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Krisenbesuch im Leipziger ICE-Werk: OBM Jung besorgt über Abbau von 900 Jobs bei der Bahn

Krisenbesuch im Leipziger ICE-Werk: OBM Jung besorgt über Abbau von 900 Jobs bei der Bahn

900 Stellen will die Bahn-Tochter DB Regio Südost streichen – auch Leipzig ist davon betroffen. Vor diesem Hintergrund wird die Stippvisite von Burkhard Jung (SPD) im ICE-Werk der Bahn am Mittwoch zu einem Krisenbesuch.

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Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat am Mittwoch das ICE-Werk der Bahn besichtigt.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Der Standort Leipzig werde durch die Sparmaßnahme geschwächt, kritisiert der Oberbürgermeister. Doch eine Patentlösung hat auch er nicht parat.

Mit schnellen Schritten läuft Burkhard Jung am Mittwochvormittag durch die beiden Hallen des ICE-Werks in der Rackwitzer Straße. Immer wieder bleibt er stehen, schaut sich um, schüttelt Hände von Arbeitern. Eine Meute von Journalisten klebt an seinen Fersen. Wenn Leipzigs Oberbürgermeister bei der Bahn vorbeischaut, ist das schon etwas Besonderes. Es ist sein zweiter Besuch seit der Eröffnung der Werkstatt vor drei Jahren.

„Ich wollte gern verstehen, was logistisch und sicherheitstechnisch möglich ist, damit die Eisenbahn so funktioniert, wie wir uns das vorstellen“, sagt er und fügt hinzu “eben möglichst ohne Ausfälle.“ Ein bisschen aufgeregt läuft er dann zügig durch die 220 Meter lange Werkshalle, vorbei an den beiden ICEs, die genau hinein passen. Immer wieder stellt er Fragen. Das Interesse ist nicht geheuchelt.

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Leipzig. 900 Stellen will die Bahn-Tochter DB Regio Südost streichen – auch Leipzig ist davon betroffen. Vor diesem Hintergrund wurde die Stippvisite von Burkhard Jung (SPD) im ICE-Werk der Bahn am Mittwoch zu einem Krisenbesuch. Der Standort Leipzig werde durch die Sparmaßnahme geschwächt, kritisiert der Oberbürgermeister. Doch eine Patentlösung hat auch er nicht parat.

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Bis zu acht Züge werden pro Nacht gewartet

Was Jung wissen will, das beantwortet Ralf Kunze, der Instandhaltungsleiter der Werkstätten in Leipzig und Dresden. Seit Dezember 2009 wartet die Bahn ICEs in der neuen Halle, und zwar alle, die vom Leipziger Hauptbahnhof abfahren oder ankommen. 27 Millionen Euro hat die Bahn in die neue Werkstatt investiert. 140 Menschen arbeiten hier, darunter elf Auszubildende.

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Jung sieht nach dem geplanten Stellenabbau bei der Bahn den Standort Leipzig gefährdet.

Quelle: Christian Nitsche

Pro Nacht können bis zu acht Züge kontrolliert werden. In der kleineren Halle werden Radsätze gewartet. In der großen beheben Mitarbeiter Türstörungen, überprüfen die Klimaanlage, leeren die Toiletten. Auf Gleis eins werkeln gerade einige Schlosser. Sie tauschen einen der vier Fahrmotoren aus. Drei bis vier Jahre hält er, dann muss das Teil gewechselt werden. Dafür stehen die Männer direkt unter dem Zug. Die ICEs können von unten und oben kontrolliert werden. „Wenn jemand oben arbeitet, muss die Fahrleitung unbedingt abgeschaltet werden“, erklärt Werkstattchef Kunze. „Auf den Leitungen haben wir 15.000 Volt.“

Größere Probleme gebe es an den Zügen derzeit nicht, informiert Kunze. „Über die drei heißen Tage sind wir gut hinweg gekommen.“ Die Klimaanlagen arbeiteten diesmal auch bei über 30 Grad. Auch Flutschäden hielten sich im Vergleich zum Hochwasser 2002 in Grenzen. „Diesmal hatten wir an den Fahrzeugen keine Schäden, eher an der Strecke.“

Bahn-Tochter will 900 Stellen abbauen

Während die ICEs derzeit nach Plan verkehren, ist die Situation vieler Bahnmitarbeiter offen. Die Bahn-Tochter DB Regio Südost will von derzeit 3000 Stellen 900 streichen, 700 in den Zügen, 200 in der Verwaltung. Grund der Sparmaßnahme: Die Bahn hat in jüngster Zeit Ausschreibungen verloren, zuletzt für das zweite S-Bahn-Netz durch den Leipziger City-Tunnel. Um künftig besser aufgestellt sein, will die Bahn-Tochter ihre Strukturen verschlanken und Mitarbeiter entlassen, auch in der Messestadt. Offiziell steht noch keine genaue Zahl fest. Es heißt aber, dass in Leipzig 100 Stellen betroffen sein könnten.

Artur Stempel, Konzernbevollmächtigter der Bahn in Sachsen, sagt es klipp und klar: Den Mitarbeitern in Leipzig könne keine Garantie gegeben werden, dass ihre Stelle sicher sei. Aus seiner Sicht ist das größte Problem für die Bahn, dass bei Ausschreibungen immer öfter nur die Kosten zählen. „Die Konkurrenz ist da besser aufgestellt“, so Stempel. Die Bahn könne nicht mithalten.

Die Strukturen innerhalb des Betriebes sollen deshalb verändert werden. „Wir sind zersplittert aufgestellt mit verschiedenen Verkehrbetrieben in der Region“, erklärt er. „Die werden wir jetzt zusammenfassen.“ Der Stellenabbau könnte sich auch negativ auf die Werkstätten der Bahn auswirken. Nach einer verlorenen Ausschreibung in Sachsen werden in der Werkstatt in Dresden derzeit weniger Züge gewartet: „Momentan können wir die Kapazität dieses Werks nicht auslasten“, so Stempel. Eine ähnliche Situation könnte auch Leipzig drohen.

Standort Leipzig wird geschwächt

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Artur Stempel, Konzernbevollmächtigter der Bahn in Sachsen, sagt es klipp und klar: Den Mitarbeitern in Leipzig könne keine Garantie gegeben werden, dass ihre Stelle sicher sei.

Quelle: Christian Nitsche

Oberbürgermeister Jung beobachtet diese Entwicklung mit Sorge, denn die Bahn sei für Leipzig sehr wichtig: „Es tut immer weh, wenn im Rahmen eines Wettbewerbs, der sinnvoll ist, eine Schwächung des Standorts passiert.“ Jahrelang habe er dafür gekämpft, dass der Verkehrsknoten Leipzig gestärkt wird und sich zu einer Drehscheibe für Deutschland entwickelt. „Da ist es ein kleiner Rückschritt, wenn die Bahn Arbeitsplätze verliert“, kritisiert Jung und verweist gleichzeitig auf den Wettbewerbsnachteil, den die Bahn durch den Grundversorgungsauftrag habe. „Die Luft wird dünner für einen Konzern, der auch Netze bedient, die unwirtschaftlich sind.“ Insgesamt ist er dennoch optimistisch, dass sich der Stellenabbau auf Leipzig als Verkehrsknotenpunkt nicht allzu negativ auswirkt.

Und dazu kann Jung – eigentlich Autofahrer – selbst beitragen. Doch wenn man ihn fragt, wann er das letzte Mal Bahn gefahren ist, überlegt er eine Weile. “Vor 14 Tagen nach Berlin“, fällt ihm dann ein. „Allerdings nicht ICE.“

Gina Apitz

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