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LVZ-Straßenbahnserie: Auf Schillers Fersen in Gohlis, kinderfreundliches Stötteritz

„In der Spur“ LVZ-Straßenbahnserie: Auf Schillers Fersen in Gohlis, kinderfreundliches Stötteritz

Mit der LVZ-Serie „In der Spur“ zeigen wir Leipzig von einer speziellen Seite. Wir erkunden die Stadt mit der Straßenbahn. Wer lebt entlang der Strecken, in den Kiezen, wie ist das Lebensgefühl dort? Diesmal: die Linie 4.

Durch die Waldstraße, das Herzstück des gleichnamigen Viertels: Die Linie 4 auf ihrem Weg nach Stötteritz.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eine runde Wiese, nur von einigen Bäumen bepflanzt. Gegenüber ein aus rotem Backstein errichteter Gebäudekomplex, umrahmt von einer mannshohen Mauer aus Stein und Metall. Schilder mit der Aufschrift: „Militärischer Sicherheitsbereich. Unbefugtes Betreten verboten. Vorsicht Schusswaffengebrauch.“ Die General-Olbricht-Kaserne, mittlerweile der einzige Bundeswehrstandort in Leipzig, prägt das Areal an der Haltestelle Gohlis, Landsberger Straße. „Das stört aber nicht“, meint Anwohnerin Barbara Eckardt-Opitz (76) im Vorbeigehen. „Es ist eine schöne und ruhige Gegend.“

Von ihrem nördlichen Start- und Endpunkt aus fährt die Linie 4 das Kasernengelände entlang bis zur Station „Beyerleinstraße“, wo Manfred Staffe (78) mit seinem Hund Gassi geht. Einem siebenjährigen Havaneser namens Timmi. Vor vier Wochen ist Staffe aus Schkeuditz zugezogen, nicht zuletzt um die Kinder öfter zu sehen. „Ich fühle mich sehr wohl. Nur das viele Geschmiere an den Häusern stört mich ein wenig.“ Die Bahn nutzt er für Fahrten in die Innenstadt, weil dort das Parken immer so schwierig sei.

Dass es sich im dreigeteilten Gohlis gut leben lässt, kann Renate Zimmermann bestätigen. Sie wohnt schon ihr gesamtes Leben hier, will sich ein anderes Zuhause gar nicht vorstellen. „Früher hat man immer gesagt: Wem’s zu wohl ist, der zieht nach Gohlis.“ Die 66-Jährige findet an den zahlreichen Grünflächen Gefallen. „Und, dass es so viele Spielplätze in der Nähe gibt.“ Die sucht sie häufig mit ihrem Enkel Patrice auf, der neben ihr steht. „Es ist schön, die Ferien bei Oma zu verbringen“, sagt der baldige Zweitklässler mit einem breiten Grinsen.

Mit der Bahn geht es weiter durch die Landsberger Straße in Richtung Süden. Vorbei am Wochenmarkt vor dem Gohlis-Park und dem Blumenpavillon der Familie Eick. Am Fenster der Textilreinigung Seidel an der Ecke Matthissonstraße prangt der Schriftzug: „20 Jahre Waschsalon.“ Der ist inzwischen überaltert, erläutert Inhaberin Angelika Seidel (61). „Unsere Wäscherei, die sich einige hundert Meter weiter nördlich befindet, besteht schon seit 1992.“ Die Textilreinigung sei 2009 als Außenstelle hinzugekommen. Das Geschäft laufe gut. Die Kunden seien treu.

Am Coppiplatz biegt die Linie 4 nach rechts in die Lindenthaler Straße ein, schlängelt sich wenig später durch die teilweise engen Straßen in Gohlis-Süd. Die Durchsage für die Haltestelle „Menckestraße“ verrät die geringe Entfernung zum Schillerhaus. Dem ehemals bäuerlichen Gebäude, in dem der große Dichter im Sommer 1785 unter anderem die erste Fassung des Gedichts „An die Freude“ fertigstellte. In üppiges Grün taucht der Blick nach der Überfahrt über die Parthe. Die Waldstraße macht ihrem Namen augenscheinlich alle Ehre.

