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Lokales Leipzig-Boot wird zugelassen
Leipzig Lokales Leipzig-Boot wird zugelassen
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09:00 13.04.2017
Quelle: Patrick Moye
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Leipzig


Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) hatte deshalb vor einem Jahr Alarm geschlagen. In einem offenen Brief warnten der damalige IHK-Präsident Wolfgang Topf und IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann vor einen „Kippen“ des Leipzig Neuseenlandes. Statt eine touristische Destination zu werden, würde sich das Neuseenland zu einem Naherholungsgebiet zurückentwickeln, wenn der Freistaat nicht Entwicklungshemmnisse wie die Zulassung des Leipzigs-Boots beseitigt, schrieben sie an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU).

Auslöser des Streits war die Schifffahrtsverordnung des Freistaates gewesen. Denn diese hatte Sachsen weitgehend von der Rheinischen Schifffahrtsverordnung übernommen, die Bootsstandards vorschreibt, die im Leipziger Neuseenland nicht zu erfüllen sind. Noch nicht einmal vom Leipzig-Boot, das speziell zum Schutz der flachen Leipziger Gewässer entwickelt wurde und wegen seiner leichten Bauart nur geringe Bugwellen entwickelt – um die Flora und Fauna der Uferbereiche zu schonen.

Die Dresdner monierten damals, dass der Kenterschutz der Leipzig-Boote nicht dem Standard der Wasserfahrzeuge auf dem Rhein entspricht. Zusätzlich sollten die Benzin-Motoren auf Diesel-Kraftstoff umgerüstet werden, weil der Brandschutz dann besser wäre. Auch spezielle Stahlrümpfe wurden gefordert sowie Extra-räume für den Motor und Toiletten – alles Dinge, die mit dem Leipzig-Boot nicht zu leisten sind.

Jetzt hat der Freistaat für die auf Leipzigs Stadtgewässern verkehrenden Wasserfahrzeuge Anforderungen definiert. Wenn Bootseigner sie einhalten, erhalten sie eine technische Zulassung. So dürfen zum Beispiel bei der Verwendung bestimmter Kraftstoffe keine offenen Feuerstellen an Bord betrieben werden. Transportable Kraftstoffbehälter müssen grundsätzlich außerhalb des Wasserfahrzugs gefüllt werden und eventuell in den Fahrzeugen zum Einsatz kommende Gasanlagen regelmäßigen Wiederholungsprüfungen unterzogen werden. Auch die ordnungsgemäße Wartung der Feuerlöschanlage muss nachgewiesen werden.

Das vom Freistaat definierte Fahrgebiet solcher Boote reicht vom Lindenauer Hafen in Höhe der Brücke Lyoner Straße den Karl-Heine-Kanal entlang bis zum Palmengartenwehr, den Elstermühlgraben entlang bis in den Stadthafen. Auch eine Passage vom Palmengartenwehr die Weiße Elster entlang bis zur Höhe der Hüfferstraße ist gestattet; ebenso vom Palmengartenwehr das Elsterflutbett entlang bis zum Teilungswehr Großzschocher. Zugelassen ist der Einsatz auch vom Palmengartenwehr das Elsterflutbett entlang bis zur Verzweigung „Elsterflutbett/Pleiße, das Pleißeflutbett und den Floßgraben entlang weiter durch den Waldsee Lauer bis zur Fußwegbrücke südlich der Schleuse Cospuden am Strand beziehungsweise der Lagune. Ebenfalls befahren werden darf der Abschnitt von der Verzweigung „Floßgraben/Pleiße“ die Pleiße entlang bis zum Agra-Wehr.

Diese Fahrgebiete können allerdings von der Schifffahrtsbehörde in Abstimmung mit der Stadt Leipzig verändert werden. Dies ermögliche, auf künftige Gegebenheiten „dynamisch“ zu reagieren, heißt es.

Die IHK wertet diese Entwicklung positiv. „Der Erlass ist eine große Hilfe für die betroffenen Firmen“, sagte gestern Rita Fleischer, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Leipzig. „Eine Genehmigung gilt für vier Jahre – die Unternehmen bekommen dadurch jetzt eine größere Investitionssicherheit.“

Die Geschäftsführerin betont aber gleichzeitig, dass es keine Übergangsregelungen gibt und die Bootseigentümer jetzt schnell handeln sollten. „Sie müssen jetzt dafür sorgen, dass sie ein Gutachten für ihr Wasserfahrzeug bekommen und sehr schnell eine Zulassung in der Landesdirektion Sachsen beantragen“, so Fleischer. Dies sei eine zeitliche Herausforderung, weil die Bootssaison eigentlich schon am 1. April angefangen hat.

Noch nicht entschieden sind die anderen Kritikpunkte der IHK. Die damals angemahnte Schiffbarkeitserklärung könnte aber zumindest für den Zwenkauer See noch in diesem Jahr eintreffen, so Fleischer. Noch nicht geklärt sind Themen wie die Nutzung des Floßgrabens und die „Braune Pleiße“ – also der Umgang mit den ungiftigen Eisenverbindnungen im Wasser.

Von Andreas Tappert

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