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LVB stellen sich der Kritik an ihrer Website

LVB stellen sich der Kritik an ihrer Website

So voll war es bei einem Leipziger Webmontag noch nie. Rund 40 Interessierte aus vielen Bereichen der Kreativwirtschaft trafen sich am Montag in den Räumen der Agentur eWerk zum Gedankenaustausch.

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Die Suchfunktion auf der neuen Internetseite der Leipziger Verkehrsbetriebe.

Quelle: LVZOnline .

Leipzig. Einziger Tagesordnungspunkt: Der aus Sicht vieler Anwesender misslungene Relaunch der Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Ein konstruktives Treffen, auf dem einer fehlte. Trotz vorheriger Ankündigung war Prof. Frank Hofmann von der Hochschule Merseburg, der für das Design verantwortlich zeichnet, nicht anwesend.

Hendrik Schubert, einer der Geschäftsführer von eWerk, freute sich, so viele Kreative "mal auf einem Haufen" begrüßen zu dürfen und schickte hinterher, dass sein Unternehmen "immer auf der Suche" sei nach guten Mitarbeitern. Thomas Gigold, derzeitiger Ansprechpartner und Organisator des Webmontags, bedankte sich ausdrücklich bei eWerk und der LVB für die Möglichkeit, die Kritikpunkte gemeinsam zu besprechen. "Das ist nicht normal und dafür gebührt den Unternehmen unser aller Dank", so Gigold. Durch den Abend führte Michael Wilhayn, ein Wirtschaftsmediator, der von eWerk engagiert wurde. "Ich bin auf Veränderungen spezialisiert - und dieser Fall hier ist eindeutig eine Situation, die Veränderungen erfordert.

Das sahen wohl auch die Teilnehmer des Webmontags so. Hauptkritikpunkt an der Website der LVB war und ist das ungewöhnliche Aussehen, das nach Aussagen vieler Anwesender so ziemlich jeden Design- und Gestaltungsregeln widerspricht. Peter Nebe, Marketingleiter der LVB, stellte von vornherein klar: "Ich weiß, sie alle können mir hier was vormachen. Ich sehe die Website, weiß aber nicht, wie sie funktioniert. Für mich ist nur interessant, wie die Kunden reagieren und das Nutzungsverhalten ist", sagte er. Seit 1999 besitze die LVB eine Website. "Wir haben immer versucht, die Entwicklung im Internet zu begleiten. 2004 haben wir zum letzten Mal relauncht, also einen neuen Webauftritt online gestellt. Nun standen wir vor der Frage: Überarbeiten wir nur oder machen wir etwas ganz eigenes, neues?", schilderte Nebe die Überlegungen. Herausgekommen sei dann in Zusammenarbeit mit Prof. Frank Hofmann die jetzige Internetseite. Hofmann sei der LVB empfohlen worden, sagte Nebe. Tatsächlich arbeitete das Verkehrsunternehmen bereits für die Handy-Anwendung easy.go mit der Hochschule Merseburg zusammen. "Die Entwicklung von easy.go hat dann wohl auf die Webentwicklung abgefärbt", so Nebe.

Genau diesen Punkt führen Kritiker der neuen Website immer wieder an. Die jetzige LVB-Seite sehe aus wie eine iPhone-App, die für das Internet aufgeblasen wurde, lauten viele Wortmeldungen in Blogs und Twitter. Unverständliche Piktogramme, die sämtliche gewohnte Bedienungsabläufe einer Internetseite über Bord werfen. Manfred Oeding, Designer und Webentwickler aus Leipzig, nannte die Vorgehensweise der LVB fahrlässig: "Als Dienstleister, der für einen großen Teil der Leipziger Bevölkerung arbeitet, im Internet komplett neue Wege gehen zu wollen und das vor allem unvorbereitet für die Benutzer, war unüberlegt. Man kann nicht 12 Uhr den Schalter umlegen und die Kunden alleine lassen", gab er zu bedenken.

Peter Nebe verteidigte sich: "Hauptanspruch an die neue Internetseite war, es so einfach wie möglich zu machen für den Nutzer. Und notfalls eben auch, indem man bricht mit allgemein verinnerlichten Standards." Das wäre auch die Aussage der Mitglieder des Fahrgastbeirates gewesen. Zwei Workshops mit jeweils 14 Personen hätten stattgefunden, um die Bedienung der Website zu testen. "Schwerpunkte waren dabei der Fahrplan, die Tarife, Störungsinfos und eine Möglichkeit, die Fahrkarten online zu kaufen. Auf diese Dinge haben wir uns konzentriert", so Nebe.

