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Krystallpalast-Areal am Leipziger Hauptbahnhof wird bebaut

Neues Quartier Krystallpalast-Areal am Leipziger Hauptbahnhof wird bebaut

Das Krystallpalast-Areal unweit des Leipziger Hauptbahnhofs war einst Heimstätte des größten Vergnügungsparks in Deutschland. Doch davon ist vor Ort schon lange nichts mehr zu sehen.

Für das geschichtsträchtige Areal liegt jetzt ein Masterplan zur Bebauung vor, den das Leipziger Architekturbüro Grunwald & Grunwald erstellte.

Quelle: Grunwald & Grunwald

Leipzig. Wie die LVZ exklusiv erfuhr, soll die riesige Brachfläche, auf der früher der Krystallpalast stand, nun ab 2016 neu bebaut werden. In der vergangenen Woche begann eine Architekturwerkstatt für das Mega-Projekt, an dessen Planung Stadt und Investoren seit anderthalb Jahren arbeiten.

Laut Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) wird auf der zwei Hektar umspannenden Brachfläche ein Quartier entstehen, das durchaus als Vorbild für die künftige Stadtentwicklung im stark wachsenden Leipzig dienen könne. "Mit den LWB-Neubauten an der Wintergartenstraße und der Planung für einen zentralen Busbahnhof am Hauptbahnhof wurde der Anfang geschafft", erläutert sie. Das Krystallpalast-Gelände sei der nächste Schritt, um die seit dem Zweiten Weltkrieg klaffende städtebauliche Lücke zwischen der City und dem Leipziger Osten - bis hin zur Eisenbahnstraße - zu schließen. "Es ist ein herausragendes Projekt, denn wir planen dort eine Nutzungsmischung in hoher Qualität und zugleich ein besonders verkehrsberuhigtes Wohnviertel."

Mehrere Verkäufe und Fehlplanungen

2013 trat der Leipziger Projektentwickler Conpartis erstmals an den privaten Eigentümer des Geländes heran, das zwischen Hahnekamm, Brandenburger, Hofmeister- und Wintergartenstraße liegt. "Auslöser war ein Hinweis vom Amt für Wirtschaftsförderung. Es sah Bedarf für mehr citynahe Büros", berichtet Conpartis-Geschäftsführer André Jaschke. Nach über 20 Jahren, in denen es mehrere Verkäufe und Fehlplanungen gab, sei es nicht einfach gewesen, den Eigentümer für ein neues Konzept zu gewinnen. "Doch er hat uns vertraut."

Im Frühjahr 2014 folgte auf Anregung des Stadtplanungsamtes eine Städtebauwerkstatt mit vier Teams, die jeweils aus Architekten und Landschaftsplanern bestanden. "Es ging darum, tragfähige Ideen für eine nachhaltige Quartiersentwicklung zu finden", so Amtsleiter Jochem Lunebach. Die Jury unter Vorsitz von HTWK-Professor Ingo Andreas Wolf habe dann einstimmig für das Konzept von Zila Architekten aus Leipzig sowie Atelier Loidl aus Berlin plädiert. Letztere gewannen gerade den Deutschen Landschaftsarchitekur-Preis 2015 für einen neu angelegten Park in der Hauptstadt.

185 Wohnungen und zwei Hotels

Gemäß des Sieger-Konzeptes soll ein Stadtquartier mit etwa 185 Wohnungen, zwei Hotels, Gastronomie, kleinem Einkaufsmarkt, Büro- und Gewerbeflächen entstehen. Die gesamte Geschossfläche der Häuser beträgt über 50000 Quadratmeter. "Getreu des Leitbildes der Europäischen Stadt ist eine robuste Blockrandbebauung mit gründerzeittypischen Traufhöhen, klar definierten öffentlichen Räumen und einer bewussten Durchmischung vielfältiger Nutzungen vorgesehen", sagt Lunebach. Zum Beispiel sei der Anteil kleiner Wohnungen, die auch für Studenten oder Senioren geeignet sind, mit 50 Prozent besonders groß. Die Geschosshöhen (3,20 Meter) wurden so ausgelegt, dass sich im Falle eines geänderten Bedarfs spätere Umnutzungen sehr leicht verwirklichen lassen.

"Durch die wirklich partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt ließen wir uns von der Idee begeistern, hier eine Wohnanlage mit moderner Mobilität zu schaffen", ergänzt Con-partis-Chef Jaschke. So falle die Tiefgarage mit 250 Stellplätzen (teils für Car-Sharing) ungewöhnlich klein aus. Dafür sind 600 Fahrrad-Stellplätze geplant. An der Hofmeisterstraße, die die Investoren verbreitern und zur Allee umgestalten wollen, werden Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert. "Wir haben Straßenbahnen, Busse und den Bahnhof in der Nähe. Da brauchen viele Bewohner kein Auto."

Die Zahl der Auto-Stellplätze wird 40 Prozent unter dem Maß liegen, das als Mindestnorm für vergleichbare Projekte gilt, bestätigt Dubrau. Rechtlich sichere das die Stadt mit Hilfe des Bebauungsplans ab. Vorteil für die Investoren: Für nicht verlangte Stellplätze werden keine Ablösezahlungen fällig. Vorteil für die Bewohner: Da die Tiefgarage nur einen Teil des Grundstücks unterkellert, kann im größten der insgesamt vier geplanten Höfe ein Arboretum (eine Art botanischer Garten mit oftmals exotischen Bäumen und Sträuchern) beliebig tiefe Wurzeln schlagen. "Das Arboretum ist nicht nur eine Reminiszenz an die Entstehungsgeschichte des Krystallpalastes", betont die Bürgermeisterin. "Eigentlich entspricht es der reinen Lehre der Stadtplanung, für das Wohnen in der City Ruhezonen zu schaffen, damit man auch bei geöffnetem Fenster schlafen kann."

Neue Kita für Rosa-Luxemburg-Straße

Über 80 Millionen Euro Investitionssumme sind für das Vorhaben kalkuliert. Um das zu stemmen, gründete Conpartis unlängst eine Projektgesellschaft mit der SAX-Gruppe aus Tübingen, die in Leipzig bereits 40 Häuser saniert und ein Logistikzentrum aufgebaut hat. "Wir schaffen ein lebendiges Quartier, in dem sich die Menschen wohlfühlen", betont SAX-Geschäftsführer Michael Straub. Bis zum Herbst geben nun Architekten den Häusern ihre konkrete Gestalt. Conpartis entwickelt schon die nächste Brachfläche: Gleich nebenan in der Rosa-Luxemburg-Straße ist auch eine Kita geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.08.2015
Jens Rometsch

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