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Lokales Kuschler oder Kämpfer - spannendes Experiment am Max-Planck-Institut
Leipzig Lokales Kuschler oder Kämpfer - spannendes Experiment am Max-Planck-Institut
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23:59 20.06.2013
Uni-Professor Torsten Schöneberg zeigt auf seinem Laptop eine Videosequenz aus dem Ratten-Labor. Quelle: armin kuehne

Es geht darum, worin sich Haustiere von ihren wilden Artgenossen unterscheiden, wo sich genetische Unterschiede dingfest machen lassen, wie sich der Domestizierungsprozess auf der molekularen Ebene abbildet. Eva-Direktor Svante Pääbo und sein Professorenkollege Torsten Schöneberg, der das Institut für Biochemie an der medizinischen Fakultät leitet, ziehen dabei an einem Strang und binden gezielt Doktoranden in das Projekt ein, bei dem Ratten die Hauptakteure sind.

In speziellen Käfigen werden sie gehalten, die einen sind friedlich, die anderen aggressiv - und allesamt Nachfahren jenes Züchtungsgeschehens, das einst in der Sowjetunion seinen Lauf nahm. "Damals wollten die russischen Forscher herausbekommen, ob sich beispielsweise auch Nerze, Silberfüchse oder Wanderratten domestizieren, also zähmen lassen", blickt Schöneberg zurück. Über viele Generationen hinweg wurden die Tiere selektiert - immer wieder jene miteinander gepaart, die eher zutraulich schienen, und solche, die sich bissig zeigten. Heraus kamen letztlich Kuschler und Kämpfer. Was blieb, war die Frage, was sie zu dem macht, was sie sind.

Dank Pääbos guter Kontakte zu russischen Kollegen, überließen diese den Leipzigern 2005 diverse Exemplare von Nagern des wilden und des sanften Typs. "Sie kamen mit einem Postflieger aus Nowosibirsk, die Holzkiste stand auf dem Sitz des Co-Piloten", erinnert sich Schöneberg an die Überführung "mit einigen logistischen Hürden". Seitdem wurden sie hier im Labor-Revier vermehrt und eingehend studiert, hinsichtlich ihres Verhaltens, ihrer Konstitution und natürlich ihrer Erbgut-Beschaffenheit. Frank Albert aus Pääbos Team promovierte darüber, als Postdoc arbeitet er mittlerweile an der Princeton University in den USA. Gelungen ist es schon, bestimmte Bereiche im Genom einzugrenzen, die als eine Art Systemsteuerung für das Ratten-Temperament fungieren könnten.

Wie unterschiedlich das ausgeprägt ist, lässt sich bei Filmsequenzen besichtigen, die Schöneberg auf seinem Laptop vorspielt. Nur mit gepanzerten Handschuhen kann sich den Kämpfernaturen genähert werden, sie stellen sich auf und gehen sofort zum Angriff über. "Ihre Stresstoleranz ist sehr gering", so Schöneberg. Ganz anders bei den fügsamen Exemplaren, die neugierig äugen, sich erkundend dem hingehaltenen Forscherarm nähern, um dann zutraulich auf ihm herumzukrabbeln. "Sie wollen Streicheleinheiten." Anhand äußerer Merkmale wie der Fellfarbe oder der Größe lassen sich die Zutraulichen und die Bissigen nicht unterscheiden. Vielleicht "einen Hauch schwerer" seien die Domestizierten, erzählt Schöneberg. Ständig werden die Tiere nach allen Regeln der Kunst vermessen, ihr Reaktionsvermögen und der Hormonspiegel getestet.

Als "cooles Science-Joint-Venture" mit dem benachbarten Planck-Institut beschreibt Schöneberg das Langzeitvorhaben, bei dem jetzt die nächste Doktoranden-Generation am Zuge ist. Aus Pääbos Mannschaft fahndet Alexander Cagan weiter nach verräterischen Orten in den Erbanlangen, in denen sich die Selektion manifestiert. Und auf Schönebergs Seite setzt Henrike Heyne die Forschungen fort und analysiert, ob es auch im Gehirn der Tiere jeweils spezifische molekularbiologische Signale gibt. Zu Rate gezogen werden dabei vor allem sogenannte Expressionsdaten, aus denen der genetische Einfluss auf den Phänotyp, also das Erscheinungsbild, ablesbar ist. Betreuer Schöneberg: "Sie kniet sich da richtig rein, war auch schon mehrere Wochen in Schweden, um sich bestimmtes methodisches Rüstzeug zu holen. Es ist schon mutig, sich auf ein solches komplexes Thema einzulassen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2013

Beck, Mario

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