Wenig zufriedenstellend war für viele das Fehlen von Prof. Frank Hofmann. Zu gern hätten die Teilnehmer ihm die Frage gestellt, warum gerade dieses Design gewählt wurde. Eine junge Grafikerin fragte etwa "Wo ist das Corporate Design hin?" Nebe verwies darauf, dass dies nur wenig restriktiv sei und einige Vorgaben, wie etwa der gelbe Balken mit dem LVB-Logo umgesetzt wurden. Thomas Gigold, Webworker und Experte für Social Media fragte, warum die LVB komplett auf Emotionen verzichtet. "Ein Unternehmen, das mit Menschen zu tun hat, zeigt keinerlei Fotos von seinen Mitarbeitern oder Kunden. Keine Nähe, keine Wärme. Das hat mich sehr verwundert", sagte er. Eine Antwort darauf blieb Peter Nebe schuldig.

Seit dem Relaunch verzeichnet die Website der LVB rund 12.000 Besucher am Tag - vorher waren es 2000 Besucher. "Als Marketingmann gesprochen könnte ich sagen, ich habe alle meine Ziele erreicht. Ich will aber, dass alle zufrieden sind", so der LVB-Marketingleiter. Zurücklehnen komme für die LVB nicht in Frage. "Das zeigt ja alleine schon, dass ich hier bin. Bislang haben wir, neben der Kritik in Twitter und den Blogs, etwa 400 Mails mit Kritiken bekommen. 70 bis 80 Prozent bezogen sich auf die nicht oder nur schlecht funktionierende Fahrplanauskunft. Einen Fakt, den ich gelten lassen muss, denn das ist wirklich so."

Hendrik Schubert von der Agentur eWerk, die für die technische Umsetzung und Programmierung verantwortlich zeichnet, verteidigte sich "Hier fließen mehrere Daten zusammen, wir zapfen unterschiedliche Datenquellen an. Das ist kein vorgefertigtes Modul, sondern eine Eigenentwicklung, die sicher noch Anpassung bedarf", sagte er. In Sachen Gestaltung habe eWerk kein MItspracherecht gehabt. "Wir müssen uns sicher auf die Fahnen schreiben, dass Fehler passiert sind. Eine Möglichkeit, irgendwann Stopp zu rufen, hatten wir aber nicht, wenngleich wir natürlich sehr oft Bedenken angemeldet haben", so Schubert.

Auf die Frage eines Teilnehmers, wie hoch der Imageschaden für die LVB nun durch den Fehl-Launch sei, antwortete Nebe: "Ich finde nicht, dass wir einen Imageschaden davon getragen haben und wenn, dann ist er nicht messbar." Eine Aussage, die für Raunen und Gelächter im Publikum sorgte. Nebe will jedoch die Anmerkungen in sein Projektteam nehmen. Eine komplett neue Website werde aber sicher nicht entstehen, ebenso wenig wie es möglich sei, den alten Internetauftritt übergangsweise wieder online zu schalten. "Wir brechen jetzt nichts ad hoc über's Knie. Zumal unser Geld nun auch verbraucht ist für das Projekt", so Nebe.

Hendrik Schubert dagegen sieht die Defizite vor allem bei der Gestaltung und könnte sich einen Grafikwettbewerb vorstellen. "Vielleicht loben wir einen vierstelligen Betrag aus für die beste Designidee", sagte er. Ein Vorschlag, den Peter Nebe vorerst als "denkbar" bezeichnete. Diverse Teilnehmer des Webmontags allerdings bezweifelten, dass dies funktioniere. "Wir haben ja auch noch anderes zu tun", hörte man zwischen den Reihen.

Zum nächsten Webmontag will Peter Nebe nochmals anwesend sein und über die weiteren Schritte berichten. Der Webmontag ist ein Treffen für Menschen, die im oder mit dem Internet arbeiten oder sich dafür interessieren. Der Leipziger Webmontag findet am ersten Montag im Monat statt. Ab 1. März dient das Tapetenwerk in der Lützner Straße 91 als Treffpunkt. Dort befindet sich seit 1. Februar ein Coworking-Space, in dem sich Freiberufler für einen oder mehrere Tage einen Schreibtisch mieten und in der Gemeinschaft arbeiten können.

Daniel Große

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