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LVB werfen Tagesmutter aus Bus

Kein Platz für Krippenwagen LVB werfen Tagesmutter aus Bus

Bei den stadteigenen Verkehrsbetrieben reichen die Abstellflächen für Kinderwagen nicht aus; Mütter mit Kinderwagen müssen dann auf den nächsten Bus oder die nächste Straßenbahn warten. Manche müssen sogar aussteigen, obwohl sie einen Platz im Fahrzeug ergattert haben.

Leipzigs Verkehrsbetriebe können sich über steigende Fahrgastzahlen freuen. Doch die Busse und Bahnen des Unternehmens werden dadurch immer voller.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Susanne Noak ist seit sechs Jahren Tagesmutter und häufig mit einem Krippenwagen unterwegs. Bislang hatte sie auch immer Glück, wenn sie mit diesem Gefährt in einen Bus der LVB einsteigen wollte. „Wenn es wirklich voll ist und ich nicht reinpasse, dann warte ich eben auf den nächsten Bus“, erzählt die 36-jährige Gohliserin. Doch was sie in der vergangenen Woche erlebte, hat ihr doch zugesetzt. Gleich zweimal wurde die Tagesmutter mit ihren fünf Schützlingen im Krippenwagen aus einem Bus der Linie 90 verwiesen. „Und das, obwohl Platz war“, ärgert sich die Frau. Sie sei zuvor noch nie aus einem Bus „geschmissen“ worden.

Das erste Mal geschah dies am Montag vor einer Woche. An diesem Tag stand Susanne Noak gegen 15.30 Uhr an der Haltestelle am Eutritzsch-Center, als der LVB-Bus eintraf. „Es waren zwar schon drei Mütter mit Kinderwagen drin, aber ich habe noch mit reingepasst“, erzählt sie. Dennoch sei der Fahrer gekommen und habe sie aufgefordert, das Fahrzeug zu verlassen. „Er sagte, dass nur drei Kinderwagen zulässig seien“, so Susanne Noak. „Als ich ihm entgegnete, dass ich ausreichend Platz habe und deshalb im Bus bleibe, ging er in seine Fahrerkabine und schaltete den Motor aus.“ Alle Versuche der Tagesmutter, über die LVB-Hotline Hilfe zu organisieren, scheiterten. „Es war ständig besetzt“, erzählt sie. „Weil ich keinen endlosen Streit wollte, bin ich ausgestiegen und mit den Kindern in der Hitze 20 Minuten zu Fuß gegangen.“

Zwei Tage später – am vergangenen Mittwoch – wiederholte sich der Vorgang. „Es war derselbe Fahrer im Bus und diesmal waren nur zwei Kinderwagen im Fahrzeug“, so die Tagesmutter. „Da wollte er mich wieder rausschmeißen – jetzt waren angeblich nur zwei Kinderwagen im Bus zulässig.“ Diesmal klappte der Telefon-Kontakt mit der LVB-Hotline, doch der Gohliserin wurde dort nur mitgeteilt, dass der Fahrer selber entscheiden könne, wen er mitnimmt und wen nicht. „Dann kam aber relativ schnell ein Fahrzeug der LVB-Verkehrsüberwachung vorbei“, schildert sie. Doch es sei nur diskutiert worden. „Als dann der nächste LVB-Bus in die Haltestelle einfuhr, bin ich mit meinem Krippenwagen und den Kindern einfach zu dem gegangen. Da saß eine Frau am Steuer und ich fragte sie, ob sie uns mitnimmt. Die Frau hatte keine Probleme damit. ,Wenn der Wagen noch reinpasst, dann passt er rein‘, hat sie gesagt.“

Susanne Noak kann die beiden Erlebnisse auch Tage später noch nicht fassen. „Ich bin echt total entsetzt“, sagt sie. „Die LVB machen alles teurer und nehmen mich nicht mit, obwohl Platz war. Ich verstehe das nicht.“ Die Verkehrsbetriebe räumten am Dienstag ein, dass sich ihr Fahrer falsch verhalten habe. „Dafür möchten wir uns entschuldigen“, betont Unternehmenssprecher Marc Backhaus. „Unsere Fahrer werden regelmäßig mehrfach im Jahr geschult – gerade mit dem Fokus auf mobilitätseingeschränkte und besonders hilfsbedürftige Fahrgastgruppen wie zum Beispiel Tagesmütter mit Mehrplatzkinderwagen.“ Es gebe auch keine generelle Vorgabe, wie viele Kinderwagen mitgenommen werden dürfen. „Nur bei überfüllten Fahrzeugen kann es bei einzelnen Fahrten vorkommen, dass dieser Platz nicht ausreicht. Hier sind unsere Mitarbeiter angehalten, im Sinne des Kunden auf die nächste Fahrt zu verweisen.“ Dies könne auch der Fall sein, wenn Wege im Fahrzeug freigehalten werden müssen.

Aus Sicht der LVB ist die Mitnahme von Rollstühlen, Kinderwagen oder Rollatoren kein generelles Problem. Es gebe ausreichend Multifunktionsflächen, heißt es. Und mit dem aktuellen Fahrzeugneubeschaffungsprozess würde die Zahl der Abstellflächen weiter wachsen.

Von Andreas Tappert

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