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Lokales Lasst Komplimente sprechen! Jugendliche machen in Leipzig Fremden eine Freude
Leipzig Lokales Lasst Komplimente sprechen! Jugendliche machen in Leipzig Fremden eine Freude
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23:59 25.01.2015
Melanie Gade (24): Eine tolle Aktion! Man macht im Alltag leider viel zu selten Komplimente. Aber ich habe mein letztes gerade erst bekommen: Mein Freund hat mir gesagt, dass ich sehr schön aussehe. Quelle: Wolfgang Zeyen

Aber am Samstagnachmittag ging es genau um das Gegenteil: 15 junge Menschen machten sich in der Leipziger Innenstadt daran, Fremden eine Freude zu machen.

Sie tragen blaue Schilder, die sie als "Komplimenteverteiler" ausweisen und haben Zettel mit Aufmerksamkeiten in der Hand. Ein Mädchen bekommt ein "Du siehst toll aus" für ihre pink-weiße Bommelmütze - und gibt das Kompliment sofort zurück. "Macht heute noch anderen Komplimente, tragt das weiter", ermuntert Kerstin Susanne Kohl die Passanten. Die 28-Jährige ist Mitinitiatorin des Komplimente-Tags, der in der Messestadt von den Kinder- und Jugendschutz-Projekten "Drahtseil" des Diakonischen Werkes Innere Mission und "Free your mind" des Deutschen Kinderschutzbundes, Ortsverband Leipzig, gestaltet wird.

Beide Projekte zur Lebenskompetenzförderung richten sich an Jugendliche. Sie haben die gleichen Ansätze, setzen sie jedoch unterschiedlich um. "Drahtseil" bietet seit 21 Jahren Beratung und Workshops für Schulen an, die in den eigenen Räumen stattfinden. Schwerpunktthemen sind Sucht, Gewalt und Medien. "Wir sind bis Ende des Schuljahres ausgebucht", sagt Kohl, eine der vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Die Herausforderung bestehe darin, die Themen sowohl an Erstklässler als auch an 27-Jährige zu vermitteln, an Grund- wie an Real-, Förderschüler oder Gymnasiasten. Ganz wichtig dabei: Es besteht Schweigepflicht und die Lehrer nehmen nicht an den Workshops teil. "Wir halten keine Vorträge, sondern richten uns immer nach dem Bedarf", erläutert Kohl.

"Free your mind" hat dieselben Ziele wie "Drahtseil"; nur, dass das Projekt Schüler zu sogenannten Schülermultiplikatoren ausbildet, damit sie an ihrer eigenen Schule pädagogisch arbeiten. "Sie sind Experten und wissen, was dort gut läuft und was nicht", sagt Projektleiterin Katrin Pieper. In der seit 1997 existierenden Initiative gibt es aktuell etwa 80 Multiplikatoren an elf Leipziger Schulen, die die vier Tage dauernde Ausbildung abgeschlossen haben. Bei der Arbeit unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Trainern, vor allem Lehramtsstudenten, die die Schulen regelmäßig besuchen.

Der Komplimente-Tag der beiden Jugendhilfe-Projekte ist eine Herausforderung für die 15 Teilnehmer: Sie müssen auf fremde Menschen zugehen, sie ansprechen und vor allem - auch mit Zurückweisungen umgehen. Die Idee hinter dieser Aktion stammt vom amerikanischen Compliment Day, der 1998 von zwei Amerikanerinnen initiiert wurde, um Bekannte und Freunde wissen zu lassen, dass man sie gern hat. "Das fanden wir sofort super", sagt Kohl.

Die Jugendlichen ziehen am Samstagnachmittag nach einer Stunde des Komplimente-Verteilens eine gemischte Bilanz. Drei Mädchen, die gemeinsam losgezogen sind, freuen sich über den Moment, als ihnen jemand für das Kompliment selbst gemachtes Gebäck geschenkt hat. Dafür hat ihnen eine Frau den Zettel zurückgegeben: "Da kriegst du dein Kompliment zurück, kannst du woanders weitergeben."

Doch die Mehrzahl der Beschenkten freut sich über die überraschende Aufmerksamkeit: der Punk mit grüner Irokesen-Frisur, der junge Mann, der dafür kurz vom Smartphone aufschaut, und der Ehemann, der für seine Frau ein Kompliment aussucht. Viele können gar nicht glauben, dass die Komplimente kostenlos sind. Eine weißhaarige Frau liest erst alle Liebenswürdigkeiten in Ruhe durch, bis sie sich entscheidet, und fragt zum Schluss: "Und Sie machen das aus Liebe zur Menschheit?"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.01.2015

Sofia Dreisbach

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