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Lokales Krimi in Moskau: Frühere Leipziger Gutenberg-Bibel sollte illegal verkauft werden
Leipzig Lokales Krimi in Moskau: Frühere Leipziger Gutenberg-Bibel sollte illegal verkauft werden
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10:09 18.10.2016
Die noch im Besitz der Uni-Bibliothek befindliche Gutenberg-Bibel wird ab und zu in Ausstellungen gezeigt - wie hier in der Biblitheca Albertina. Quelle: André Kempner

Russische Medien berichten jetzt über den Fall.

 Demnach hatte ein Wachmann der Universitätsbibliothek in Moskau, wo das kostbare Kulturgut verwahrt wird, die Bibel bereits vor fünf Jahren aus einem Büro entwendet und in einem anderen Zimmer versteckt. Weil das Verschwinden nicht auffiel, wollte er die Bibel nun zu Geld machen. Zuvor, so heißt es, habe er eine Seite herausgeschnitten, um damit potenziellen Käufern auf dem grauen Kunstmarkt das Angebot schmackhaft zu machen. Angeblich sollen von einem Privatmann 550.000 Dollar geboten worden sein. Der Deal sei aber von den Behörden vereitelt worden.

 Nachdem die entsprechende Meldung vorgestern erstmals über den Nachrichtenkanal Live News verbreitet wurde, klingeln bei UBL-Direktor Professor Ulrich Johannes Schneider russische Journalisten an und wollen Details zu der Bibel wissen. Sie fragen aber auch, was er von den Sicherheitsstandards in den russischen Bibliotheken hält. "Aber darüber will und kann ich mir kein Urteil erlauben."

Die betreffende zweibändige Bibel mit reicher Deckelvergoldung und einem roten Einband aus Maroquin-Leder habe er im Original noch nie gesehen, auch Fotos von ihr gebe es im hiesigen Fundus nicht. Ursprünglich, so erzählt Schneider, wurden in Leipzig drei Gutenberg-Bibeln aufbewahrt - zwei in der UBL und eine im Buch- und Schriftmuseum. Letztere, ein ebenfalls zweibändiges Exemplar, wurde nach dem Krieg ebenso konfisziert und in die Moskauer Staatsbibliothek gebracht.

 "Nirgendwo auf der Welt gab es noch einen Ort mit gleich drei solcher Kostbarkeiten", so Schneider. "Verblieben ist uns nur eine vierbändige Gutenberg-Bibel, die in einem Hochsicherheitstrakt deponiert ist." 2016 soll sie das nächste Mal der Öffentlichkeit im Rahmen einer Ausstellung präsentiert werden. "Wenn es sich denn so zugetragen hat, bin jedenfalls heilfroh, dass diese kriminelle Tat in Moskau vereitelt werden konnte."

Schändlich sei aber nicht nur der Diebstahl an sich, sondern auch "dass es Leute gibt, die sich mit großen Summen solcher Raritäten bemächtigen wollen." Das habe ihn am meisten schockiert, meint Schneider. Er hoffe in den nächsten Tagen auf detailliertere Informationen, "vielleicht geben die Behörden ja auch ein Statement ab".

 Zu der Bibel selbst, die Mitte des 15. Jahrhunderts gedruckt wurde, gibt es nur spärliche Angaben. Am aussagekräftigsten ist noch eine Beschreibung von Paul Schwenke. Einst hatte der Bibliothekar und Einbandforscher, der in Leipzig Theologie und klassische Philologie studierte, diverse Gutenberg-Bibeln charakterisiert, darunter die drei Leipziger.

Zu der, die jetzt in Moskau für Wirbel sorgt, vermerkte er, sie sei - abgesehen von Wurmstich am Anfang und Ende beider Bände - "vortrefflich erhalten". Die Seitenüberschriften seien ebenso wie die Kapitelzahlen rot, die großen Initialen "sehr reich an farbigem Blattwerk". Wem die Bibel gehörte, bevor sie ihren Platz in der Uni-Bibliothek fand, konnte auch Schwenke nicht herausfinden. Vermerkt ist nur, dass es im Hinterdeckel des ersten Bandes eine getilgte alte Besitzbezeichnung gibt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.06.2014

Mario Beck

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