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Kunstsensation: Verschollenes Mendelssohn-Aquarell kommt als Leihgabe nach Leipzig

Kunstsensation: Verschollenes Mendelssohn-Aquarell kommt als Leihgabe nach Leipzig

Kleine Sensation zur Neueröffnung des Mendelssohn-Hauses: Ein Aquarell von der Hand des Komponisten wird ab Montag im ehemaligen Wohnhaus der Familie zu sehen sein.

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Bei seiner Hochzeitsreise malte Felix Mendelssohn Bartholdy den italienischen Ort Cadenabbia am Comer See. Das bislang verschollen geglaubte Bild soll jetzt im Leipziger Mendelssohn-Haus ausgestellt werden.

Quelle: Christian Kern

Leipzig. Das Bild zeigt den italienischen Ort Cadenabbia am Comer See - und es galt bislang als verschollen. Die Spur führt über den Berliner Leihgeber Hendrik Kübler bis zur Hochzeitsreise von Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1837 zurück.

Am 28. März hatte der Musiker die 19-jährige Cécile Charlotte Sophie Jeanrenaud geheiratet. "Morgens früh' Zeichenstunde. Die Hitze, der Geruch der Farben und das Pallettenhalten, machen mich so müde, daß ich alle Augenblicke aufhören muß, während Felix sehr eifrig an seiner Cadenabbia arbeitet", lautet am 23. Juni 1837 ein Eintrag ins Hochzeitstagebuch.

Dass diese Örtchen den Dirigenten zum Pinsel greifen ließ, schien für Ralf Wehner von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften deshalb mehr als wahrscheinlich. Kaum einer kennt sich da so gut aus wie der Arbeitsstellenleiter der Mendelssohn-Werkausgabe. Doch unter den rund 50 bekannten Mendelssohn-Aquarellen war jenes nicht zu finden. Als die Leipziger nun durch Hendrik Kübler das Bild in die Hände bekamen, war es als "Blick auf Thun" bekannt. Unter diesem Titel war die mit 18 mal 24 Zentimeter kaum DinA4-große Malerei im Jahr 2009 in der Staatsbibliothek Berlin ausgestellt worden.

Schicksalhafte Begegnung zwischen Seelenverwandten

Hendrik Kübler, Jahrgang 1953, ist mit der Familie Mendelssohn nicht verwandt. Doch Kübler ist ein großer Liebhaber der Mendelssohn-Werke, und die Geschichte hat ein enges Band von seiner Familie bis ins 19. Jahrhundert gewebt.

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Die beiden silbernen, 18 Zentimeter hohen Leuchter mit den Initialen des berühmten Komponisten kommen wie das verschollen geglaubte Aquarell als Dauerleihgabe nach Leipzig.

Quelle: Christian Kern

So lernte Hendrik die 30 Jahre ältere Cécile Lowenthal-Hensel kennen, als er im Berliner Abgeordnetenhaus eine Ausstellung über Felix' Schwester Fanny Hensel vorbereitete. Die beiden erkannten sich als Seelenverwandte, wurden über die Jahre so vertraut, dass Lowenthal-Hensel Patentante der Kübler-Zwillinge wurde. Die jetzt neunjährigen Jungen nennen Mendelssohn Bartholdy gern einfach "Onkel Felix".

Im Januar 2012 starb Cécile Lowenthal-Hensel, Gründerin der Mendelssohn-Gesellschaft. Aus ihrem Nachlass gingen eine Leipziger Homer-Ausgabe in griechischer Sprache, zwei silberne, 18 Zentimeter hohe Leuchter ihres berühmten Ururgroßonkels mit seinen Initialen FMB, und eben das besagte Aquarell an Hendrik Kübler. Das Büchlein kommt als Schenkung ins Leipziger Wohnhaus des Komponisten, Leuchter und Aquarell als Dauerleihgabe.

Kunstkrimi mit Happy-End

Dass es sich bei dem Bild möglicherweise nicht um den "Blick auf Thun" handelte, fiel der Leipziger Museumsleiterin Cornelia Thierbach auf. Sie fand in der Literatur eine passende Bleistiftzeichnung zu dem Aquarell. Diese ist original vom Komponisten auf den 22. Juli 1831 datiert, als Cadenabbia beschrieben, und derzeit im Besitz der Bodleian Library Oxford. Die Puzzleteile fügten sich zusammen. Mit dem Hinweis von Ralf Wehner auf das Hochzeitstagebuch war klar: Leipzig kann im Jahr des 205. Geburtstags des Komponisten genau diese Malerei zeigen, die bisher als unbekannt abgehakt war.

Experte Wehner und laut Museum auch eine kunsthistorische Prüfung bestätigen, dass Mendelssohn Bartholdy bei dem Werk den Pinsel geführt hat. Der materielle Wert sei bis jetzt nicht beziffert worden, so Mendelssohn-Haus-Sprecherin Franziska Franke. Doch für Kübler und seine Söhne, die das Kleinod persönlich nach Leipzig brachten, wo es ab Montag in der außergewöhnlichen Paternoster-Vitrine zu sehen ist, ist das auch nicht der Punkt.

Für den Mann, dessen Arbeitsplatz in Berlin direkt am dortigen, einstigen Mendelssohn-Domizil liegt, und der deshalb jeden Tag durch den ehemaligen Garten der Familie spazieren könnte, zählen andere Dinge.  "Ich freue mich, mit meinen Geschenken und Leihgaben diese bedeutende Sammlung bereichern zu dürfen", sagt Kübler. "Meine Söhne und ich stehen auf dem Standpunkt, dass Dinge dort gezeigt werden sollen, wo sie hingehören: in das Mendelssohn Haus zu Leipzig."

Info: Mendelssohn-Haus Leipzig, Goldschmidtstraße 12, www.mendelssohn-stiftung.de. Zur Neueröffnung am 3. Februar freier Eintritt am Montag von 15-22 Uhr. Danach täglich geöffnet von 10-18 Uhr.

Evelyn ter Vehn

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