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Lokales Lange Lene in Leipzig feiert 50. Geburtstag
Leipzig Lokales Lange Lene in Leipzig feiert 50. Geburtstag
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20:21 14.09.2018
335 Meter lang ist der 50 Jahre alte Wohnblock in der Lene-Voigt-Straße 2-8. Das zehngeschossige Mittelganghaus wird durch vier Treppenhaus-Türme gegliedert, die zugleich die Hauseingänge bilden. Quelle: Foto: Volkmar Heinz
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Leipzig

Der Streit darum, welches das längste Wohnhaus in Deutschland ist, trieb schon manche Blüte. Mal behaupteten die Dresdner, ihre Plattenbauzeile an der Prager Straße liege vorne – dabei misst diese nur 240 Meter. Andere Kolosse wie am Wilhelmsruher Damm in Berlin oder in Prora an der Ostsee bringen es zwar auf deutlich mehr Meter, lassen sich aber nicht von vorne bis hinten durchschreiten.

Im September 1968 wurde am Stadtrand von Leipzig ein riesiges Wohnhaus fertiggestellt. 335 Meter lang, umfasste es knapp 800 Wohnungen und nahm damit seinerzeit jeden dritte Einwohner des Stadtteils Probstheida auf. 50 Jahre ist das nun her. Hier folgen einige Fotos aus der Geschichte des imposanten Bauwerks.

Fußweg durch eine Etage dauert fast fünf Minuten

Hingegen ist so ein Spaziergang durch eines der zehn Geschosse in der Leipziger Lene-Voigt-Straße 2-8 jederzeit möglich, wenn man etwas Puste hat. Auf stolze 335 Meter kommt das Gebäude in Probstheida, das diese Woche seinen 50. Geburtstag begeht. Bis zur Komplettsanierung in den Jahren von 1998 bis 2000 hatten die Mieter noch einen freien Blick durch den gesamten Gang. Vor langer Zeit sollen dort sogar mal Ungarn mit Motorrädern durchgebraust sein, wird als Anekdote gern erzählt. Doch seit der 45 Millionen D-Mark kostenden Sanierung erschweren Brandschutztüren neben den vier Treppenaufgängen solche Endlos-Blicke.

Denkmalschutz hatte nur 160 Balkone erlaubt

Immerhin bekam die Lange Lene – wie das Haus von allen Einheimischen wegen der Adresse genannt wird – damals auch 160 Balkone. Mehr konnte der Eigentümer, die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB), dem Denkmalschutz damals nicht abringen für die insgesamt 795 Wohnungen. Die LWB spricht bei dem 1999 unter Denkmalschutz gestellten Objekt übrigens offiziell vom „längsten Mittelganghaus Deutschlands“. Dies bedeutet, dass sich an beiden Seiten eines Mittelganges die Eingänge zu den Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen befinden.

19 Monate Bauzeit für fast 800 Wohnungen

Nur 19 Monate hatte die Montage der riesigen Platten einst gedauert. Damit bekam die Siedlung Neuheida eine alles überragende Kante nach Westen, der Entwurf stammte vom Architektenkollektiv um Erich Böhme. Im September 1968 stellte das Baukombinat Leipzig den Riesen fertig, der damals ein Drittel der Einwohnerschaft von Probstheida aufnahm.

Kaltmiete derzeit bei 5,24 Euro pro Quadratmeter

Das Haus mit vielen Fahrstühlen, Kita und Konsum vor der Tür, Restaurant und Friseur im Erdgeschoss, Waschmaschinen im Keller sowie Parkett, Fernwärme und Duschen in den Wohnungen versprach damals noch ungewöhnlichen Luxus. Ein Platz dort war sehr begehrt, weiß LWB-Sprecherin Samira Sachse. „Heute leben hier über 1300 Menschen. Die Kaltmiete beträgt im Schnitt 5,24 Euro pro Quadratmeter, der Leerstand 5,9 Prozent.“

Darunter seien junge Familien, die sich zum Beispiel über den Bolzplatz, eine Langbahnen-Golfanlage oder die Tischtennisplatten auf dem Gelände freuen.

Mehrheit der Mieter sind Senioren

Über die Hälfte der Mieter seien aber im Rentenalter. Viele schätzten es sehr, dass der Verein Alter, Leben & Gesundheit (ALeG) dort einen umfangreichen Seniorenservice anbietet – vom Mittagessen bis zum Fensterputzen. „Und dass sich bei den unterschiedlichsten Aktivitäten, des Vereins in der Langen Lene niemand einsam fühlen muss“, so Sachse.

Trotz Protesten: Die Schließung des kleinen Supermarktes neben der Langen Lene im Jahr 2016 konnten die Bewohner nicht verhindern. Quelle: André Kempner

Jede Menge Angebote gegen Einsamkeit im Alter

„Seniorensport, Gedächtnistraining, Musikveranstaltungen – bei uns ist jeden Tag was los“, bestätigt ALeG-Mitarbeiterin Jutta Seydel. Die wahre Größe des Hauses stecke in den guten Kontakten und gegenseitiger Hilfe zwischen den Bewohnern, findet sie. „Wir versuchen, auch in Zusammenarbeit mit Pflegediensten, dass hier jeder bis ins hohe Alter wohnen bleiben kann und sich wohl fühlt. Wer möchte, kann natürlich auch seine Ruhe haben. Aber die meisten lieben den Kontakt, die Geselligkeit untereinander.“

Diese Woche Trödelmarkt und große Feier

Morgen von 13 bis 17 Uhr lädt der ALeG-Verein alle Interessenten zum Trödelmarkt auf die große Freifläche neben der Langen Lene ein. Für den Freitag hat die LWB ein gemütliches Treffen von Mietern der ersten Stunde organisiert und am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr sind alle Bewohner zum Geburtstagsfest geladen.

Von Jens Rometsch

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