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Lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld - Verteidigung will Revision

Lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld - Verteidigung will Revision

Leipzig. Mitja, Michelle und Corinna. Drei Morde an Kindern erschütterten in den vergangenen drei Jahren die Region Leipzig. Am Mittwoch nun, acht Monate nachdem die neunjährige Corinna aus Eilenburg Opfer eines Sexualverbrechens wurde, verurteilte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf am Landgericht Leipzig den Täter zu lebenslanger Haft.

Den Kopf zur Seite geneigt, mit starrem Gesichtsausdruck nahm der Angeklagte, Lutz-Peter S., das Urteil auf. Jagenlauf begründete, dass es keinerlei Zweifel an der Schuld des 39-Jährigen gäbe. Am 28. Juli vergangenen Jahres habe er Corinna mit der Absicht, sie zu vergewaltigen in seinen Garten gelockt und das Mädchen anschließend ermordet und sexuell missbraucht. "Der Täter war zwar alkoholisiert, aber dennoch in bester körperlicher und geistiger Verfassung, da er als typischer Gewohnheitstrinker einzustufen ist", sagte Jagenlauf. 16 erfolglose Entzugstherapien hatte S. bereits hinter sich.

Gleichzeitig stellte der Richter die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nach 15 Jahren nicht möglich. Die Verteidigung kündigte Revision gegen das Urteil an. Die besondere Schwere der Schuld ergebe sich "durch die vollkommen unverständliche Brutalität, die Sie dem Kind, als es bereits tot war, noch angetan haben", sagte Jagenlauf in Richtung des Täters und erinnerte daran, dass am ersten Verhandlungstag ein erfahrener Beamter der Mordkommission im Zeugenstand in Tränen ausbrach, als er die Bilder des verstümmelten Mädchens sah.

Auch im Nachgang habe S. eine außerordentliche Kaltblütigkeit an den Tag gelegt. Etwa als er die Leiche des Mädchens, in einen Müllsack verpackt, in einen Nebenarm der Mulde warf und sich anschließend in der Öffentlichkeit "vollkommen natürlich" verhielt. Es gäbe jedoch ebenfalls einige Punkte, die zu Gunsten des 39-Jährigen sprechen würden. So legte er ein Geständnis ab und entschuldigte sich bei der Familie des Mädchens. Er bereue zutiefst, hatte S. erst am Dienstag mit tränenerstickter Stimme gesagt. "Doch alles in allem überwiegen die negativen Gesichtspunkte", erklärte der Richter.

Die Anwältin von Corinnas Mutter, Ina Alexandra Tust, sagte, es sei eine Genugtuung für die Angehörigen, dass den Täter das höchstmögliche gesetzliche Strafmaß erwarte. Statistisch gesehen kommen auf Lutz-Peter S. nun 23 bis 25 Jahre Gefängnis zu. Eine erstmalige Prüfung, ob er vorzeitig aus der Haft entlassen wird, ist nach 18 Jahren möglich.

"Schade", fand Tust, dass die Gegenseite beabsichtigt in Revision zu gehen. "Wir hatten gehofft, dass das Verfahren heute zum Abschluss gebracht wird. Nun dauert es mindestens sechs Monate, bis das Urteil rechtskräftig ist." Stefan Costabel, der Verteidiger von S., erkennt bei seinem Mandanten keine besondere Schwere der Schuld. "Es war eine spontane Tat, er ist nicht latent gewalttätig. Deswegen gehen wir mit großer Wahrscheinlichkeit in Berufung." Der Antrag auf Revision muss dem Gericht innerhalb einer Woche vorgelegt werden.

Nicht zur Debatte stünde in einem möglichen Revisionsverfahren das Schmerzensgeld, das S. an Corinnas Mutter zahlen soll. Auf 50.000 Euro einigte man sich bereits in der Verhandlung am Dienstag. Unklar ist jedoch, wie S. diese Summe jemals begleichen soll. "Die Chancen, das Geld zu bekommen sind natürlich relativ gering", sagte Tust. Am Ende sei der Tod eines geliebten Menschen ohnehin nicht mit Geld aufzuwiegen.

Die Mutter blieb dem Prozess fern. Sie befindet sich momentan zwar nicht in professioneller psychologischer Betreuung, erhält aber Unterstützung aus ihrer Familie und dem näheren Umfeld. "Sicher wird sie sich irgendwann wieder in Behandlung begeben, aber jetzt wollen wir erstmal mit diesem Teil abschließen", so Tust.

Eine an die Haft anschließende Sicherheitsverwahrung des Täters schlossen sowohl Anklage als auch Verteidigung von vornherein aus. Jagenlauf bestätigte, dass dafür nicht die gesetzlichen Grundlagen erfüllt würden. S. ist zwar mehrfach vorbestraft, allerdings nicht einschlägig, also wegen besonders schwerwiegender Delikte. "Das psychiatrische Gutachten ergab außerdem keine pädophilen Neigungen", so der Vorsitzende Richter.

Johannes David

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