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Lokales Leipzig: Albrecht Reißmann lebt mit dem Krebs und ist ein Organisator im Kampf gegen ihn
Leipzig Lokales Leipzig: Albrecht Reißmann lebt mit dem Krebs und ist ein Organisator im Kampf gegen ihn
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00:20 16.06.2017
Albrecht Reißmann in seinem Bett in der Uniklinik. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

„Das ist so, als wenn sie als Hausbesitzer einen unangenehmen Untermieter haben und den partout nicht loskriegen“, sagt Albrecht Reißmann (67). Zurzeit liegt er wieder mal im Krankenhaus und wird wohl demnächst eine erneute Stammzelltransplantation über sich ergehen lassen müssen. Reißmann leidet seit 2002 an Leukämie und konkret an der Krankheit Multiples Myelom. Es siedelt sich im blutbildenden System an. Die Krankheit schwächt durch anormales Wachstum von Plasmazellen das Immunsystem des Körpers und schädigt Knochenmark und Knochengewebe.

„Der Tumor ist wieder mal aktiv geworden, er hat gerade ein Brikett nachgelegt“, schildert Reißmann sein aktuelles Befinden. Er lernte in all den Jahren, sich mit der Krankheit zu arrangieren: „Mal gelingt das besser, mal nicht so gut, mal hast du sie, weil nichts weh tut, verdrängt, ein anderes Mal denkst du wieder an diese Handgranate, die du mit dir rumträgst.“ Vor fünf Jahren unterzog sich der Patient der Transplantation mit körpereigenen Stammzellen. So was steht nun nach den aktuellen Befunden wieder an: „Ein Vorrat von mir liegt ja noch tiefgefroren im Depot.“

Der jetzige Aufenthalt in der Klinik kommt für Reißmann zur Unzeit. Kommenden Sonnabend findet zum 13. Mal das wissenschaftliche Symposium zum Thema Multiples Myelom statt. Auch diesmal hat Reißmann die Veranstaltung, die unter der wissenschaftlichen Leitung von Leipzigs Leukämie-Professor Dietger Niederwieser steht, organisiert. Nun in der heißen Phase der Vorbereitung nicht aktiv sein zu können, schmerzt ihn mental. Der Laden läuft aber, auf die vor zehn Jahren von Reißmann gegründete Krebs-Selbsthilfegruppe mit aktuell 40 Mitgliedern ist Verlass. Wenn es ihm nur annähernd gut geht, möchte er an der Tagung teilnehmen. Sein Motto auch dann: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Das hat sich Reißmann in den Jahren, in denen er mit seiner Leukämie-Erkrankung konfrontiert ist, immer wieder gesagt. Und das „warum gerade ich?“, versucht er zu verdrängen. Auch stellt er den Ärzten, weil er weiß, keine schlüssige Antwort darauf bekommen zu können, nicht die Frage „Wie lange hab‘ ich noch?“. Sehr geholfen hat ihm wie weiteren Betroffenen die Arbeit mit und in der Selbsthilfegruppe. Sie ist der Schlüssel zur unabdingbaren Lebensqualität. „Die Lust am Leben nicht zu verlieren, ist ganz wichtig. Mit der Selbsthilfegruppe sind wir ein Teil des Gesundheitssystems und Partner der Ärzte. Die seelische Stabilisierung der Patienten und ihrer Angehörigen können sie nicht leisten, sie sind dafür da, uns die richtigen Diagnosen zu stellen.“

Albrecht Reißmann hat ein bewegtes Leben hinter sich. Dass er jetzt immer zur Durchsicht muss, vergleicht er, trotz schwerer Krankheit nie seinen Humor verlierend, mit seiner früheren Profession. Zu DDR-Zeiten war er privilegiert, weil er als privater Handwerksmeister und Inhaber einer Kfz-Reparatur für Motorräder ein gefragter Mann war. Als er dann mal in den Westen reisen durfte, sagte er sich: „Nichts wie weg aus dem real existierenden Sozialismus.“ Am 30. Juni 1989 durfte das Ehepaar Reißmann, natürlich nichts ahnend vom schnell folgenden Leipziger Herbst, ausreisen. Das neue Leben begann, erst erfolgreich und später gar nicht mehr so, als Lagerleiter bei Thyssen/Krupp entlassen, dazu 2002 die Krebs-Diagnose. Die Rückkehr in die alte Heimat folgte.

Hier bestimmt der Krebs das Leben. Mal weniger und derzeit wieder sehr viel mehr.

myelom-shg-leipzig@gmx.de

Von Thomas Mayer

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