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Lokales Kundgebung der Kita-Initiative: Die Lage in Leipzig bleibt kritisch
Leipzig Lokales Kundgebung der Kita-Initiative: Die Lage in Leipzig bleibt kritisch
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22:49 21.06.2017
Es fehlen in Leipzig weiterhin 2100 Betreuungsplätze in Kindertagestätten. Darum hat die Kita-Initiative vor dem Rathaus eine Kundgebung veranstaltet. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Musik, Picknick, Kinderschminken – Hunderte junge Leipziger hatten sich am Mittwoch mit Kinderwagen und Decke vor dem Neuen Rathaus eingefunden. Was auf den ersten Blick wie ein Volksfest aussah, hatte allerdings einen ernsten Hintergrund. Die Eltern sind verzweifelt, weil sie in Leipzig keinen Betreuungsplatz finden. Das wollten sie am Rande des Stadtrates bekunden.

Die Stadt baut zwar neue Einrichtungen, doch nach wie vor fehlen um die 2100 Betreuungsplätze – und damit mehr als noch vor einem Vierteljahr. „Die Situation ist für viele furchtbar, haarsträubend und zum Verzweifeln“, sagte Cynthia Friedrichs von der Kita-Initiative, einem von Eltern gegründeten Netzwerk. Sie selbst hat mehr als ein Dreivierteljahr auf einen Kitaplatz warten müssen. Viele Leute, die aufgrund fehlender Betreuung nicht rechtzeitig zurück in den Job können, wollen nicht länger als anonyme Zahl behandelt werden.

Was sie besonders ärgert: Sie finden im Rathaus zu wenig Gehör. Deshalb hat die Kita-Initiative einen Forderungskatalog aufgemacht, der gestern an Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) übergeben wurde. Angemahnt wird ein anderer, ein fairer Umgang mit den betroffenen Eltern. Und eine sinnvolle Lösung der Platzvergabe unter Bedingungen des Platzmangels – darunter mehr Transparenz beim umstrittenen Kita-Portal. So sollten Alleinerziehende und Eltern, die am längsten warten, als Erste verfügbare Plätze bekommen. Gefordert wird auch, dass die Stadt selbst mehr baut – anstatt die Verantwortung auf Freie Träger abzuwälzen.

„In Berlin gibt es 600 Klein-Kitas und Kinderläden. Leipzig braucht unsere Hilfe und kann es sich einfach nicht leisten, darauf zu verzichten“, sagte Britta Weisser von der Kita-Initiative. So müsste eine Kita-Gründungsberatung engagierte Initiativen dabei unterstützen, zusätzliche Plätze zu bauen. In Leipzig werden Interessenten jedoch abgewiesen, so Jürgen Brehme vom Freien Kindergarten. „Sie werden zu Freien Trägern geschickt, weil die Stadt nur größere Kindergärten möchte.“ Derzeit wird eine Größe ab 90 Kindern als wirtschaftlich angesehen.

Gegen den Mangel an Kinder-Betreuungsplätzen demonstrierte am Mittwoch dem Neuen Rathaus die Leipziger Kitaplatz-Initiative. Eine Petition wurde an Sozialbürgermeister Thomas Fabian übergeben.

Die Eltern erkennen zwar an, dass die Stadt viele Bauprojekte angeschoben und in den letzten Jahren Tausende Plätze ans Netz genommen hat. Sie akzeptieren aber nicht, dass heutige Probleme der zum Teil verzweifelten Familien ignoriert würden. Einige trifft es derart hart, dass sie wieder aus Leipzig wegziehen wollen. In die Nähe der Großeltern zum Beispiel.

„Jeder Einzelfall ist schmerzlich. Ich kann Ihre Probleme gut verstehen“, sagte Fabian. „Wir arbeiten daran, unsere Anstrengungen zu erhöhen und Probleme zu lösen.“ Fabian kündigte an, dass die Stadt jetzt zehn bis zwölf Grundstücke für private Investoren bereitstellt. Die sollen bis Ende 2018 Einrichtungen bauen – zusätzlich zu den geplanten. Auch Stadträte stellten sich den Eltern. „Leipzig muss den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz garantieren – für jedes Kind“, sagte Juliane Nagel (Linke), die ebenso wie Michael Weickert auf mehr Tempo drängt. „Wir müssen auch unkonventionelle Wege gehen, etwa in Systembauweise Plätze schaffen – das ist unsere Aufgabe“, so der CDU-Stadtrat.

Victoria Jankowicz, eine der Mitbegründerinnen der Kita-Initiative, hört das zwar gern. „Wir Eltern wollen ernst genommen werden“, sagte sie. Gemessen werde die Verwaltung aber an ihren Taten. Dazu gehöre auch, die Eltern zeitnah über den Stand ihrer Anfrage und Vergabe zu informieren und suchende Eltern wirklich zu unterstützen. „Das ist unser Recht“, sagte ein junger Vater, der gerne auf eine Klage verzichtet hätte.

Mathias Orbeck

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