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Kruzifix mit beweglichen Armen - "Umsonst ist der Tod" im Stadtgeschichtlichen Museum

Kruzifix mit beweglichen Armen - "Umsonst ist der Tod" im Stadtgeschichtlichen Museum

Es musste erst restauriert werden: In der Sonderschau "Umsonst ist der Tod" ist nun ein Kruzifix mit beweglichen Armen zu sehen, das auf um 1500 datiert ist. Seine Heimat ist eigentlich im Stadtmuseum Jena - nun gehört es zu den rund 300 Exponaten der Schau, die wegen des großen Interesses um drei Wochen bis zum 21. September verlängert wurde.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. "Wir hatten mehr als 5000 Besucher seit Eröffnung Anfang Juni, auch durch den kleinen Kirchentag in Leipzig", sagt Kuratorin Ulrike Dura, die am Donnerstag bei einer Kurzführung das bewegliche Kruzifix vorstellen wird (17 Uhr). Dieses ist nahezu lebensgroß und beeindruckt durch seine realitätsnah ausgearbeiteten Gesichtszüge, die durch eine Echthaarperücke und natürliche Dornenkrone verstärkt werden. Echthaar-Kruzifixe erfreuten sich im ausgehenden 15. Jahrhundert großer Beliebtheit im mitteldeutschen Raum.

Die Ausstellung befasst sich mit der Religiosität der Menschen in der vorreformatorischen Zeit. Ihre Alltagswelt war durch Frömmigkeit und Glauben geprägt, aber keineswegs so finster, wie oft behauptet wird. "Die Menschen, egal ob Adeliger, Bauer oder Kirchenmann, waren davon überzeugt, dass sie nur genügend beten mussten, um den Zorn Gottes abzuwenden. Denn allein schlechtes Verhalten der Menschen war dafür verantwortlich, so ihre Überzeugung, wenn Gott durch Unwetter ganze Ernten vernichtete oder durch Seuchen und Krankheit den Tod ins Haus brachte", so Dura.

Die ambitionierte Schau, ein Kooperationsprojekt mit den Mühlhäuser Museen und dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg, stellt keineswegs Bischöfe, Klöster oder Universitätsgelehrte in den Mittelpunkt, sondern die Glaubenswelten einfacher Leute vor dem Wittenberger Thesenanschlag. Dabei steht im Vordergrund, wie sie die Frömmigkeit erlebten. In sieben Kapiteln wird beispielsweise an damals übliche Pilgerreisen, den weit verbreiteten Wunderglauben und den Ablasshandel erinnert. Wer sich tiefgründiger mit dem Thema beschäftigen will, dem sei das 416-seitige Begleitbuch von Hartmut Kühne, Enno Bünz und Thomas T. Müller zur Ausstellung empfohlen. 57 Autoren, die alle Objekte vorstellen und ihre jeweilige Funktion erläutern, haben mitgewirkt. In einer verständlichen Sprache werden da Vorurteile widerlegt. Nach wie vor hat sich die Vorreformation bei vielen als Zeit der Krisen und klerikaler Missstände eingeprägt. Das wiederum führte zum Mythos von der Reformation als Reaktion darauf. Forscher wie Kurator Hartmut Kühne beschäftigten sich bei einem mehrjährigen Projekt näher mit der Zeit vor Luther im "Kernland des Protestantismus". Es ist erstaunlich, was da in Archiven, Kirchen, Bibliotheken, Museen ausgegraben werden konnte.

"Umsonst ist der Tod" ist bis 21. September dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf, ermäßigt 3,50 Euro, bis 18 Jahre ist er frei. Das Buch mit ca. 300 Farbabbildungen kostet 29,95 Euro und erschien im Verlag Petersberg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014

Mathias Orbeck

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