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Lokales Lebenslange Haftstrafen im Prozess um „Mord ohne Leiche“
Leipzig Lokales Lebenslange Haftstrafen im Prozess um „Mord ohne Leiche“
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15:26 12.01.2018
Am Landgericht Leipzig wurden die Angeklagten im Prozess um einen „Mord ohne Leiche“ verurteilt. Quelle: dpa
Leipzig

„Das war ein hinterlistiges Mordkomplott“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Anderthalb Jahre nach dem Auftakt des Prozesses um einen „Mord ohne Leiche“ sind am Freitag zwei Angeklagte vom Landgericht Leipzig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die dritte Angeklagte erhielt nach dem milderen Jugendstrafrecht neuneinhalb Jahre Haft.

Das Gericht sprach die drei Angeklagten des gemeinschaftlich begangenen heimtückischen Mordes aus Habgier an dem Dolmetscher Farhad S. (30) aus Afghanistan schuldig. Laut Urteil war der Mann am 27. November 2015 „nichtsahnend in Leipzig in die Falle getappt“. Unter Vorspiegelung einer intakten Beziehung zu der damals 16 Jahre alten Santa A., einer Syrerin, wurde er in eine Wohnung im Gerichtsweg gelockt, in der sie mit ihrer Mutter Entessar A. (40) lebte.

Mit Messerstichen getötet

Dort sei der Dolmetscher von dem Syrer Mohammad A. (23), dem neuen Freund der heute 18 -Jährigen, mit einer Vielzahl von Messerstichen „regelrecht abgeschlachtet“ worden, so der Richter weiter. Auch die beiden Frauen seien des Mordes schuldig, weil das Verbrechen „mit ihrem Wissen und Wollen“ geschehen sei. „Der Tathergang beruhte auf einer akribischen Tatplanung“, so der Vorsitzende Richter.

Die drei Syrer hätten sich in den Besitz des Vermögens von Farhad S. bringen wollen. Nach dem Vergraben der Leiche in der Nähe von Magdeburg hätten sie 10 000 Euro vom Konto des Dolmetschers abgeräumt, seinen Audi A 3 für 4000 Euro verkauft, zudem seinen BMW genutzt. Die Leiche war überraschend dann im März 2017 – ein dreiviertel Jahr nach Beginn des Prozesses um einen Mord ohne Leiche – entdeckt worden.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Urteil entsprach der Forderung von Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller. Er hatte für Mohammad A. und Entessar A. jeweils lebenslänglich gefordert. Für Santa A., für die aufgrund ihres Alters zur Tatzeit zwingend das mildere Jugendrecht anzuwenden ist, plädierte der Staatsanwalt auf neuneinhalb Jahre.

Die Verteidigung wiederum beantragte für die beiden Frauen Freispruch, weil sie nicht selbst Hand angelegt hätten. Für Mohammad A., der die tödlichen Messerstiche im Prozess letztlich gestanden hatte, hielt die Verteidigung sechs Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags für angemessen.

Die Rechtsanwälte waren davon ausgegangen, dass Mohammad A. zur Tatzeit 20 Jahre alt war, so dass für den Heranwachsenden noch das Jugendstrafrecht angewendet werden könne. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Angeklagten können binnen einer Woche in Revision gehen.

Von Sabine Kreuz

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