Diehr den Humor nicht verloren. Seit drei Jahren leidet er an Darmkrebs. Und wenn er über seine Krankheit spricht, dann ist seiner Wortwahl anzumerken, dass er lange als Berufskraftfahrer unterwegs war. Seinen künstlichen Darmausgang nennt er einen „zweiten Auspuff“, insgesamt laufe sein Motor „nicht mehr ganz rund“, erzählt der 59-Jährige und kommt auf sein jüngstes „Parkplatzproblem“ am Leipziger Uni-Klinikum (UKL) zu sprechen. Nicht draußen vor dem Krankenhaus an der Liebigstraße, sondern drinnen als Patient. „Da war bei mir Schluss mit lustig.“

Mitte November musste der gebürtige Rückmarsdorfer wieder für einen kleineren Eingriff im Zuge seiner Krebsbehandlung einziehen. Statt in der zuständigen viszeralchirurgischen Station fand sich Diehr in der Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie wieder. „Ich wurde erstmal abgeschoben, aber das war noch das kleinste Übel.“ Nach einem Interimsaufenthalt bei der Zahnheilkunde wurde er an seinen eigentlichen Bestimmungsort verlegt. Aber der Umzug nach der Operation endete im Flur in einem sogenannten Gangbett, in dem Diehr eine Nacht verbrachte. „Bei grellem Licht, offenem Fenster und ständigem Begängnis – ich lag auf dem Präsentierteller.“ Beschwerden beim Personal hätten nichts gebracht, das erbetene Schlafmittel zeigte keine Wirkung, das Patientenmanagement war nicht besetzt. „Ich habe kein Auge zu und das Maul natürlich weit aufgemacht“, erzählt Diehr.

 Erlebt und durchgemacht hat er schon einiges. Zu DDR-Zeiten fuhr er Gefahrguttransporter, als er 1985 nicht zum Begräbnis seiner Mutter in den Westen durfte, stellte er einen Ausreiseantrag, wurde 1988 in die BRD abgeschoben und war dann als Trucker für verschiedene Speditionen in ganz Europa auf Tour. 1996 erwischte es ihn durch einen umkippenden Container schwer: Schädelplatte gebrochen, Kleinhirn gequetscht, rechter Sehnerv verletzt, sechs Hirn-OPs, 80 Prozent schwerbeschädigt. 2014 dann in Düsseldorf die Darmkrebsdiagnose. „Danach bin ich in meine alte Heimat Leipzig zurückgekehrt und habe mich dort den Behandlungen unterzogen.“ Am Donnerstag muss Diehr wieder ins UKL. „Hoffentlich werde ich nicht auf dem Hubschrauberlandeplatz untergebracht, oder ich bringe mir mal eine Luftmatratze mit“, witzelt er.

Zu Diehrs Beschwerde über seinen letzten Aufenthalt, hieß es von UKL-Seite gegenüber der LVZ, es habe zum damaligen Zeitpunkt eine „Belegungsspitze“ gegeben. Durch viele Notfälle sei die betreffende Station voll gewesen und der Patient im Rahmen einer „interdisziplinären Bettennutzung“ in der Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie untergebracht worden. Weil nach der OP eine engere Überwachung nötig war, kam er in die Viszeralchirurgie, wo in den Patientenzimmern kein Platz mehr zur Verfügung stand. „Das führte zu der beschriebenen Situation.“ Zum Patientenmanagement teilte das UKL mit, es sei nur für Aufnahmen und Entlassungen zuständig und mithin nachts nicht besetzt. Verwiesen wurde auf steigende Patientenzahlen und den laufenden Bau eines neuen Klinikzentrums, „nach dessen Inbetriebnahme wir auftretende Belegungsspitzen besser auffangen können.“

Von Mario Beck

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