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Lokales Legionellenalarm in Leipzig: Duschverbot in Kitas und Schulsporthallen
Leipzig Lokales Legionellenalarm in Leipzig: Duschverbot in Kitas und Schulsporthallen
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22:20 18.04.2016
Duschen verboten: An drei Kitas und sechs Schulsporthallen in Leipzig gibt es Nutzungseinschränkungen, weil die Bakterien Grenzwerte überschritten haben.   Quelle: Andreas Roese
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Leipzig

Nach Überprüfungen durch das Gesundheitsamt hat die Stadt Leipzig Duschverbote an drei Kitas und sechs Schulsporthallen verhängt. Die Gebäude mussten bislang aber noch nicht gesperrt werden. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag auf Anfrage der LVZ mit.

Um welche Standorte es sich handelt, wollte die Stadt nicht offenbaren. Fest steht aber, dass es nicht in allen Fällen mit kurzfristigen Gegenmaßnahmen getan ist – Spülungen, Desinfektionen durch Hitze und Einbauten von Filtern an den Duschköpfen reichen mitunter nicht aus. „Wo Sofortmaßnahmen keinen dauerhaften Erfolg versprechen, werden Planungen für weiterreichende Veränderungen an den betreffenden Anlagen erstellt und umgesetzt“, teilte die Stadt mit. Dabei gehe es zum Beispiel um den kompletten Austausch von Leitungen.

Das Thema dürfte noch längere Zeit für Kosten sorgen: „Ältere Trinkwasserinstallationen entsprechen den Anforderungen in vielen Fällen nicht und müssen angepasst werden“, heißt es in einer nicht-öffentlichen Vorlage für die Dienstberatung des Oberbürgermeisters, die der LVZ vorliegt. „Das führt zu finanziellen Mehrbelastungen für die Instandsetzung der Warmwassereinrichtungen.“ Im vergangenen Jahr kosteten die Gegenmaßnahmen die Stadt rund 332.000 Euro. Laut dem internen Rathauspapier sind 2017 und 2018 jeweils 600.000 Euro zur Legionellen-Bekämpfung nötig, 2019 sollen es 750.000 Euro sein.

Legionellen bilden sich, wo Wasser lange in Leitungen steht

Legionellen können sich überall dort bilden, wo Wasser lange in Leitungen steht und Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad vorliegen. Im privaten Haushalt kann dies zum Beispiel durch einen Urlaub, in Schulsporthallen durch Ferien der Fall sein. Eine Übertragung erfolgt vor allem durch das Einatmen beim Duschen oder durch Klimaanlagen. „Legionellen sind im Trinkwasser immer in geringster Konzentration enthalten“, teilte die Stadt mit. In geringem Maße gesundheitlich relevant seien die Keime erst ab Konzentrationen von mehr als 100 „koloniebildenden Einheiten“ (kbE) je 100 Milliliter (ml). Ab dieser Schwelle würden Maßnahmen ergriffen. Ab einer Konzentration von mehr als 10.000 kbE pro 100 ml sei von einer akuten Gesundheitsgefährdung auszugehen, die jedoch nur beim Einatmen von kontaminiertem Sprühnebel wie in Duschen bestehe. Der normale Genuss von Trinkwasser stelle keine Gefährdung dar, da Legionellen auf die Lungen wirken.

Selbst bei einer optimalen technischen Installation (Einsatz von zirkulierenden Warmwassersystemen, deren Zirkulationstemperatur höher 55 Grad ist, sowie Isolation von Kaltwasserleitungen) könnten Legionellenbefunde bei längerer Nichtentnahme nicht ausgeschlossen werden. Deshalb seien nach längerer Nichtnutzung von Wasserleitungen das Spülen der Leitungen kalt wie warm notwendig. Bei städtischen Objekten würden das die Hausmeisterdienste übernehmen, so die Stadt weiter.

CDU reagiert empört

Zur Absicherung der Qualität des Trinkwassers und um die Gefährdung der Nutzer durch die Legionellen maximal zu minimieren, werden durch die Stadt Leipzig jährliche Messungen in den Einrichtungen durchgeführt und, so eine Überschreitung des Wertes von 100 kbE festgestellt wird, Verbesserungsmaßnahmen ergriffen sowie deren Erfolg nach vier Wochen mit einer weiteren Messung überprüft. Die Durchführung der regelmäßigen Messungen in Duschanlagen erfolge auf Grundlage der geltenden Trinkwasserverordnung in der novellierten Fassung von 2011 an allen in Frage kommenden kommunalen Liegenschaften.

Die CDU Leipzig reagierte am Montag empört. „Schulen und Kitas sind sensible Räume in Fragen der Hygiene und der Gesundheit. Gerade bei jüngeren Kindern ist das Immunsystem nicht so stark ausgeprägt. Deswegen ist es schockierend, dass ein möglicher Befall uns Stadträten bisher nicht zur Kenntnis gegeben wurde“, so Michael Weickert. Auch CDU-Stadtrat Frank Tornau forderte eine umgehende lückenlose Aufklärung. Dabei stünden neben dem Legionellenbefall auch personelle Verantwortlichkeiten zur Debatte, sagte Tornau.

Von Björn Meine

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