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Lokales Leipzig: Bahn frei für neuen Stadtteil mit Schulen, Kitas und 3000 Wohnungen
Leipzig Lokales Leipzig: Bahn frei für neuen Stadtteil mit Schulen, Kitas und 3000 Wohnungen
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00:18 11.11.2016
Für 200 Wohnungen am Dösner Weg fand bereits ein Architektenwettbewerb statt. Von der Jury zur Umsetzung empfohlen wurde dieser Entwurf des Berliner Büros Kaden+Lager.
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Leipzig

 Mit bis zu 3000 Wohnungen ist es das größte Neubauvorhaben in Ostdeutschland seit der Wende – zumindest was Mietwohnungen betrifft. Auf einer 40 Hektar großen Brachfläche hinter dem Bayerischen Bahnhof in Leipzig soll ab dem Frühjahr 2017 eine neue kleine Stadt entstehen. Mit allem, was dazu gehört. Bekanntlich hatte in den vergangenen Monaten eine Mediationsrunde etwa 20 Mal getagt, um das seit Jahren ruhende Projekt endlich wieder flott zu bekommen. Am Dienstagabend wurde nun das Ergebnis erstmals im Baufachausschuss der Kommune vorgestellt.

Laut Anwalt Christoph von Berg, der das Mediationsverfahren moderiert hat, liegt als Resultat eine „Durchführungsvereinbarung zum städtebaulichen Wettbewerb von 2011“ auf dem Tisch. Demnach soll der seinerzeit preisgekrönte und viel gelobte Entwurf der beiden Berliner Büros „Jörg Wessendorf Architektur“ sowie „Atelier Loidl“ zu neuen Ehren kommen. „Nur in zwei, drei Punkten wird davon abgewichen, um das Gelingen des Gesamtvorhabens zu ermöglichen“, sagte von Berg.

Schnell losgehen könnte es am Dösner Weg. Dort sind eine Kita mit 165 Plätzen (im Bereich von „Gurken-Schumann“) sowie 200 Wohnungen geplant. Für die neuen Häuser fand bereits ein Werkstattverfahren mit fünf Architekturbüros statt, bei dem die Jury den Entwurf der Berliner Baumeister Kaden+Lager am besten bewertete. Doch auch der Zweitplatzierte von nps Tchoban Voss (mit Niederlassungen in Hamburg, Berlin und Dresden) soll noch etwas überarbeitet werden, bevor die endgültige Entscheidung fällt. 30 Prozent der Wohnungen am Dösner Weg sind so geschnitten, dass sie mit Hilfe von Fördermitteln als Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt werden könnten, hatte Hannes Koefer, Vorstand beim privaten Grundstückseigentümer Leipziger Stadtbau AG, jüngst bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion erklärt. Diesem Unternehmen gehört ein Großteil des Geländes.

Auch viele weitere Wohnungen auf dem Areal werden so geplant, dass sie für Programme zum sozialen Wohnungsbau tauglich wären, so von Berg. „Ziel ist ein bunt gemischtes Viertel.“ Zur neuen Vereinbarung gehöre ebenfalls, dass die Stadtbau AG Flächen am südlichen Ende des Dösner Wegs an die Stadt verkauft. Dort plane die Kommune eine Oberschule und ein Gymnasium, auch Turnhallen für 2000 Schüler.

Zu beiden Seiten des S-Bahn-Trogs, der noch eine zusätzliche Fußgängerbrücke erhalten könnte, ist ein acht Hektar großer Grünzug vorgesehen. Er dient zugleich als Kaltluftschneise für die City. Den Grünzug wird die Stadtbau AG in Abstimmung mit den Ämtern als Park mit Spiel- und Freizeitanlagen gestalten, später an die Kommune übertragen. Im Nordteil sind zudem Regenrückhalteanlagen nötig. Das gesamte Gelände soll durch den Kommunalkonzern Leipziger Gruppe als Modellstandort für den Einsatz erneuerbarer Energien (samt Speicher in der Erde) und modernste Verkehrslösungen entwickelt werden.

Abweichend vom Wessendorf-Konzept bekommt der Nordteil keinen Radschnellweg, sondern normale Radwege. Entlang der Kohlenstraße sind nun keine Einfamilienhäuser mehr geplant, sondern bis zu fünfgeschossige Wohnbauten plus Kita als Erweiterung der Südvorstadt. Die meisten neuen Häuser sollen eines Tages östlich der Lößniger Straße beziehungsweise nördlich der Kurt-Eisner-Straße in die Höhe wachsen. Für diesen Teil muss aber erst noch ein Bebauungsplan erstellt werden. Zur Zukunft des Clubs Distillery verspricht die Stadtbau AG eine „einvernehmliche privatrechtliche Lösung“. Ein Stück weiter im Norden der Semmelweisbrücke will ein anderer Investor (nach LVZ-Informationen aus dem Bereich des Rettungswesens) ein mehrgeschossiges Ensemble für betreutes Wohnen, soziale Servicedienste sowie eine Schwimmhalle im Erdgeschoss errichten. Südlich der Brücke plant die Stadtbau AG eine Grundschule für 1000 Eleven, die auch den Bedarf in dem künftigen, zurzeit noch namenlosen, Viertel abdecken soll.

Ein Clou der Pläne dürfte sein, dass der Ostflügel des Bayerischen Bahnhofs (zerstört im Zweiten Weltkrieg) nach historischem Vorbild wieder aufgebaut wird. Der dadurch entstehende Innenhof soll als Freisitz teilweise überdacht werden. Am Eingang der Straße des 18. Oktober ist noch ein Neubau als „Hochpunkt“ avisiert.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte: „Ich bin sehr froh, dass die Hängepartie jetzt zu Ende ist und hoffe, dass der Stadtrat diesen Weg mitgeht.“ Der Bayerischer Bahnhof zeige, wie Leipzig die Probleme einer stark wachsenden Stadt sozial und ökologisch meistern kann. Grob geschätzt dürfte das Projekt weit über eine halbe Milliarde Euro kosten. Die Stadtbau AG will es gemeinsam mit anderen Investoren in etwa zehn Jahren fertigstellen.

Von Jens Rometsch

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