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Lokales LVB wollen XL-Pannenbahnen vorerst nicht auf Linie 10 einsetzen
Leipzig Lokales LVB wollen XL-Pannenbahnen vorerst nicht auf Linie 10 einsetzen
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19:00 09.07.2018
Jüngster Höhepunkt der Pannenserie: Eine defekte XL-Straßenbahn der Linie 4 blockierte am Samstag die Kreuzung am Augustusplatz. Quelle: LVZ
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Leipzig

Dutzendfach blieben die neuen XL-Straßenbahnen in den vergangenen Monaten liegen, aber diese Panne am Wochenende war besonders öffentlichkeitswirksam. Eine defekte Tram der Linie 4 der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) blockierte am Samstagmittag die zentrale Kreuzung am Augustusplatz. 25 Minuten lang arbeiteten Techniker daran, die Störung an dem Fahrzeug zu beheben, bevor der Verkehr wieder rollen konnte.

Die neuen XL-Straßenbahnen machen den Leipziger Verkehrsbetrieben mal wieder zu schaffen. Heute Mittag blockierte eine Tram der Linie 4 den Augustusplatz.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Samstag, 7. Juli 2018

„Das technische Überwachungssystem im Fahrzeug 1009 reagierte auf der Gleiskreuzung auf den Ausfall eines Geschwindigkeitssensors“, erklärte LVB-Sprecher Marc Backhaus am Montag auf Anfrage von LVZ.de. Die Bahn konnte nicht mehr weiterfahren. „Leider verlief die Störungsbehebung vor Ort nicht komplikationslos“, räumte Backhaus ein. Derzeit werde das Fahrzeug vom polnischen Hersteller Solaris untersucht und die fehlerhafte Hardware ausgetauscht.

Pannen auf „gleichbleibendem Niveau“

Auch ein Jahr nach dem Start im Linienbetrieb im Juli 2017 werden die modernen XLs, mit denen die LVB bis 2020 ihre Tatras ersetzen wollen, weiter massiv durch streikende Technik ausgebremst. Alleine im ersten Quartal blieben mehr als 50 Bahnen im laufenden Betrieb wegen Defekten stehen – im Schnitt etwa jeden zweiten Tag (die LVZ berichtete). Als Gründe führten die Verkehrsbetriebe unter anderem Probleme mit der Antriebstechnik sowie den Klimaanlagen an. Trotz intensiver Suche nach den Ursachen hat sich die Pannenserie in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Die Ausfälle seien weiter auf „gleichbleibendem Niveau“, jedoch bei mehr Fahrzeugen, die im Netz unterwegs seien, wie Backhaus betont.

Bei den LVB hat man sich nun für eine Planänderung bei den von „Kinderkrankheiten“ geplagten High-Tech-Bahnen entschieden. Ursprünglich sollten die XLs, die extra für die Leipziger Bedürfnisse entwickelt worden waren, ab Sommer neben der Linie 4 auch auf der stark frequentierten Linie 10 zwischen Wahren und Lößnig eingesetzt werden. Davon sind die Verkehrsplaner nun abgerückt.

XL soll auf der Linie 3 fahren

„In den kommenden Monaten“ – genauer will sich bei den LVB niemand festlegen – würden die neuen Bahnen nun schrittweise auch auf der Linie 3 zwischen Taucha und Knautkleeberg eingesetzt. Backhaus begründet den Schritt damit, dass beide Linien im Betriebshof an der Angerbrücke stationiert seien und dort die „Werkstattkompetenzen“ – sprich die Fehlerbehebung bei Ausfällen – gebündelt werden könnten. Die 10 hat ihre Basis in Dölitz-Dösen, was bei Pannen zusätzlichen logistischen Aufwand bedeuten würde. Dass die Entscheidung für die Linie 3 aufgrund der niedrigeren Fahrgastauslastung und der damit geringeren Folgen bei Störungen fiel, dementieren die LVB. Auf der Linie 3 sei der Bedarf nach Kapazitäten „extrem gestiegen“, weshalb hier auf die neuen, größeren Bahnen zurückgegriffen werde, erläutert der Unternehmenssprecher.

Am 18. Juni wurde eine XL-Bahn bei einem Unfall auf der Georg-Schumann-Straße stark beschädigt. Das Fahrzeug befindet sich nach wie vor in der Werkstatt. Quelle: André Kempner

Derzeit befinden sich zwölf der jeweils drei Millionen Euro teuren XL-Fahrzeuge in Leipzig. Die 13. Bahn erwarten die LVB in dieser Woche. Im Linienbetrieb sind allerdings nur acht Fahrzeuge unterwegs. Zwei XLs befinden sich nach Unfällen in der Werkstatt – so wie auch die Pannenbahn vom Samstag. Je eine weitere Bahn wird von der Fahrschule genutzt sowie für den Linienbetrieb vorbereitet.

LVB denken nicht über Bestellstopp nach

Regressforderungen oder einen Bestellstopp ziehen die LVB bisher – zumindest offiziell – nicht in Erwägung. „Es gibt derzeit keinen Grund von der ursprünglichen Beschaffung abzurücken“, weist Backhaus entsprechende Forderungen auch aus der Stadtpolitik zurück. Die Leipziger CDU-Fraktion hatte im Mai die „ordnungsgemäße Verwendung der städtischen Investitionsmittel“ wegen der Pannenserie in Frage gestellt. Insgesamt 23 Fahrzeuge wurden laut LVB bisher bestellt. Die restlichen zehn sollen noch in diesem Jahr geliefert werden. Danach gibt es zwei Optionen von jeweils neun Fahrzeugen, welche die LVB auch ziehen wollen.

Wir haben kein Vertrauen mehr in die LVB! Die CDU-Fraktion Leipzig stellt die ordnungsgemäße Verwendung der städtischen...

Gepostet von CDU Leipzig - Die Leipziger Union am Freitag, 4. Mai 2018

Backhaus betont: „Wir setzen weiterhin auf den Hersteller und seine Dienstleister, um die technischen Probleme final zu lösen.“ Dabei seien zuletzt bereits deutliche Fortschritte erzielt worden. Vor allem Verbesserungen an der Einstellung der klimatisierten Temperierungsanlage seien präsentiert worden. „Kundenhinweise, dass es teilweise und subjektiv zu kalt in den Fahrzeugen ist, zeigen den weiteren Bedarf der Feineinstellungen der Klimatechnik“, so der LVB-Sprecher. Daran werde ebenso wie an den teilweise defekten Leuchtstreifen an den Türen „mit Hochdruck“ gearbeitet.

Von Robert Nößler

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