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Lokales Leipzig: Debatte über deutsch-polnische Freundschaft im Zeitgeschichtlichen Forum
Leipzig Lokales Leipzig: Debatte über deutsch-polnische Freundschaft im Zeitgeschichtlichen Forum
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16:32 16.06.2016
Sabine Adler (Moderation), Adam Krzeminski, Markus Meckel, Katharina Blumberg-Stankiewicz und Basil Kerski bei der Diskussionsrunde im Zeitgeschichtlichen Forum (von links). Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Vorurteile über das jeweils andere Land sind bei den Menschen heute weniger ausgeprägt als früher. Und doch ist die Feierlaune getrübt. 25 Jahre ist es her, seit der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag abgeschlossen wurde. Seit Amtsantritt der rechtskonservativen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“, kurz PiS, in Polen im Herbst 2015 gibt es zwischen Warschau und Berlin immer wieder deutliche Dissonanzen. Darüber diskutierten Experten beim Forum in der Reihe „Streitfragen – Ost-West“, zu der Deutschlandfunk und Leipziger Volkszeitung am Mittwochabend ins Zeitgeschichtliche Forum eingeladen hatten.

„Polen ist viel dezentraler als beispielsweise Frankreich und durch seine Regionen und Städte eine lebendige Demokratie“, konstatierte Basil Kerski, Direktor des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig. Fast alle großen Metropolen seien „in der Opposition“ zur Regierungspartei, vor allem in der Kulturpolitik. So kommen viele junge Deutsche nach Danzig, das lebendig wie eine skandinavische Stadt geworden sei. Dadurch sei eine Substanz entstanden, die unabhängig von Politik sei. Es gebe viel Annäherungen, durch Visafreiheit mit Kaliningrad seien außerdem freundschaftliche Begegnungen zwischen Polen und Russen entstanden. Natürlich habe es auch vor dem Machtwechsel in Polen Misstöne in den Beziehungen zu Deutschland gegeben. Politiker fast aller Richtungen führen da immer wieder an, wie die sogenannte Ostsee-Pipeline „durchgepeitscht“ wurde. Sie bringt russisches Gas direkt nach Deutschland und umgeht damit den Transit über Polen.

„Ich setze auf Europa als heilende Anstalt“, sagte Publizist Adam Krzeminski, der eine konservative Gegenrevolution in vielen Ländern Europas konstatierte. Das zeige sich an Spaltungen in den Gesellschaften – ob nun in Frankreich mit Le Pen, Ungarn mit Orban oder in Deutschland mit den Pegida-Bewegungen. So sei nach 25 Jahren ein „anderer Zeitgeist“ entstanden. „Das ist aber auch nur eine Phase.“ Bei Demos in Warschau seien 200 000 Menschen auf die Straße gegangen. Polen sei zwar, so waren sich alle einig, ein zutiefst gespaltenes Land. „Für mich ist eher das Gift des Populismus das große Problem“, sagte Kulturwissenschaftlerin Katharina Blumberg-Stankiewicz. Als katholisches Land habe Polen schon immer konservative Werte vertreten. „Die deutsch-polnischen Beziehungen sind nicht in Gefahr“, resümierte Markus Meckel, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und frühere Bundestagsabgeordnete der SPD. Sie seien „höchstens politisch in einem schwierigen Fahrwasser“. Die gute Nachbarschaft gebe es nach wie vor. Sie werde im Alltag gelebt.

Von Mathias Orbeck

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