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Leibnizladen dicht – Merchandising der Leipziger Uni am Boden

Lizenz- und Mietvertrag gekündigt Leibnizladen dicht – Merchandising der Leipziger Uni am Boden

Die Vermarktungsmaschinerie der Leipziger Uni ist ins Stocken gekommen: Ausgerechnet im Leibniz-Jahr hat der Leibnizladen auf dem Campus am Augustusplatz dicht gemacht.

Der Leibnizladen auf dem Leipziger Uni-Campus ist seit Monaten dicht.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.
(1646-1716) jetzt auf dem Campus-Innenhof von seinem Denkmalsockel blickt, sieht er das nach ihm benannte Geschäft in einem traurigen Zustand: Tote Hose im Verkaufsraum, Sichtblenden in den Fensterscheiben und ein Entschuldigungszettel an der verschlossenen Tür.

Potenzielle Interessenten von Accessoires mit dem Uni-Logo und – Schriftzug erfahren beim Lesen des Aushanges, dass voraussichtlich ab dem Wintersemester – also Oktober – wieder geöffnet sein soll. „Bis dahin bitten wir noch um etwas Geduld“, so die vertröstende Botschaft der Stabsstelle Universitätskommunikation, die im Herbst 2015 eingerichtet worden war und direkt dem Rektorat unterstellt ist. Auf Anfrage meinte Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann, die Stabsstelle befasse sich aktuell mit einer Neuausrichtung des Merchandising-Bereiches. „In der jüngeren Vergangenheit sind da viele Dinge nicht optimal gelaufen.“ Der Kooperationsvertrag mit dem Lizenznehmer sei zum Stichtag 30. September gekündigt worden, so Heckmann. „Zu den Geschäftsbeziehungen möchten wir uns öffentlich nicht im Detail äußern“.

Roman Kandler ist da offenherziger und redet beim Kaffee in der Moritzbastei nicht um den heißen Brei herum. 2010 war er ins Merchandising-Geschäft an der hiesigen Uni eingestiegen. Erfahrungen brachte er aus Berlin mit, hatte dort an der Humboldt-Uni den Humboldt-Store geleitet. Kandler kniete sich in sein neues Leipziger Betätigungsfeld hinein, zog mit Frau und zwei Kindern in die Messestadt. „Das Sortiment wurde erweitert, studentische Hilfskräfte eingestellt und auch der Online-Vertrieb gestärkt“, blickt er zurück. Weil er wusste, dass mit reinen Uni-Artikeln kaum Geld zu verdienen war, wurde ein Ticket- und Buchverkauf angedockt.

Trotz vergleichsweise günstiger Mietkonditionen war der Leibnizladen aber alles andere als eine Goldgrube. „Nach der Geburt des drittes Kindes sind wir dann wieder nach Berlin gezogen. Ich hatte in dieser Zeit viel um die Ohren, da sind auch die Öffnungszeiten für den Uni-Shop verkürzt worden.“ Wenn Lizenznehmer Kandler von seiner unternehmerischen Tätigkeit für die Alma mater erzählt, dann ist oft von persönlicher Enttäuschung die Rede. Im November 2015, als die Stabsstelle Universitätskommunikation gerade entstanden war, wurde dort mit ihm über die Zukunft des leidenden Leibnizladens beraten. „Ich hatte ein gutes Gefühl, das war ein konstruktives Gespräch.“

Von erwachter Experimentierfreude spricht Kandler rückblickend, aber eben auch von nicht allzu großen Spielräumen, die es verwaltungstechnisch gab. Um den Shop anzukurbeln, wurden die Öffnungszeiten gestreckt, das Angebot aufgestockt und Lesungen veranstaltet. Kandler wollte einen Geschäftspartner mit ins Boot holen, um es flott zu machen. Doch das wurde zum 31. März 2016 versenkt, da endete sein Mietverhältnis auf dem Campus. Eine Aufhebungsvereinbarung lehnte er ab, die gebotene Abfindung sei viel zu gering gewesen. „Ich habe hier ja eine fünfstellige Summe investiert.“

Uni-Sprecher Heckmann meinte, bis zum 30. September könne der Lizenznehmer noch Produkte online und in Lehmanns Buchhandlung verkaufen. Für Kandler stellt sich die Frage, ob Leibnizladen-Betrieb und Lizenz eigentlich neu ausgeschrieben werden. Und bei der Internet-Domain für den Shop merkt er an: „Das ist meine.“

 

 

Von Mario Beck

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