Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales LVB-Fahrgästen droht im nächsten Jahr eine eiskalte Dusche
Leipzig Lokales LVB-Fahrgästen droht im nächsten Jahr eine eiskalte Dusche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:23 04.02.2016
Mitarbeiter von JCDecaux reinigen regelmäßig die 502 Fahrgastunterstände an den Straßenbahnhaltestellen.  Quelle: Leipzig report
Anzeige
Leipzig

 
 

In der Berliner Zentrale von JCDecaux war man überrascht, als in der vorigen Woche die Nachricht einging, Leipzig würde künftig seine Fahrgastunterstände in Eigenregie beschaffen. Das Unternehmen hatte sich gerade um die neue Werbekonzession, zu der auch die Unterstände gehörten, beworben, stand bis zuletzt mit der Stadt in Verhandlungen. Zurzeit hat JCDecaux 502 moderne Wartehäuschen in Betrieb, 670 sollten es werden. Doch am 22. Januar kündigte die Kommune völlig unerwartet im EU-Amtsblatt an, die Fahrgastunterstände ab 2017 selbst aufzubauen (die LVZ berichtete).

„Dieser Vorgang ist einmalig. So etwas hat es bisher in keiner Stadt, in der wir tätig sind, gegeben“, sagt JCDecaux-Sprecherin Frauke Bank. „Wir sind seit 1991 in Leipzig, haben hier 20 festangestellte Mitarbeiter.“ Sie kümmern sich um Instandhaltung und Reinigung der Anlagen. Bank: „In konstruktiver Zusammenarbeit mit Stadt und den Verkehrsbetrieben haben wir eine ansprechende Infrastruktur geschaffen, es gab nie Klagen. Wir würden gerne in Leipzig bleiben.“ Nach den Krawallen am 12. Dezember, bei der auch Haltestellen zu Bruch gingen, hatte es JCDecaux geschafft, binnen 48 Stunden alle Unterstände zu reparieren. Das müsste die Stadt dann künftig selbst arrangieren. Sollte es zu keinem neuen Vertrag kommen, wird JCDecaux nach dem 31. Dezember 2016 „schnellstmöglich“ alle Unterstände abbauen. „Es gibt Städte, in denen wir das in vier Wochen erledigt haben“, so die Sprecherin. „Wir können nicht nachvollziehen, warum die Stadt so ein Erfolgsmodell aufgibt.“

Im Rathaus versucht man, die ganze Sache herunterzuspielen. „Bei den Fahrgastunterständen beginnt ein Austausch der vorhandenen Anlagen ab dem 1. Januar 2017“, versichert der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, Michael Jana. Doch zur Wahrheit gehört: Es gibt bislang nicht mal eine Ausschreibung für das Investitionspaket. „Die Installation eigener Fahrgastunterstände wird derzeit sowohl vom Verfahren als auch von den Kosten her untersucht“, räumt Jana ein. Es dürfte Monate dauern, bis allein die Vorbereitungen abgeschlossen sind, ganz zu schweigen vom Aufbau und der Kapitalbeschaffung. Nach vorsichtigen Schätzungen bräuchte die Stadt 40 Millionen Euro, die sie mit der Vermarktung der Werbeflächen wieder einspielen müsste.

Ursprünglich waren die Haltestellen Teil der Werbekonzession, die die Stadt im April 2015 ausgeschrieben hatte. Rund eine Million Euro nimmt Leipzig jedes Jahr aus den Werberechten ein. Die Stadt will aber mehr. Für Litfaßsäulen, Kandelaber und Uhren läuft das Verfahren wie geplant weiter. Nur die großen Werbeflächen und -Boards müssen nun noch mal ausgeschrieben werden – eben ohne die Haltestellen. Die dazu eingegangenen Angebote hatten die Erwartungen der Stadt nicht erfüllt, deshalb will sie die Unterstände aus dem Paket herauslösen. Amtsleiter Jana: „Dadurch ergeben sich für die Stadt entscheidende Vorteile für die Zukunft. So entfällt mit der nächsten Beendigung der Werbekonzession in 15 Jahren der massive Umbau an den Haltestellen.“ Außerdem ließe sich so der Bedarf in den Ortsteilen besser abdecken, da es keine Anzahlbeschränkung mehr für die Haltestellen mehr gebe. „Wir gehen davon aus“, so Jana, „dass die eigene Errichtung für die Stadt insgesamt kostengünstiger ist, als die ursprünglich geplante Vergabe zusammen mit der Werbekonzession.“

Und was sagen die LVB, die dann im nächsten Winter die Wut der Fahrgäste wegen des fehlenden Wetterschutzes treffen wird? Sprecher Frank Viereckl: „Wir als Leipziger Verkehrsbetriebe sind in das Verfahren nicht involviert und nicht gefordert.“

Von Klaus Staeubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Samstag lädt die Stadt Leipzig zum neunten Familien-Spiele-Fest ins neue Rathaus ein. In den Kategorien Sport und Bewegung, Brettspiele, Computerspiele und Kreativität bieten 62 Stände Zeitvertreib.

03.02.2016

Etwas mehr als 100 Tage sind es noch, dann wird in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag eröffnet. Der Veranstalter des Treffens vom 25. bis 29. Mai, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), hat am Mittwoch die Höhepunkte des Mammut-Programms bekannt gegeben.

03.02.2016
Lokales Zeigner-Haus will vors Bundesverfassungsgericht - Rosenthal verteidigt Demo-Entscheidungen des Leipziger Ordnungsamts

Nach der Kritik an seiner Versammlungsbehörde wehrt sich Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) gegen den Vorwurf, dass Legida bei Demos bevorzugt wird. Das Erich-Zeigner-Haus kündigte dagegen am Mittwoch weitere juristische Schritte an.

03.02.2016
Anzeige