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Landen Urnen im Müll? Leipziger Friedhöfe äußern sich zum Verdacht von Bürgern

Landen Urnen im Müll? Leipziger Friedhöfe äußern sich zum Verdacht von Bürgern

Schlimmer Verdacht auf Leipzigs Friedhöfen: Werfen die Verwalter der Ruhestätten Urnen nach Ablauf der Liegezeit einfach in den Abfall? Lisa Ney aus Böhlitz-Ehrenberg befürchtet dies, nachdem sie beobachtete, wie an der Grabstelle ihrer Mutter die ausgebuddelten Urnen in Mülltüten gestopft wurden.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. Auch andere Leipziger verlangten Aufklärung. Auf LVZ-Anfrage sagen die Friedhofsbetreiber, was konkret mit alten Gräbern geschieht.

"Es schlug mir schwer auf den Magen, als ich auf dem Gohliser Friedhof zufällig mit ansehen musste, wie an der Stelle, wo vor 25 Jahren meine Mutter bestattet wurde, das Erdreich ausgebaggert wurde", schildert Lisa Ney. "Es krachte und klirrte und ich dachte, jetzt werden die Schmuckurnen zertrümmert. Dann wurden die Urnen von den Arbeitern in Mülltüten versenkt."

Das Areal in Gohlis gehört wie die Grabstellen in Plagwitz, Thekla, Lindenau, Großzschocher und Leutzsch zu den sechs kirchlichen Friedhöfen, die vom Evangelisch-Lutherischen Friedhofsverband Leipzig verwaltet werden. Um die meisten der rund 40 kirchlichen Friedhöfe in der Stadt kümmern sich die jeweiligen Kirchgemeinden. "In diesem konkreten Fall handelte es sich nicht um die Beräumung einer Grabstelle, sondern dort wurde eine neue Grababteilung gestaltet", erklärt Stefan Moosdorf, Geschäftsführer des Friedhofsverbandes. "Auf einer Wiese sind neue Grabreihen und zwei kleine Pflanzrondelle entstanden. Bei Aushub der Rondelle hat der Mitarbeiter zwei Urnen gefunden und zunächst geborgen. Die Urnen wurden später dort wieder eingelassen."

Grundsätzlich sei es so, dass nach Ablauf der in Sachsen geltenden Ruhezeit von 20 Jahren Angehörige angeschrieben werden. Bei Wahlgräbern kann verlängert werden, bei Reihengräbern nicht. Alte Urnen tauchen nach Ablauf der Liegezeit meistens erst wieder auf, wenn an der Stelle eine neue Bestattung ansteht. "Meist werden zunächst nur Grabstein und Bepflanzung beräumt", so Moosdorf. "Wenn in der Erde alte Urnen zum Vorschein kommen, werden sie an der Grabstelle tiefer beigesetzt, danach kommt Erde drauf und die Stelle steht für neue Gräber zur Verfügung. Weggeworfen werden die bei uns nicht, sie verlassen den Friedhof auf keinen Fall."

Ähnlich ist die Verfahrensweise auf den sieben städtischen Friedhöfen in Leipzig mit einer Gesamtfläche von 121 Hektar. Reihengräber werden demnach nach Ablauf der Liegezeit eingeebnet. "Die Aschereste alter Urnen mit verrottbarem Material werden, wenn sie aufgefunden werden, in der Grabstätte tiefer bestattet, analog der Verfahrensweise bei Erdbestattung und Gebeinfunden", so das zuständige Amt für Stadtgrün und Gewässer auf Anfrage. "Aschereste alter Urnen aus nicht verrottbaren Materialien werden bei Auffinden in eine Sammelgrabstätte des betreffenden Friedhofes gegeben."

Im Gegensatz dazu können Wahl- und Familiengräber unabhängig von den Ruhefristen verlängert werden. "Das kann innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Ablauf beantragt werden", so das Amt für Stadtgrün. "Vor Ablauf der Nutzungszeit kommt dazu ein Informationsschreiben der Friedhofsverwaltung."

Aber es gibt Ausnahmen: Grabstätten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft haben ewiges Ruherecht. Historische Grabstätten stehen unter Denkmalschutz. "Wobei es sich hier um den Schutz der Grabmalkunst und des Bauwerkes und im Regelfall nicht um die bestatteten Personen handelt", so die Behörde. Auch Grabstätten von Ehrenbürgern der Stadt Leipzig werden dauerhaft erhalten.

Laut Bestattungsgesetz dürfte es bald gar keine Urnen-Funde mehr geben. Denn eigentlich sollten die Behältnisse grundsätzlich aus verrottbarem Material bestehen, erklärt Stefan Moosdorf. "Aber ob alle Urnen tatsächlich diesem Standard entsprechen, ist eher fraglich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013

Frank Döring

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