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Lehrermangel – Sächsische Bildungsagentur will stärker gegensteuern

Schulen in Leipzig Lehrermangel – Sächsische Bildungsagentur will stärker gegensteuern

Der Leipziger Stadtelternrat hat in Lindenau über den Schulentwicklungsplan debattiert. Neben fast 100 Elternvertretern waren auch Sozialbürgermeister Thomas Fabian und Ralf Berger, Leiter der Bildungsagentur, gekommen. Beide bekamen viel Kritik zu hören.

Sozialbürgermeister Thomas Fabian muss ständig neue Kinder in Kitas und Schulen unterbringen, weil Leipzig in atemberaubendem Tempo wächst.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig, . Leipzig muss nicht nur beim Schulneubau Tempo machen, sondern auch bei der Einstellung neuer Lehrer. Dies erklärten Elternvertreter zahlreicher Leipziger Schulen auf der Vollversammlung des Stadtelternrates am Sonnabend in der Lindenauer Nachbarschaftsschule. Es reiche nicht, viel Geld in die Schulinfrastruktur zu investieren – es müssten auch genügend Lehrer für die ständig steigenden Schülerzahlen eingestellt werden, hieß es. Erforderlichenfalls müsse über eine Anhebung der Lehrer-Gehälter nachgedacht werden.

Ralf Berger, Regionalstellenleiter der Sächsischen Bildungsagentur in Leipzig, widersprach der Kritik. Es gebe nicht zu wenig Lehrer, die Versorgung sei aber „auf Kante genäht“, räumte er ein. Allein zur Vorbereitung des laufenden Schuljahres habe seine Behörde 350 Lehrer eingestellt, allerdings vorwiegend für Grund- und Oberschulen. „Die Bewerberlage ist bei Lehrern für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathe, Physik, Chemie, Biologie oder Informatik ganz schlecht“, so der Direktor. „Wir stellen jeden Lehrer ein, der ernsthaft will.“ In Deutschland sei ein Kampf „um die Lehrer“ im Gange. „Unsere Konkurrenten sind auch Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen“, erklärte er.

Berger berichtete, er stelle inzwischen „regelmäßig pensionierte Lehrer ein“, die sich für eine befristete Zeit im Rahmen des Programms „Unterrrichtsversorgung“ etwas dazuverdienen wollen. Dies gelte auch für Studenten, die auf ihr Referendariat warten. Es werden auch intensiv um den sächsischen Lehrernachwuchs geworben. „Wer möchte, bekommt in kürzester Zeit ein Bewerbungsgespräch.“ Zum 1. Februar würden in Sachsen knapp 500 Lehrer ihr Referendariat an den sächsischen Ausbildungsstätten abschließen und es sei absehbar, „dass eine hinreichend große Zahl“ in Sachsens Schulen anfangen wird. Der Freistaat habe auch schon Schritte unternommen, um die Lehrer-Gehälter zu verbessern, erklärte er. „Ich hoffe, dass da noch etwas mehr geschieht – aber das ist Sache des Gesetzgebers.“

Durch das Eintreffen ständig neuer Flüchtlinge wächst in Leipzig auch der Bedarf DaZ-Klassen. „Wir machen jetzt fast wöchentlich in Leipzig eine DaZ-Klasse auf“, sagte Berger. Dort sei die Verweildauer von Schülern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) sehr unterschiedlich, da unter den eintreffenden Kindern auch Analphabeten seien.

Derzeit gebe es in Leipzig an 14 Grund- und an 14 Oberschulen DaZ-Klassen. „Ich prophezeie, dass wir im nächsten Jahr mindestens an jeder Oberschule eine DaZ-Klasse haben; vielleicht auch an jeder Grundschule“, so Berger. Das Lehrer-Problem sei für diese Klassen noch nicht gravierend. „Wir haben jede Woche zwei bis vier Bewerber, die im Ausland Deutsch unterrichtet haben, zum Beispiel in Goethe-Instituten.“ Leipzig profitiere hier von seinen Standortvorteilen. Es sei auch nur noch eine Frage der Zeit, bis es DaZ-Vorbereitungsklassen in Gymnasien gebe. Etwa zehn Prozent der Flüchtlingskinder hätten die Voraussetzung, in ein Gymnasium zu wechseln.

Auch bei Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) ist das Thema DaZ-Klassen angekommen. „Die Planung ist nicht leicht“, erklärte er auf der Konferenz. „Denn wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge kommen und wie lange sie bleiben.“

Der Vorsitzende des Stadtelternrates Pier Meier gab zu bedenken, dass die DaZ-Zahlen noch nicht im aktuellen Schulnetzplan enthalten sind. Er forderte auch dringend, Leipzigs Nachholebedarf bei Schulsporthallen abzubauen. Außerdem sollte der Freistaat seine Fördermittelzusagen präzisieren. „Die Kommunen müssen bei Beginn der Bauarbeiten an Schulen wissen, mit welchen Fördermitteln sie rechnen können“, so Meier.

 

Von Andreas Tappert

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