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Leere Löwenanlage: Wassergraben-Umbau wird „mit Hochdruck“ geplant

Leipziger Zoo Leere Löwenanlage: Wassergraben-Umbau wird „mit Hochdruck“ geplant

Im Leipziger Zoo wird nach dem Ausbruch von zwei jungen Löwen „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, bauliche Anpassungen am Wassergraben zu planen und dann auch umzusetzen. Andere deutsche Tiergärten sehen bei sich keinen Handlungsbedarf. Ihre Anlagen seien ausbruchssicher, heißt es.

Die Löwenanlage im Leipziger Zoo bleibt vorerst leer. Zwei junge Löwenbrüder waren vergangene Woche über den Wassergraben ausgebrochen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Leipziger Zoo kehrt die Routine zurück: Zum ersten Mal nach Löwenausbruch und Löwentod vom Donnerstag gab es am Mittwoch wieder kommentierte Fütterungen bei den Hyänen und Erdmännchen. Die Löwen-Freianlage ist nicht mehr abgesperrt, bleibt allerdings vorerst leer. Wann der einjährige Majo wieder ins Freie darf, steht noch nicht fest. „Im Moment ist das Tier immer noch verschüchtert. Die Kuratoren werden mit den Pflegern zur gegebener Zeit die Entscheidung treffen“, so Sprecherin Melanie Ginzel. Hinter den Kulissen werde „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, bauliche Anpassungen am Wassergraben zu planen und dann auch umzusetzen. Die Leipziger Anlage sei zuletzt im Vorfeld des Transfers „hinsichtlich Sicherheitsvorkehrungen, Funktionalität, Elektroanlagen und Bewuchs tiefgründig überprüft“ worden. Dennoch fanden die jungen Löwen nach reichlich einer Woche auf dem Areal einen Weg, den Wassergraben zu überwinden.

Der Zoo Leipzig ist historisch gesehen einer der größten Löwenzüchter weltweit. Mehr als 2300 Tiere kamen in Leipzig zur Welt, die ersten Raubtierfreianlagen wurden bereits 1928 eröffnet. Doch auf exakte Vorschriften für Löwenanlagen kann niemand zurückgreifen. „Es gibt keine Gesetze oder Baurichtlinien, wo man ganz genau nachlesen kann“, sagt Konstantin Ruske, Kurator im Zoo Magdeburg. Die Zoos nutzen Erfahrungen, die in gut funktionierenden Anlagen gemacht werden. So halten die Magdeburger ihre vier weißen afrikanischen Löwen durch einen 5,50 Meter hohen Zaun aus Stahlmaschengeflecht, durch Panzerglasscheiben und einen Elektrozaun in ihrem Revier. Das obere Stück des Zauns sei im 45-Grad-Winkel nach innen geneigt und dadurch unüberwindbar. „Einmal im Monat überprüfen wir alle Schraubverbindungen, denn mitunter springen die Löwen mit vollem Karacho dagegen. Täglich überprüfen wir die Stromsicherung“, berichtet Ruske.

Als erste gitterlose Raubtier-Freisichtanlage der Welt überhaupt gilt die „Löwenschlucht“ im Tierpark Hagenbeck. Die Hamburger wollen ihr Sicherheitskonzept nicht verändern: „In Hamburg kann so etwas nicht passieren“, so eine Sprecherin. Die Tiere könnten Wassergraben, Sträucher und Zaun nicht überwinden. Aus dem drei Meter tiefen Wasser könnten die Löwen nicht abspringen.

Aufmerksam wurde der Löwenausbruch im Zoo Basel verfolgt, dem Geburtsort der Leipziger Neu-Löwen Majo und Motshegetsi. In Basel leben die Eltern der beiden Brüder sowie ein zweites Weibchen. Vor der Löwen-Freianlage gibt es einen acht Meter breiten Wassergraben, außerdem eine Mauer mit Überhang, an einigen Stellen Glasscheiben sowie Elektrodraht. „Wir haben schon früher Löwen gehalten und auf Grund unserer internen Erfahrungen sowie im Austausch mit Kollegen weltweit die heutige Anlage konzipiert“, teilte Biologin Tanja Dietrich mit.

Auch die größten Tierparks in Bayern geben Entwarnung. „So etwas kann bei uns nicht passieren“, sagte Lisa Reininger, Sprecherin des Münchner Tierparks Hellabrunn. Bei der Umgestaltung der Anlage vor einigen Jahren sei ein Überhang in den Wassergraben eingebaut worden. „Diesen können die Tiere rein physikalisch aus eigener Kraft nicht überwinden“, so die Sprecherin. Der Wassergraben im Augsburger Zoo ist nach dem gleichen Modell konstruiert. Auch dort denkt man nicht über erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nach. In Nürnberg sind die Verantwortlichen ebenfalls entspannt, allerdings leben auf der 1939 eröffneten Anlage auch zwei sehr alte Tiere. Sollten jedoch wie in Leipzig jüngere, dynamische Tiere in Nürnberg einziehen, müsste man über Verschärfungen nachdenken.

Von Kerstin Decker

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