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Laser, Laptops, Lachen – Leipzig bietet 15.000 Hackern ein Forum

Kongress des Chaos Computer Clubs Laser, Laptops, Lachen – Leipzig bietet 15.000 Hackern ein Forum

Es geht um Schwachstellen von Computertechnik und Internet-Anwendungen, um Lauschangriffe und Datenschutz: Seit Mittwoch tagt in Leipzig der Hackerkongress des Chaos Computer Clubs (CCC). Nach Angaben der Veranstalter haben sich rund 15 000 Teilnehmer angemeldet.

Leipzig als Zentrum der Hacker-Szene: Der Chaos Computer Club (CCC) hält seit Mittwoch auf der Neuen Messe in Leipzig seinen 34. Kongress ab.
 

Quelle: dpa

Leipzig.  Schon am Eingang ist nichts wie bei anderen Kongressen. „Hier ist jemand von der Presse, holt ihr ihn ab oder soll ich ihn bringen?“ Philipp bringt mich. Der Berliner ist einer von über 1000 Engeln, die beim Hackerkongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig aushelfen. Freiwillig und unentgeltlich. Dass der Astrophysiker wie andere Teilnehmer auch obendrein noch Eintritt zahlt (120 Euro für die vier Tage), ist für ihn Ehrensache. Angesichts der vielen Vorträge und des riesigen Programms zudem auch angemessen, sagt er und eilt wieder zum Eingang.

Falk Garbsch, einer der CCC-Sprecher, nimmt sich etwas Zeit für mich. Wir gehen durch die prall gefüllte Glashalle auf dem neuen Messegelände in Richtung Halle 2. Die ist abgedunkelt, über die Wände schwirren Laser, ansonsten sind überall Tische zusammengestellt, sitzen Leute an ihren Laptops, tauschen sich aus. Lachen. Wortfetzen sind zu hören. In Deutsch, Englisch, Französisch oder Russisch. „Der größte derartige Kongress in Europa. Wir erwarten 15 .000 Teilnehmer“, sagt Softwareentwickler Garbsch, der in Hannover wohnt und zur Arbeit nach Berlin pendelt. Vor allem die Panels und Workshops seien gefragt. Da gehe es wie immer um IT-Sicherheit, Gesellschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Geheimdienste, künstliche Intelligenz, digitale Bildung oder um Gefahren beim Mobile-Banking.

Die Dunkelheit lässt die Leute an den Tischen grau erscheinen. Einige sind auch so gekleidet, trinken zudem Club Mate. Aber das war‘s dann auch schon mit den Klischees. Rote, blaue, grüne T-Shirts sind zu sehen, Schlipsträger genauso wie Lederjacken, Blümchen-Blusen oder gestrickte Röcke. Hinter prall mit Technik gefüllten Tischen taucht eine Art Gokart-Bahn auf. Auf motorgetriebenen Sofas und Bierkästen drehen hier einige ihre Runden, erholen sich oder haben einfach nur Spaß. Daneben ein Spielplatz für die Kleinen. Mit Rutsche und Klettergerüst. Für Abwechslung ist ausreichend gesorgt.

Inmitten der Halle stößt der Leipziger Birk Schmithüsen eine rostige Installation an, die sich verhakt hat. Unmittelbar daneben dreht ein hundeähnlicher Roboter mit Gasmaske seine Runden. Es gibt Lichtobjekte, bewegliche Körper. An einem Kunstobjekt mit Stöpseln und Reglern, ähnlich einem Arbeitsplatz für Telefonisten oder Funker, kann man selber Musik komponieren oder zumindest etwas, das man dafür hält. „Einfach ausprobieren“, empfiehlt Schmithüsen, der wie andere Medienkünstler seine Werke ausstellt. Es gehe schließlich um Interaktion. Der Rest erkläre sich von selbst.

Ganz praktisch geht es wenige Schritte weiter bei Jan Felix Wiebe zu. Der 20-Jährige steckt eine Nachricht in einen Plastikbehälter, schaltet einen Staubsauger an und schickt die Info per Rohrpost ans andere Ende der Halle. Seidenstraße nennt er das Gewusel aus gelben Drainagerohren. Verschicken kann man alles, was in die Behälter passt – Getränke, Snacks, Sticker. Im nächsten Jahr soll das Rohrgeflecht um einiges länger und verzweigter sein.

Hacker vernetzen sich beim 34. Treffen des Chaos Computer Clubs. Dieses Jahr zum ersten Mal in Leipzig.

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Es ist das 34. Club-Treffen. Die letzten vier Male fanden in Hamburg statt, zuvor war man in Berlin. Doch die Hallen an der Alster werden saniert, außerdem war es in der Hansestadt zu eng geworden. Von 4000 auf 12 000 stieg in nur vier Jahren die Zahl der Teilnehmer. Leipzig werde zumindest für einige Zeit Heimat für den CCC sein, einem eingetragenen Verein, bestehend aus einer Vielzahl kleiner Vereine. Wie viele Mitglieder der Club hat, weiß Garbsch nicht. Wichtig ist das ohnehin nicht. Was zählt ist, dass man sich trifft, austauscht und macht. „Tu wat“ heißt folglich auch das Motto in diesem Jahr.

Technikfeindlich sei man keineswegs, sagt Garbsch. „Sofern Technik dem Menschen ein Helfer ist.“ Aber mehr denn je heißt es: wachsam sein. Auf dem Kongress gehe es deshalb um Vorratsdatenspeicherung. Um Gesichtserkennung bei Apple. Datenauswertung bei Facebook und Co. Und um Schwachstellen beim Laden von E-Mobilen. Um die Sicherheit an Stromladesäulen sei es nämlich nicht gut bestellt, weiß CCC-Mitglied Mathias Dalheimer. Vor Kongress-Teilnehmern demonstriert er, wie sich Ladekarten kopieren lassen, damit man auf fremde Kosten Strom tanken kann. Und mehr noch. An einer Säule löst er Schrauben und bringt einen USB-Stick an. Problemlos kann man so Daten aufspielen und Kundendaten ausspionieren. „Ladenetzbetreiber müssen ihren Kunden sichere Bezahlmöglichkeiten bieten“, fordert Dalheimer. Die Betreiber von Ladestationen habe er auf die Schwachstellen hingewiesen. Diese müssten jetzt handeln.

Netzaktivist Markus Beckedahl fordert in Leipzig eine bessere Kontrolle der künstlichen Intelligenz. Diese habe längst eine neue Dimension erreicht. So gebe es Durchbrüche im maschinellen Lernen oder neue Daten- und Analyse-Kapazitäten. Zugleich würden Algorithmen häufig in sensiblen Bereichen eingesetzt, etwa bei der Kreditvergabe oder im Gesundheitsbereich, erklärt der Gründer des Blogs Netzpolitik.org.

In den nächsten Tagen, sagt Softwarespezialist Garbsch, wollen die Hacker auf weitere Schwachstellen der digitalen Gesellschaft hinweisen.

Ich schaue beim Abschied wohl etwas zu lange auf mein Handy. „Sollte es jemand ausspionieren, dann sicher nicht wir“, lacht Garbsch. „Wir sind die Guten.“

Von Andreas Dunte

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