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Landgericht Leipzig verurteilt Vietnamesen zu sechs Jahren Haft

Urteil wegen Totschlags Landgericht Leipzig verurteilt Vietnamesen zu sechs Jahren Haft

Der Vietnamese, der im vergangenen September seine Frau nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung in der Georg-Schuhmann-Straße erstochen hatte, muss wegen Totschlags für sechs Jahre in Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes lebenslänglich gefordert.

Zu sechs Jahren Haft wegen Totschlags ist am Freitag ein Vietnamese vor dem Landgericht Leipzig verurteilt worden.

Quelle: dpa

Leipzig. Sechs Jahre Haft wegen Totschlags – mit diesem Urteil ist am Freitag vor dem Leipziger Landgericht der Prozess gegen Van Thang T. zu Ende gegangen.

Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Hans Jagenlauf folgte damit in weiten Teilen der Forderung von Verteidiger Malte Heise. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Vietnamese im September 2015 seine 34-jährige Frau in der gemeinsamen Wohnung in der Georg-Schumann-Straße nach einem Streit erstochen hatte, konnten allerdings bei der Tat keine Mordmerkmale feststellen. Staatsanwalt Martin Oette hatte in seinem Plädoyer noch lebenslange Haft für den 39-Jährigen gefordert.

Eskalation mit Vorgeschichte

„Die Verhandlung hat gezeigt, dass eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personen nicht immer nur in Schwarz und Weiß gesehen werden kann“, führte Jagenlauf in seiner Begründung aus. Die Aussagen der Familie des Opfers etwa, die T. als spielsüchtig, gewalttätig und faul charakterisiert hatten, hätten allesamt nicht erhärtet werden können. „Sie waren zum Teil von deutlichem Belastungseifer geprägt“, betonte der Vorsitzende. Bereits vor der Eheschließung in Vietnam habe die Familie des Opfers T. als künftigen Ehemann abgelehnt.

Letztlich habe besonders die turbulente Beziehungsgeschichte des Paares ihren Teil zur Eskalation am Tatabend beigetragen. So habe das spätere Opfer eindeutig die dominantere Rolle in der Beziehung eingenommen, sei beruflich erfolgreicher gewesen und habe wohl auch Beziehungen mit wechselnden Sexualpartnern gepflegt, sagte der Vorsitzende Richter. Bei der rechtsmedizinischen Untersuchung waren Spermaspuren von drei unterschiedlichen Männern nachgewiesen worden.

Tötung im Affekt

Während des Streits am Tatabend hatte das Opfer T. zunächst mit der Trennung gedroht, worauf er sie aufforderte, ihn mit dem herbeigeholten Messer selbst zu töten. In diesem Moment habe das Opfer noch deeskalierend einwirken können, argumentierte Jagenlauf. Dass seine Frau ihn stattdessen als „Hund“ beleidigt und angedeutet habe, sich zu prostituieren, habe den ohnehin bereits zermürbten Angeklagten schließlich vollends aus der Bahn geworfen. „Er war in Deutschland isoliert, seine Frau stellte ihn in Frage und er musste mit dem Verlust seiner Familie rechnen“, führte der Vorsitzende aus.

Die Provokationen und die laut einem Gutachter „schlichte Persönlichkeit“ des Angeklagten, dem ohnehin nur ein beschränktes Repertoire an Selbsthilfemöglichkeiten zur Verfügung gestanden habe, führten nach Ansicht der Kammer letztlich zu einer Affekthandlung. Die Mordmerkmale der Heimtücke und niedere Beweggründe, die die Staatsanwaltschaft im Plädoyer angeführt hatte, sah sie nicht erfüllt. Da T. über keine Vorstrafen verfüge, sich überdies geständig und reuig gezeigt habe, sei die Strafe, wie sie die Verteidigung gefordert hatte, tat- und schuldangemessen.

Positive Zukunft für die Kinder?

T. nahm das Urteil sichtlich emotional entgegen. Insbesondere als die Sprache auf seine beiden Kinder kam, die die Tat mit ansehen mussten, konnte er die Tränen nicht unterdrücken. Um diese ging es dem Vorsitzenden Richter Jagenlauf dann auch in seinem Schlusswort. „Sie haben ihre Frau getötet, ihre Familie zerstört und werden von ihren Kindern wohl nur noch Ablehnung zu erwarten haben“, sagte er in Richtung Anklagebank. „Ich kann nur hoffen, dass die Kinder ihre Zukunft trotzdem positiv gestalten können.“

Von Bastian Fischer

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