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Leipzig: Bau-Styropor wird gefährlicher Abfall

Ungeklärte Entsorgung Leipzig: Bau-Styropor wird gefährlicher Abfall

In der Vergangenheit wurden Dämmplatten aus sogenannten Polystyrol oder Styropor reichlich für die Fassadenverkleidung genutzt. Damit das Material nicht brennt, wurde im Hexabromcyclododecan beigegeben. Dieses Flammschutzmittel ist in Misskredit geraten – wie weit reichenden Folgen für die Handwerker und Hausbesitzer.

Ein Großbrand hielt 2013 die Region um Ludwigshafen in Atem. Eine 9500 Quadratmeter große Lagerhalle, in der Styropor-Granulat gelagert war, stand in Flammen. Um die Brennbarkeit von Styropor herabzusetzen, wurde ein Flammschutzmittel beigemischt.

Quelle: dpa

Leipzig. Ab Oktober wird die Entsorgung von Bau-Styropor für Handwerker und Hausbesitzer in Leipzig ein Problem. Der Grund: Mit Monatsbeginn gilt dieser Stoff als gefährlicher Abfall und muss besonders aufwendig entsorgt werden. Bislang gibt es in Leipzig niemanden, der diesen Stoff dann abnehmen und lagern darf. Auch bei der Entsorgung des Dämmstoffes gibt es noch viele offene Fragen.

Tobias Hönemann war einer der ersten, der in Leipzig Alarm schlug. „Ich telefoniere seit Tagen, doch alle heben die Hände“, berichtete der Schleußiger. „Ich finde es ja gut, dass gefährliche Stoffe nicht einfach entsorgt werden dürfen. Aber wenn der Gesetzgeber dies festlegt, dann muss er auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass solche strengen Vorgaben auch erfüllt werden können.“

Im Leipziger Umweltamt sind die Mitarbeiter ähnlich hilflos wie Hönemann. Ja es stimme, es gebe in Leipzig noch keine Firma, die ab 1. Oktober Bau-Styropor annehmen darf, räumt dort Remigius Adamczyk von der unteren Abfallbehörde ein. Dies wisse man ziemlich genau, da Entsorgungsfirmen ab 1. Oktober einen neuen sogenannten Abfallschlüssel beantragen und mit behördlichem Siegel genehmigt bekommen müssen – bislang hat diesen Schlüssel in Leipzig noch niemand. Und wer Styropor ab Oktober ohne diese Zulassung abnimmt oder lagert, begeht eine Umweltstraftat „Einer der gewerblichen Entsorger hat wissen lassen, dass er Interesse an einer Genehmigung hat“, so Adamczyk. Entschieden sei aber noch nichts. „Private Haushalte, die ab 1. Oktober Bau-Styropor abgeben wollen, sollten dies direkt auf der Deponie Cröbern tun“, empfiehlt Umweltamtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch – ein relativ weiter Weg für Leipziger.

Dass sich viele Entsorgungsunternehmen noch nicht um eine Zulassung für die Annahme, Lagerung und den Transport von Bau-Styropor bemüht haben, liegt auch an den neuen Entsorgungsmodalitäten. Denn Styropor muss künftig verbrannt werden – doch es gibt in Sachsen bislang keine Verbrennungsanlagen, die dies können. Der Grund: Bau-Styropor hat einen extrem hohen Heizwert, der die Brennkammern vieler Anlagen überfordert. „Deshalb müssen die Styropor-Abfälle mit anderen Gütern gemischt werden“, so Adamczyk. „Aber bislang weiß noch niemand, welches Mischverhältnis angewandt werden kann.“ Tests dafür würden aber schon laufen.

Ausgelöst wurden die Turbulenzen von der Europäischen Union. Sie hat Styropor schon vor Monaten als gefährlichen Abfall eingestuft, weil er das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan enthält, das im Verdacht steht, sich im Körper anzureichern und für den Menschen fortpflanzungsschädlich zu sein. Bislang waren davon 7000 Milligramm pro Kilogramm zulässig, jetzt sind es nur noch 1000 Milligramm. Nicht betroffen ist das normale Verpackungsstyropor. Denn dies enthält in der Regel kein Flammenschutzmittel. Das Mittel wurde vor allem bei der Dämmung von Hausfassaden eingesetzt.

Von Andreas Tappert

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