Im gleichnamigen Viertel angekommen, lobt Sebastian Gleichmann (40) die zentrale Lage des Wohngebiets, noch dazu mitten im Grünen. „Außerdem ist die Bebauung sehr kompakt. Es ist hier wie eine kleine Stadt in der Stadt.“ Gerade Familien mit Kindern fühlen sich in dem Gründerzeit-Quartier heimisch.

Aus Emmrich’s Gemüse & Obst Shop neben der Waldstraße 58 kommt Gerd Priepke mit vollgepacktem Rucksack. Er kauft gezielt bei kleinen Geschäften ein, „um sie zu unterstützen“, sagt er. Ladeninhaber Maik Emmrich (54) hat viele Kunden wie Priepke. Stammkunden eben, die regelmäßig bei ihm einkaufen: „Aus Gohlis, Lindenau, Leutzsch – eigentlich von überall.“ Feilgeboten werden frische Waren mit Hauptaugenmerk auf Obst und Gemüse. Über das Waldstraßenviertel, in dem er aufgewachsen und noch immer ansässig ist, berichtet Emmrich nur Gutes. „Allein die Parkplatzsituation bereitet mir Kopfschmerzen.“

Nach dem Zentrum führt die Dresdner Straße die „4“ ins Grenzgebiet zwischen Neustadt-Neuschönefeld und Reudnitz-Thonberg. „Die Gegend ist toll. Seit 1972 ist das mein Zuhause“, schildert Anna-Margarete Bieritz (82). Sie engagiert sich im evangelischen Kindergarten St. Nikolai, liest dort ab und zu den Kindern vor. Auch zum Tanzen hat sie oft Gelegenheit, jubelt die rüstige Pensionärin.

In der Feinbäckerei Kronberg nahe der belebten Station „Reudnitz, Koehlerstraße“ hält Jacqueline Esemann (35) die Stellung. Es ist Mittag und darum nicht viel los in dem privaten Bäckerladen, der Anfang 2012 eröffnet hat. „Die meisten Kunden kommen am Morgen und späten Nachmittag“, erzählt die Angestellte. Sehr beliebt seien Dinkelbrötchen und Emmer-Urkorn-Brot. Alles werde in der Nacht frisch zubereitet – „per Hand in unserer Backstube in der Zittauer Straße“, erklärt Esemann.

Über die Riebeckstraße gelangt die Bahn nach Stötteritz, Leipzigs höchstgelegenen Stadtteil, im Volksmund „Strietz“ genannt. Obwohl viele kleine, hübsche Läden kaputt gemacht worden seien, wie eine Anwohnerin kritisiert, findet sich doch eine beachtliche Reihe privater Geschäfte – zum Beispiel in der Arnoldstraße, wo Diana Wolf einen Kinderwagen schiebt. Sie hält den Stadtteil für sehr kinderfreundlich – dank zahlreicher Grünflächen, Spielplätze und der Schwimmhalle Südost. „Außerdem sind die Mieten erschwinglich. Das ist ein großes Plus“, unterstreicht die 33-jährige Biologin. Was sie schade findet? Dass es kaum etwas gebe, wo man abends hingehen kann. Oder zum Mittagessen. „Gas-tronomie fehlt leider völlig.“

Die Holzhäuser Straße, der letzte Abschnitt der Linie 4, entpuppt sich als große Baustelle. Vom Rathaus Stötteritz bis zur Endstelle legen Bauarbeiter Hand an, erneuern Gleise und Fahrbahn. An den Haltepunkten haben Wartende deshalb nur wenig Platz. Die Wendeschleife versteckt sich hinter dem Stötteritzpark-Gebäude. Dahin will das ältere Ehepaar, das bis hierin mitgefahren ist, aber nicht. „Wir haben hier hinten unseren Garten“, sagt die Frau. Unterdessen hat die Bahn bereits wieder gedreht und ist startklar für die Fahrt zurück nach Gohlis.

Die Fahrerin in der 4

Carolin Engel steuert die Linie 4 von Gohlis nach Stötteritz

Carolin Engel steuert die Linie 4 von Gohlis nach Stötteritz.

