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Kritik an Leipzigs Interkulturelle Wochen

Verstaubt oder zeitgemäß? Kritik an Leipzigs Interkulturelle Wochen

Seit einem Vierteljahrhundert richtet Leipzig Interkulturelle Wochen (IKW) aus. In diesem Jahr werden sie vom 20. September bis zum 5. Oktober stattfinden. Die Reihe will Vielfalt in der Stadt zeigen. Doch ist ihr Programm noch zeitgemäß?

Leipzig. Seit einem Vierteljahrhundert richtet Leipzig Interkulturelle Wochen (IKW) aus. In diesem Jahr werden sie vom 20. September bis zum 5. Oktober stattfinden. Die Reihe will Vielfalt in der Stadt zeigen, für Weltoffenheit werben, Begegnungen zwischen Kulturen und Religionen ermöglichen, Integrationsimpulse setzen. Doch ist das Programm der IKW noch zeitgemäß oder hat es im Laufe der Jahre Staub angesetzt?

 Ulrich Werner Schulze lebt seit zwölf Jahren in Leipzig, hat die Veranstaltungsreihe selbst kennengelernt und an einem Vorbereitungstreffen teilgenommen. Ernüchternd sein Urteil. Es habe den Anschein, schrieb er in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und die fünf Ratsfraktionen, "als machte das Referat einfach weiter im bräsigen ,business as usual'". Er meint das Referat für Migration und Integration, das den Hut für die IKW aufhat. "Damit blamiert sich Leipzig weiter", schließlich gehe es um den "Ruf der Stadt als (eine mögliche) multikulturelle Metropole im Osten". Angesichts von Legida, Flüchtlingskrise und Angriffen auf Asylbewerberheime müsste es Aufgabe der Stadt sein, einen Akzent zu setzen. Doch wieso, fragt Schulze, zeige das Referat Migration und Integration nicht deutlich Flagge und mache die IKW zu einem "Leuchtturm der Integration"?

 Im Rathaus kann man die Kritik nicht so recht verstehen. "Die Interkulturellen Wochen werden von uns koordiniert", sagt Sabine Maruschke vom Referat für Migration und Integration, "aber wir sind nicht der Veranstalter. Es ist eine Veranstaltungsreihe der Stadtgesellschaft." Die Kommune biete die Plattform, auf der auch in diesem Jahr wieder gut 90 Vereine, Religionsgemeinschaften und Initiativen Gesprächsrunden, Vorträge, Workshops, Ausstellungen, Lesungen, Begegnungen, Kinoabende, Sport-, Musik- und Tanzveranstaltungen anbieten können. Die Inhalte legten die einzelnen Veranstalter für sich selber fest. Maruschke sieht die IKW darum als "Standortbestimmung für interkulturelles Leben in Leipzig, Stadt-Akteure kommen hier zu Wort, interkulturelle Vielfalt wird damit gefördert". Die Themen seien vielfältig. 140 Veranstaltungen wird es in diesem Jahr geben. Sie spiegelten jene Themenvielfalt wider, die zu den "Herausforderungen von Integration in Leipzig gehören". Letztes Jahr etwa, als der geplante Moscheebau in Gohlis die öffentliche Debatte in Leipzig beherrschte, sei es in vielen IKW-Veranstaltungen um den Islam gegangen.

 In diesem Jahr beschäftigten sich allein 20 Veranstaltungen direkt mit dem Flüchtlingsthema. Es bestehe die Möglichkeit, Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, kennenzulernen, mit ihnen zu kochen, zu musizieren oder Fußball zu spielen. Ein Diskussionsabend im Europa-Haus wird sich mit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex befassen, eine Konferenz im Rathaus mit der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Flüchtlingen, ein Vortrag mit den Ursachen von Flucht und Migration, eine Aufführung im Schauspielhaus mit der Tragödie im Mittelmeer. Das neu konstituierte Jugendparlament will junge Menschen einladen, die von ihrer Flucht erzählen. Darüber hinaus, so Maruschke, werde das Thema auch andere Veranstaltungen, etwa der Kirchen, tangieren.

 Ulrich Werner Schulze hofft, dass seine Intervention im Rathaus etwas bewirkt. Die Reaktionen blieben allerdings verhalten. "Auf meinen Brief an den OBM hat dessen Büro inzwischen - etwas ausweichend - geantwortet", sagt Schulze, "aber mitgeteilt, dass sich die Stadt mit dem Thema und der Aussage meines Briefes befassen wird."

 Von den Ratsfraktionen hätten die AfD ("mit erwartbarer Äußerung"), die Linke ("urlaubsbedingt knapp") und die SPD ("ausweichend, schulterzuckend") geantwortet. "Vom Rest", so Schulze ernüchternd, "Schweigen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Klaus Staeubert

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