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Legionellen beunruhigen viele Mieter im Leipziger Musikviertel

Legionellen beunruhigen viele Mieter im Leipziger Musikviertel

Nicht nur die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) lässt jetzt alle ihre 657 Trinkwasser-Hausanlagen auf Legionellen untersuchen. Per Gesetz ist jeder Vermieter verpflichtet, bis Ende 2013 Tests auf die gefährlichen Umweltkeime vorzunehmen.

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Gefährliche Erreger: Legionellen sind die Verursacher der unter Umständen tödlich endenden Legionärs-Krankheit. (Bild: TU Dresden)

Quelle: dpa

Leipzig. Wie die LVZ gestern aufdeckte, wurde Einwohnern im Musikviertel gerade von ihrer Hausverwaltung empfohlen, vorerst nicht mehr zu duschen. Grund sei eine hohe Legionellen-Konzentration im Warmwassersystem des Gebäudes.

Wer zerstäubte Wassertröpfchen mit größeren Mengen dieser Bakterien einatmet, kann davon die Legionärskrankheit bekommen. Sie ruft häufig eine Lungenentzündung hervor. Bundesweit werden jährlich etwa 400 Krankheitsfälle gemeldet - 15 Prozent enden tödlich.

Der Befund für das Haus im Musikviertel ist offenbar kein Einzelfall. Mehrere Leser berichteten nun in der Redaktion über jüngst entdeckte Probleme mit Legionellen: zum Beispiel in der Dufour- und Friedrich-Ebert-Straße. Jedoch kam es dort nicht zum Duschverbot. Vielmehr griffen Gegenmaßnahmen wie langes Spülen der Leitungen mit Heißwasser.

Die Wohnungsgenossenschaft Lipsia (9400 Wohnungen) hat bereits 17 Prozent ihrer Bestände auf Legionellen getestet. "In einigen Proben wurde ein erheblicher Befall registriert. Allerdings nur in einem Fall konnte das der Warmwasseranlage zugerechnet werden", teilte Vorstand Wilhelm Grewatsch mit. Grund des Befalls sei meist ein extremes Wassersparverhalten einzelner Mieter. "Das Problem kann nicht gelöst werden, wenn der Einzelne sein Verbraucherverhalten nicht ändert", meinte Grewatsch.

Tatsächlich beruht eine erhöhte Koloniezahl der Bakterien fast immer auf zu geringer Wasserzirkulation in den Boilern oder Leitungen eines Hauses. Kommen warme Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad Celsius hinzu, können sich die Erreger explosionsartig vermehren.

"Grenzüberschreitungen gibt es immer mal wieder", bestätigte Nils Lahl, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz im Gesundheitsamt. Die Urlaubszeit im Sommer sei dafür prädestiniert. Ein Auftreten der Legionärskrankheit im Stadtgebiet sei ihm aber nicht bekannt, betonte der Fachmann. Die Vermieter seien durch eine Gesetzesnovelle 2012 gezwungen worden, ihre Wasseranlagen bis Ende 2013 auf die Erreger zu testen. "Deshalb wird jetzt überall genauer hingeschaut."

Obwohl Grenzwertüberschreitungen beim Gesundheitsamt meldepflichtig sind, konnte Lahl keine aktuellen Zahlen für Leipzig nennen. Nicht beim Trinken, sondern allein beim Einatmen von belastetem Wasserdampf mit vielen Keimen bestehe eine Gefahr, erläuterte er. Da die Erreger bei Temperaturen über 60 Grad absterben, reiche oft schon ein Spülen aller Rohre mit Heißwasser (mindestens drei Minuten) oder Reinigen der Leitungen zur Problemlösung aus.

Legionellen-Schnelltests für den Privatgebrauch gibt es nicht, erklärte Samira Sachse, Sprecherin beim kommunalen Großvermieter LWB (35 000 Wohnungen). "Deshalb haben wir alle 657 Trinkwasseranlagen so umgebaut, dass sie bis Ende 2013 komplett beprobt werden können. Und dann künftig alle drei Jahre - wie es das Gesetz vorschreibt." Die Tests bei der LWB liefen schon seit April. Bislang seien nur in drei Häusern "geringe Überschreitungen" aufgetaucht.

Für die Proben werden auch Wohnungen ausgewählt. "Wenn wir das mit Aushängen ankündigen, herrscht natürlich viel Verunsicherung bei den Mietern", so Rainer Löhnert, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Kontakt (15 000 Wohnungen). Dabei habe die Kontakt in allen Anlagen Legionellen-Schaltungen, die das Wasser einmal pro Tag auf über 90 Grad erhitzen. "Trotzdem müssen auch wir jetzt 200 000 Euro für die Proben in allen Häusern ausgeben; haben damit gerade im großen Stil angefangen."

Der Test erfolgt durch zertifizierte Firmen. Er dauert einige Wochen, kostet pro Haus einen unteren dreistelligen Betrag. Die Vermieter sind berechtigt, dieses Geld auf die Betriebskosten umzulegen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2013

Katharina Schultz / Jens Romets

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