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Lokales Leben unterm Leipziger Doppel-M: Blick ins höchste DDR-Wohnhaus
Leipzig Lokales Leben unterm Leipziger Doppel-M: Blick ins höchste DDR-Wohnhaus
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Das Wintergartenhochhaus in Leipzig. (Archivfoto)   Quelle: dpa
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Leipzig

 Wenn in Leipzig zwei Buchstaben stillstehen, dann ist in der Zentrale der Wohnungsgesellschaft LWB Alarm. „Dann kriegen wir einen Haufen aufgeregte Anrufe: ’Das Doppel-M dreht sich nicht!’“, erzählt LWB-Geschäftsstellen-Leiterin Kathrin Welz.

Das „Doppel-M“ ist eine Leuchtreklame der Leipziger Messe, und sie dreht sich auf einem nicht minder bekannten Wahrzeichen der Stadt: dem Wintergartenhochhaus. Dieses Gebäude, einst höchstes Wohnhochhaus der DDR, haben die Leipziger ähnlich ins Herz geschlossen wie das „Doppel-M“ auf dem Dach. Mehr noch: Wohnen im Wintergartenhochhaus ist seit einigen Jahren wieder so begehrt wie früher.

 „Wenn Sie jetzt eine Wohnung im Wintergartenhochhaus haben wollten - dann müssten Sie erstmal warten, bis eine frei wird. Und dann hätten Sie noch fünf, sechs andere Interessenten vor sich“, sagt Welz. Die kommunale LWB führt Wartelisten für die Ein- bis Dreiraumwohnungen - und dass, obwohl das „WIGA“ mit seinen 94,5 Metern und 26 Wohnetagen ein regelrechter Wohnturm ist und optisch seine 60er/70er Jahre-Wurzeln nicht leugnen kann.

Was also macht das Leben im DDR-Hochhaus direkt neben dem Leipziger Hauptbahnhof wieder so attraktiv? Gisela Piontek bittet sofort auf ihren Balkon. Die 82-Jährige wohnt in der 24. Etage - und hat einen sensationellen Ausblick auf die Stadt. Von hier oben wirken Häuser und Straßen wie Miniaturen. „Es ist einfach ein sehr schönes Wohnen hier“, sagt Piontek. In den unteren Gewerbeetagen gebe es Ärzte, ein Verein kümmere sich um Unterstützung für die vielfach älteren Bewohner. Piontek wohnt seit 1992 im Hochhaus. Früher, also zu DDR-Zeiten, hätte sie sich das nicht träumen lassen, sagt die 82-Jährige.

„Als DDR-Bürger stand man immer so ein bisschen ehrfurchtsvoll davor - einmal so eine Wohnung sehen...“, sagt auch LWB-Mitarbeiterin Welz. Das Wintergartenhochhaus galt als Luxus und war „verdienten Bürgern“ vorbehalten, wie Welz sagt.

Der Entwurf des achteckigen Hochhauses geht auf Horst Siegel (82) zurück, der 1967/68 die „städtebaulich-architektonische Gestaltung“ markanter neuer Gebäude in Leipzigs Innenstadt verantwortete. Dazu zählten auch mehrere „Hochhausdominanten“ am Innenstadtring.

Während die rund 200 Wohnungen zu DDR-Zeiten ein für die meisten Bürger unerfüllbarer Traum blieben, ging es nach dem Mauerfall mit dem Hochhaus bergab. Die Nähe zum Hauptbahnhof - jahrelang ein Vorteil - verkehrte sich zu einem Nachteil: Drogen, Prostitution, Kriminalität kamen. „Es entwickelte sich so ein richtiges Bahnhofsmilieu“, sagt Welz. Dazu kam, dass die Bausubstanz bröckelte. „Die Schäden an der Fassade wurden immer größer. Da sind ganze Brocken runtergefallen. Das wurde langsam gefährlich“, erinnert sich Bauingenieurin Kerstin Klare, Abteilungsleiterin der LWB.

Dass das „WIGA“ dann 2004 saniert werden konnte, und zwar in rekordverdächtigen sechs Monaten, hängt mit Leipzigs Olympiaträumen zusammen. Die Stadt bewarb sich als Ausrichter für die Olympischen Spiele 2012. Das Hochhaus war Teil des Beherbergungskonzeptes. Plötzlich sei Geld dagewesen, erzählt Klare.

Für 12,5 Millionen Euro wurde das „MM-Haus“, wie es im Volksmund auch manchmal genannt wird, innen und außen saniert. Dabei redete der Denkmalschutz ein Wörtchen mit, denn das Bauwerk steht nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege seit 1994 unter Denkmalschutz.

Das Wintergartenhochhaus sei ein klassischer Bau der DDR-Moderne, sagt der emeritierte Kunsthistoriker Prof. Thomas Topfstedt. Nicht nur als höchstes Wohnhochhaus der DDR konnte es einen Superlativ für sich beanspruchen, sondern es sei auch wegen seiner sogenannten Gleitbauweise technisch interessant. Das betont auch LWB-Bauingenieurin Klare. Auch wenn es alle immer dächten: „Es ist kein Plattenbau!“

Von LVZ

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