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Kunst oder Sachbeschädigung: Auch in Leipzig sprüht ein Unbekannter illegale Graffiti-Smileys

Kunst oder Sachbeschädigung: Auch in Leipzig sprüht ein Unbekannter illegale Graffiti-Smileys

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht – in Hamburg verurteilte ein Gericht den Graffiti-Sprüher Walter F. alias OZ vor einer Woche zu einer 14-monatigen Haftstrafe.

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Im gesamten südlichen Zentrum Leipzigs finden sich Smileys dieser Art.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Er schmierte über Jahre angeblich bis zu 120.000 Smiley-Gesichter an Hauswände, Poller und vieles Andere. Offenbar kein Einzelfall: Auch in Leipzig sprüht ein Unbekannter die immer gleichen Strichgesichter an öffentlichen Orten, vor allem an Stromkästen. Die Identität des Spayers kennen die Behörden so wenig wie die Motive, die hinter der Grinsegesichter-Invasion stecken. Insider vermuten mehrere Täter, die Szene lehnt die Smileys ab.

Wer im südlichen Zentrum Leipzigs zwischen Wilhelm-Leuschner-Platz und Connewitzer Kreuz spazieren geht, wird wahrscheinlich keine drei Straßenzüge weit kommen, ohne an einem der besagten Smileys vorbeizukommen. Zwei geschlossene Augen mit Wimpern, der typische Halbkreis darunter – so sehen die Strichgesichter aus, von denen in diesem Gebiet nach Recherchen von LVZ-Online mindestens drei Dutzend Stück auf Stromkästen, Telefonzellen sowie Wohn- und Geschäftshäuser gemalt wurden. Vermutlich sind es weit mehr, möglicherweise auch in anderen Stadtteilen.

Dem Blogger Marcel Nowicki fielen die Smileys das erste Mal Anfang 2010 auf. Die Gesichter gefielen ihm so gut, dass er Fotos von ihnen sammelte und diese auf einer Internetseite veröffentlichte. „Ich fand, an bestimmten Stellen waren die Smileys schön anzusehen. Ich meine, ein Stromkasten an sich sieht nicht so hübsch aus. Da passte das ganz gut ran“, sagt er heute. Mehr als 30 Bilder von verschiedenen Stellen schoss er, teilweise lieferten ihm seine Leser weitere zu. Einige dieser Smileys sind mittlerweile verschwunden, andere dazugekommen. Die Identität des Sprühers kennt Nowicki nicht. „Ich bezweifle auch, dass man denjenigen jemals finden wird.“

Die Aufklärungsquote für illegale Graffiti liegt in Sachsen bei unter 20 Prozent

Ein Mitglied des zuständigen Polizeikommissariats kann dies nur bestätigen: „Uns sind diese Smileys auch bekannt, aber bislang gibt es keine Hinweise darüber, wer dahinter steckt.“ Überraschend: Bislang sei auch keine einzige Anzeige zu den Gesichtern eingegangen. Die Polizei könne bei den Delikten aber nur tätig werden, wenn Eigentümer oder Mieter die Straftat melden.

Gefallen die Smileys den Leipzigern so sehr, dass sie nichts gegen die Graffitis einzuwenden haben? Eher nicht: „Die großen städtischen Unternehmen und betroffene Immobilienfirmen planten zur Beseitigung der Schmierereien einen festen Betrag im Etat ein. Graffitis werden dann in regelmäßigen Turnus entfernt, ohne das es zu einer Anzeige kommt“, so ein Beamter. Ein anderer Grund könnte sein: Vergangenes Jahr lag die Aufklärungsquote der Delikte laut Landeskriminalamt (LKA) in Sachsen bei unter 20 Prozent. Dabei sind die Schäden immens.

Welche Kosten illegale Graffiti in Leipzig verursachen und was ein Szenekenner zu den Smileys sagt, lesen sie auf Seite 2. Weiter...

Alexander Laboda

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