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Lokales Leicht und kugelsicher: Uni Leipzig veröffentlicht Erkenntnisse über Spinnenseide
Leipzig Lokales Leicht und kugelsicher: Uni Leipzig veröffentlicht Erkenntnisse über Spinnenseide
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15:54 26.07.2016
Spinnenseide: Raffinierte Struktur im Mikro- und Nanometer-Bereich. Eine Grafik der Uni Leipzig und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung Mainz. Quelle: Markus Anton und Periklis Papadopoulos
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Leipzig

Iiiih, Spinne? Das käme den Wissenschaftlern des Instituts für Experimentelle Physik an der Uni Leipzig nie in den Sinn. Derzeit leben vier Seidenspinnen in speziellen Terrarien im Büro der Forscher. Die Fäden der Nephila liefern dort neue Beweise für die Zähigkeit des natürlichen Materials, das sich sogar für sehr leichte, kugelsichere Westen eignen könnte.

Gemeinsam mit ausländischen Partnern fanden die Forscher bei Experimenten mit Laserstrahlen heraus, dass die Spinnfäden zum Beispiel die Ausbreitung mechanischer Schwingungen für bestimmte Frequenzen blockiere, erklärte das Institut am Dienstag. Eine Anomalie, die die Leipziger und ihre Partner aus Griechenland, den USA und Singapur nun erstmals in einem natürlichen Material nachweisen konnten. Damit liefern sie ein

weiteres Puzzleteil zur Entschlüsselung des Aufbaus der Spinnenseide, die raffinierte Verflechtungen in unterschiedlichen Größenordnungen aufweise.

Kugelsichere Westen und Brustimplantate

Die Seide habe die höchste Zähigkeit aller natürlichen und künstlichen Materialien, die es gibt, so Professor Friedrich Kremer vom Leipziger Physik-Institut. Die speziellen Eigenschaften rückten die Fasern der zwei bis sechs Zentimeter großen Spinnentiere schon lange in den Fokus internationaler Forschung, so Kremer weiter.

Seit Jahren werden auch die Anwendungen der hauchdünnen Wunderwerke diskutiert, so Markus Anton, zu dessen Bereich am Leipziger die Infrarotspektroskopie gehört. Das Material könnte sich unter anderem für kugelsichere Westen eignen, laute eine These. Die wären dann extrem leicht und gleichzeitig verblüffend widerstandsfähig. „Wenn man an einem dieser Spinnfäden zieht, wird die Energie zunächst an die kleinsten Teilchen der Struktur weitergegeben“, erklärt Anton. Kurz: Reißfester geht es nicht.

Und die grazilen Fäden der Krabbeltiere können noch mehr. Immunreaktionen des menschlichen Körpers auf das Gewebe seien bisher nicht bekannt, so Anton. Das macht die Spinnseide interessant für medizinische Anwendungen. Bei schweren Verbrennungen könnte sie als leichtes, stabiles Stützgewebe eingesetzt werden, das Wundflüssigkeit abfließen lässt. Auch die Beschichtung von Brustimplantaten sei denkbar, denn damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper diese nicht abstoße.

Die Leipziger Forscher und ihre Partner veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt in dem renommierten Fachjournal „Nature Materials“. Alle anderen könnten damit einen neuen Blick auf die zarten Gespinste der Krabbeltiere bekommen: Aaah, Spinne!

Von Evelyn ter Vehn

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