Quelle: André Kempner

„Wenn meine Fahrgäste glücklich sind, bin ich es auch“, sagt Carolin Engel (25) und strahlt dabei so, dass man ihr das glauben muss. Dabei sitzt die gelernte Restaurant-Fachfrau erst seit 2013 in der Straßenbahn. „Weil ich ohne Auslandserfahrung partout keine Stelle in einem Leipziger Lokal finden konnte, wurde ich zum Quereinsteiger“, sagt sie ohne Groll. „Mein Traum war ohne- hin Stewardess.“ Nun rollt sie also durch die Stadt, besonders gern durch Gohlis, „weil ich dort aufgewachsen bin“, und auf der Linie 16. „Seit vorigem Jahr bin ich auch Fahrtrainer, gehöre zum Streckenteam. Das sind jene, die mit geschultem Blick Gleise und das Drumherum begutachten.“ Übrigens: Einen Stamm-Fahrgast hat sie auch: „Meine Mutti!“

Die Floristin an der 4

Thu Hiêń vor ihrem Blumenladen in Gohlis-Mitte

Thu Hiêń vor ihrem Blumenladen in Gohlis-Mitte.

Quelle: Matthias Klöppel

Betörender Duft durchzieht den Raum: In ihrem gleichnamigen Blumengeschäft direkt an der Haltestelle „Coppiplatz“ in Gohlis-Mitte bietet Thu Hiêń (47) alles zum Thema Flora an. Ob zur Hochzeit, Geburtstagsfeier, als Tischdekoration oder zur Trauer – „bei mir gibt es florale Arrangements für jede Gelegenheit“, verspricht die Mutter zweier Töchter. Sie liebe Blumen über alles. Den Geruch, ihren Anblick. Ihren Laden hat sie seit 2003. Am Anfang sei es schwer gewesen, mit den Kosten über Wasser zu bleiben. „Aber jetzt geht es.“ Unter ihren Kunden sind viele Wiederholungstäter, Leute, die regelmäßig bei ihr vorbeikommen. „99 Prozent sind nett, nur ein Prozent nicht“, erzählt Thu Hiêń.

Die Eisdiele an der 4

Eugen Hendrich vor seinem Softeisladen im Waldstraßenviertel

Eugen Hendrich vor seinem Softeisladen im Waldstraßenviertel.

Quelle: André Kempner

Softeis in 34 Varianten sind das Markenzeichen von Eugen Hendrich (55), der seit dem Jahr 2006 in der Waldstraße 38 seinen eigenen kleinen Softeisladen betreibt. Zu erkennen an der roten Marquise. In der Hochzeit am späten Nachmittag, wenn die Leute Feierabend machen, ist es häufig proppevoll. „Bei gutem Wetter geht die Schlange bis um die Ecke“, erzählt der Inhaber. Vor allem Familien mit Kindern verlangt es nach der kalten Köstlichkeit. Fruchtsorten wie Mango und Melone kämen besonders gut an. Wenn es kühler ist, auch Nougat und Haselnuss. Das Angebot wechselt täglich. Wer seine Lieblingssorte nicht verpassen möchte, kann sich per App oder SMS „alarmieren“ lassen.

Die Therapeutin an der 4

Hundephysiotherapeutin Heike Amthor in ihrem Laden in Stötteritz

Hundephysiotherapeutin Heike Amthor in ihrem Laden in Stötteritz.

Quelle: André Kempner

In der Arnoldstraße 22 in Stötteritz, gegenüber vom Weißeplatz, behandelt Heike Amthor (51) Hunde, die an Arthrose leiden oder Probleme mit ihren Gelenken haben. Sie bietet Krankengymnastik, Massagen, Laser-Akupressur und manuelle Lymphdrainagen an, vertraut dabei viel auf spielerische Elemente. Eine Behandlung dauert zwischen 30 und 45 Minuten. „Ich bin von Haus aus Physiotherapeutin. Daraus ziehe ich wertvolle Erfahrungen.“ Um Hilfe gebeten wird Amthor sowohl von wohlsituierten Personen als auch von Leuten mit geringen finanziellen Mitteln. „Hundeliebe kennt kein Geld“, so die Hundephysiotherapeutin, die in ihrer Praxis auch Wellness für Menschen offeriert.

Von Matthias Klöppel

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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